Razzia bei Konzer Rockern

Bis zu den Festnahmen Ende Juli ist der Rockerclub Lobo in der Region nicht größer aufgefallen. Am Samstag feiern die Rocker in ihrem Konzer Clubhaus ihr Sommerfest - dort, wo die Polizei etliche Schlagwaffen und kleinere Mengen Rauschgifts sichergestellt hat.

Trier/Konz. Das Gästebuch auf der Internetseite des bundesweiten Motorradclubs (MC) Lobo liest sich wie die Gästebücher anderer Fan- und Vereinsseiten: Die Rocker gratulieren sich fröhlich zum Geburtstag, bedanken sich bei den einzelnen Regionalabteilungen ("Chapter") für Partys und schicken Urlaubsgrüße aus dem Süden - samt Fotos mit lachenden, sonnenverbrannten Rockern in ärmellosen Lederwesten.
Der jüngste Eintrag vom 5. August deuten ein anderes Beschäftigungsfeld an: "Nächster Ausgang von eurem Bruder Alf ist am 11.8. um 9 Uhr", schreibt "Rockerbraut Elke". Andere Gästebucheinträge weisen darauf hin, dass Alf in Zweibrücken hinter Gittern sitzt. Hat Alf Freigang, verabreden sich die Rockerbrüder zu Besuchen. Warum ihr Kumpel sitzt, erschließt sich aus den Vermerken nicht.
In der Region Trier sind die Lobos, die ein Wolfsgesicht als Markenzeichen haben und ihre Abteilungen "Rudel" nennen, stark vertreten. Chapter gibt es in Saarburg, Hermeskeil und Wittlich, außerdem im Saarland in Birkenfeld, Homburg und Illingen. Wie viele Mitglieder der Club in der Region hat, weiß die Trierer Staatsanwaltschaft allerdings nicht.
Die vier Ende Juli festgenommenen Lobos aus Konz und Umgebung waren der Polizei zwar bereits schon voher wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz bekannt, spektakuläre Prozesse wie jüngst gegen die Hells Angels (siehe Extra) gab es allerdings bislang nicht.
"Bisher ist der Club in der Region noch nicht mit größeren kriminiellen Handlungen in Erscheinung getreten", bestätigt Triers Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer. "Aber die Strukturen der Lobos sind ähnlich wie bei den Hells Angels oder Bandidos." Diese großen Clubs sind bundesweit immer wieder in den Schlagzeilen wegen Drogen- und Waffengeschäften, Schutzgelderpressung und auch Menschenhandels.
Ob die nun bekannt gewordenen Drogengeschäfte des MC Lobo in der Region der Anfang einer ähnlichen schwerkriminellen Karriere sein könnten, darauf will Triers Polizeisprecherin Monika Peters keine Antwort geben. Zwar seien die verhafteten Clubmitglieder der Polizei nicht unbekannt gewesen. "Aber es handelt sich dabei um Einzeltäter, die eben auch Mitglieder des Rockerclubs Lobo sind", windet Peters sich um eine klare Aussage.
Fest steht: Die monatelangen Ermittlungen der Polizei sind vom Kommissariat für organisierte Kriminalität geführt worden. Und vor Gericht sollen sich die Beschuldigten laut Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf bandenmäßigen und organisierten Drogenhandel sowie eines möglichen Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten müssen. "Auf diese Vergehen stehen empfindliche Freiheitsstrafen", sagt Oberstaatsanwalt Brauer.
Ob die Ermittlungen der Polizei mit den Razzien und Festnahmen Ende Juli abgeschlossen sind, will Polizeisprecherin Peters nicht bestätigen. Schon am Wochenende könnte ein neuer Einsatz anstehen: Am Samstag, 11. August, feiert das Lobo-Rudel Saarburg nämlich sein Sommerfest - wozu es auf der Club-Internetseite die anderen Rudel einlädt. Stattfinden soll das Fest im Clubhaus in einem Gartenlauben-Gebiet in Konz-Oberemmel - genau dort, wo die Polizei vor wenigen Tagen etliche Schlagwaffen und kleinere Mengen Rauschgift sichergestellt hat. "Wenn dem Club die Feierlaune nicht vergangen ist, kann er sein Sommerfest natürlich dort begehen", sagt Oberstaatsanwalt Brauer. Ob und welche Vorkehrungen die Polizei für das Rocker-Sommerfest trifft, dazu will sich Polizeisprecherin Peters nicht äußern.Extra

Alleine in den vergangenen Wochen waren die Hells Angels und Bandidos etliche Male in den Schlagzeilen: Am Mittwoch, 1. August, durchsuchte die Polizei in Sachsen, Brandenburg und Baden-Württemberg Wohnungen von ehemaligen Hells-Angels-Mitgliedern. Dabei wurde bekannt, dass die Bandidos einen Sprengstoffanschlag auf Überläufer zu den Hells Angels geplant hatten. Ende Juli stellten Polizisten bei Razzien in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt 40 Macheten, mehrere Schreckschusspistolen, ein Samuraischwert, Rauschgift und Anabolika sicher. Am 12. Juli verurteilte das Landgericht Kaiserslautern ein Hells-Angels-Mitglied zu zwölf Jahren Haft. Der 30-Jährige hatte den Chef einer rivalisierenden Rocker-Bande, erstochen In Trier war im Januar ein 41-jähriger Hells Angel wegen Drogenhandels zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden, im Februar ein 48-Jähriger Rocker und sein Komplize zu mehr als fünf Jahren Haft. woc