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Raus aus dem Dornröschenschlaf

Raus aus dem Dornröschenschlaf

BINGEN. Von der Kulturgartenschau zur Romantik zwischen Rhein und Reben: War die Landesgartenschau 2004 in Trier eine neue Mischung von Natur, Kunst und Stadtteilentwicklung, heißt für 2008 in Bingen die Losung "zurück zu den Wurzeln". Landschaft, Blumen und Gärten sollen im Vordergrund stehen.

"Wie ein Sechser im Lotto", so schwärmte Triers Oberbürgermeister Helmut Schröer, sei die Landesgartenschau 2004 für die Moselmetropole gewesen. Auf ein solch euphorisches Resümee ihrer Oberbürgermeisterin Birgit Collin-Langen hofft in zwei Jahren auch Bingens Gartenschau-Managerin Ute Hangen, selbst wenn in der 25.000-Einwohner-Stadt am Rhein-Nahe-Eck alles kleiner, kostengünstiger und anders werden soll. Beeindruckend sei die "Kulturgartenschau" auf dem Trierer Petrisberg mit ihren 3000 Veranstaltungen vom Frühjahr bis zum Herbst gewesen, lobt Hangen im Gespräch mit dem TV. Doch während dort die Aufwertung eines früheren Militärareals und ein Entwicklungsschub für einen neuen Stadtteil mit Wissenschaftspark im Vordergrund standen, soll am Tor zum Mittelrheintal die teilweise verloren gegangene Romantik der Weltkulturerbe-Region aus dem Dornröschenschlaf geholt werden. Knapp drei Kilometer Rheinufer von der Bahn-Brache am weltbekannten Mäuseturm über den in die Jahre gekommenen Hindenburg-Park bis zum weitgehend geräumten Industriehafen in seinem "schauderhaften Zustand" sollen bis Frühjahr 2008 in blühende Landschaften verwandelt werden. Mit 32 Millionen Euro, davon 24 aus der Landeskasse, werden rund 30 Hektar entwickelt und mehr als 120.000 Kubikmeter Erde bewegt werden. In der Tourismusregion, in der Anspruch und Wirklichkeit noch allzu oft auseinander klaffen, soll eine "einzigartige Symbiose von Natur- und Kulturlandschaft" entstehen. Sofort nachdem Bingen 2005 den Zuschlag für die Landesgartenschau erhielt, besichtigte Hangen die damals noch laufende Schau in Trier. Der Austausch ist wichtig, auch wenn die Ausgangslagen unterschiedlich sind, gibt sich die Tourismusexpertin überzeugt. Mit Matthias Schmauder hat sie den bereits in Trier für die technische Seite der Gartenschau Verantwortlichen an ihrer Seite. Beim Blick in die Zukunft werden elf Hektar brachliegendes Bahngelände zu einer Parkanlage, die mit Kleinspielfeldern, Sandstrand und Skateranlage zu Trendsportarten oder auch schlicht zum Picknick am Rhein einlädt. Eine alte Wagenausbesserungshalle wird zum Veranstaltungsraum umfunktioniert. Die Hindenburganlage, seit jeher eine Flaniermeile für die Touristen wird mit Rosengarten und asiatischen Staudengärten einer Schönheitsoperation unterzogen. Ähnlich wie in Trier soll auch hochwertiges Wohnen, in diesem Fall mit Stadtvillen am Rhein rund um den bisherigen Industriehafen, neue Lebensqualität schaffen. Wird Bingen derzeit noch meist als "Parkplatz von Rüdesheim" angesehen, soll der Entwicklungsschub Landesgartenschau in den kommenden Jahren für gleiche Augenhöhe und mehr Kooperation zwischen beiden Städten unter der wuchtigen Germania des Niederwalddenkmals sorgen. Wurde früher von der Rheingauer Seite auf Rheinhessen "heruntergeschaut", ist jetzt oftmals Respekt aus Anfragen über ein mögliches Miteinander herauszuhören, weiß Hangen zu berichten. Vom weltweiten Ruf Rüdesheims mit seinen zwei Millionen Übernachtungen und Massen an Tagestouristen könne man zum beiderseitigen Nutzen profitieren, hofft sie. Auch in diesem Punkt ist die Landesgartenschau mit erwarteten 800 000 Besuchern ganz auf nachhaltige Wirkung angelegt und soll als Brücke zum Rheingau fungieren.