Raus aus dem Bunker

TRIER. Die Justiz will ihre Arbeit transparenter machen. Mit dem Projekt "Informatives Gericht" beschreiten das Landgericht Trier und die Amtsgerichte Neuland.

Geduldig harrt die Schulklasse auf den harten Stühlen im Sitzungssaal 130 aus. Drei Stunden lang verfolgen die 13-Jährigen aufmerksam den Prozess gegen einen Mann, der die Trierer Spielbank überfallen hat. Von Zeit zu Zeit erhebt sich in den hinteren Reihen ein leises Gegrummel, aber ein gestrenger Blick des Justizwachtmeisters reicht, um für Ruhe zu sorgen. Die Klasse hat Glück: Das Verfahren geht zügig über die Bühne, und so sind sie vom Verlesen der Anklage bis zur Urteilsbegründung bei einem kompletten Prozess dabei. Geht es nach Wolfgang Krämer, dann gehören solche Bilder künftig häufiger als bisher zum Justiz-Alltag am Trierer Landgericht. Schüler sind eine Haupt-Zielgruppe der Öffentlichkeits-Offensive des Landgerichtspräsidenten. Ihre Prozess-Besuche sollen künftig mit einer Einleitung und Nachbesprechung des Richters informativer und verständlicher werden. Aber die Richter gehen auch an die Schulen, um eine Einführung in Rechtskunde anzubieten. Und mit einer Schüler-Aktion für 14- bis 18-Jährige wird erkundet, wie Jugendliche die Justiz sehen. Die Gedanken und Ideen sollen sich in Kunstwerken widerspiegeln, die prämiert und ausgestellt werden. Nicht nur Schüler sind Ziel des Projekts "Informatives Gericht". Präsident Krämer und seine Mitstreiter wollen auch den erwachsenen Bürgern "die Vielfältigkeit der Aufgabengebiete und die Dienstleistungen der Justiz" näher bringen. Schließlich, so Krämer, errege die Gerichtsbarkeit meist nur "durch tatsächlich oder dazu hochstilisierte spektakuläre Prozesse oder Haftentlassungen Interesse". Die Gründe für das schiefe Bild sieht Krämer nicht nur bei anderen. Die Justiz habe sich "über Jahre hinweg eingebunkert", so seine selbstkritische Bilanz. Das soll sich ändern. Zum Beispiel durch eine moderne Infothek im künftigen Eingangsbereich des renovierten Gerichtsgebäudes in Trier. Per PC-Arbeitsplatz können sich Besucher informieren. Ein Bildschirm mit aktuellen Nachrichten und Prozessterminen gehört ebenfalls zum Konzept - ein enormer Fortschritt gegenüber der derzeitigen Zettelwirtschaft. Auch für Kunst und Kultur soll sich das alte Gemäuer des Trierer Landgerichts verstärkt öffnen. Kontinuierliche Ausstellungen im Treppenhaus, Dokumentationen und Karten in den Nebentrakten polieren künftig das Image der "trockenen Justiz" auf. Einen Vorgeschmack liefern die bereits ausgehängten, für Juristen nicht immer schmeichelhaften Zeichnungen aus Honoré Daumiers Zyklus "Les hommes de la Justice". Ein weiteres Arbeitsfeld für das Projekt "Informatives Gericht" ist die Justiz-Berichterstattung. Die Journalisten seien "wichtige Partner bei den Bemühungen um eine bessere Außendarstellung", sagt Wolfgang Krämer. Deshalb bietet das Landgericht kostenlose Schulungen zu Fachthemen an. Damit nicht nur die Trierer von den Neuerungen profitieren können, ist auch der Internet-Auftritt des Landgerichts und der acht Amtsgerichte der Region ( www.lgtr.justiz.rlp.de, mit weiteren Infos zum Projekt) im vergangenen Jahr komplett renoviert worden. Allerdings werden dort auch die Grenzen der neuen Offenheit deutlich. Während beispielsweise das Landgericht Koblenz oder das Verwaltungsgericht Trier freigiebig mit den Namen von Richtern, mit Telefonnummern oder ganzen Geschäftsverteilungsplänen umgehen, versteckt man sich beim LG Trier oft hinter anonymen Kammerbezeichnungen. Da muss der Präsident auch im eigenen Haus noch ein bisschen an der Transparenz feilen.