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Reaktionen auf den geplanten Abzug von US-Einheiten aus Spangdahlem

Militär : „Eine völlig irrationale Entscheidung“ - Was die Region zum US-Truppenabzug sagt

Die Nachricht, dass die gesamte F-16-Staffel die Airbase Spangdahlem verlassen soll, hat die Eifel eiskalt erwischt. Politiker sind geschockt. Und wütend auf Donald Trump.

Überraschung, Bestürzung und Sorge dominieren rund um die Airbase Spangdahlem, seit am Mittwochnachmittag die Nachricht einschlug, dass das 52. US-Jagdgeschwader tatsächlich verlegt werden soll.

„Das ist ein herber Verlust für die gesamte Region“, sagt Dennis Junk (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wittlich-Land. Menschen, die auf der Airbase arbeiten, seien sehr enttäuscht und schockiert.

Wenn die F-16-Staffel ins italienische Aviano verlegt werde, dann betreffe das 24 Maschinen und mehr als 2000 Soldaten mit ihren Familien, sagt Manfred Rodens (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Speicher, wo besonders viele Menschen leben, die auf der Airbase arbeiten. Über den genauen Zeitplan des Abzugs ist noch nichts bekannt. Fest steht nach einer Pressekonferenz im Pentagon bisher nur, dass der „52. Civil Engineer Squadron“ zu den ersten Untereinheiten des 52. Jagdgeschwaders gehören wird, die verlegt werden. „Wir gehen davon aus, dass die Airbase bestehen bleibt“, sagt Rodens. Schließlich handele es sich um eine wichtige militärische Infrastruktur, in die alleine in den vergangenen fünf bis sechs Jahren rund 400 Millionen Dollar investiert wurden. Der Flugplatz verfüge über die längste Rollbahn in Europa und die modernste Befeuerungsanlage, über eine neue Zahnklinik, neue Schulen, neue Shopping- und Fitnesscenter. „Das ist eine völlig irrationale Entscheidung des US-Präsidenten, die durch nichts begründet ist“, sagt Rodens. Eine Strafaktion dafür, dass  Deutschland sich nicht in gewünschter Höhe an der Finanzierung der Nato beteiligte.

„Die Entscheidung der US-Regierung ist ein schwerer Schlag!“, sagt der Eifeler Bundestagsabgeordnete Patrick Schnieder (CDU). Für viele Bürger sei dies eine persönliche Katastrophe. Und auch für die Kommunen eine enorme Herausforderung. Besonders ärgerlich sei: „Diese Entscheidung bringt keinen militärischen Vorteil oder sonstigen Nutzen, weder für die US-Amerikaner, noch für die Nato, schon gar nicht für Deutschland. Das ist purer Wahlkampf des US-Präsidenten Donald Trump, der auf Kosten der deutsch-amerikanischen Freundschaft und auf Kosten der Menschen in meiner Heimatregion auf Stimmenfang geht“, sagt Schnieder. Offiziell stehe die Entscheidung noch unter dem Vorbehalt des US-Kongresses „und wir werden alles daran setzen, hier noch einmal ins Gespräch miteinander zu kommen“.

Große Sorgen bereitet Manfred Rodens die Zukunft der rund 800 deutschen Zivilangestellten, die auf der Airbase arbeiten. Hinzu kommen Bauunternehmen, Handwerker, Taxifahrer oder die Gastronomie. Insgesamt hingen 1500 bis 2000 Arbeitsplätze direkt am Flugplatz.

Und dann gibt es noch die 2400 Wohnungen, die in den Dörfern und Städten der Region an Angehörige der US-Airforce vermietet werden – und all die Neubaugebiete. „Das ist schon ein Volumen“, sagt Rodens. Da der Kongress noch nicht über den Truppenabzug aus Deutschland entschieden hat, hat Rodens noch Hoffnung.

Falls es doch zu einem Konversionsprozess kommen sollte, erwartet er Unterstützung von Bund und Land. Auch Schnieder sagt: „Ich erwarte, dass die Auswirkungen des Truppenabzugs für die Region abgefedert werden. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat bereits in Aussicht gestellt, die freiwerdenden Flächen schnellstmöglich für die Ansiedlung von Unternehmen freizugeben. Gefordert ist jetzt aber auch die Landesregierung!“ Joachim Streit, Landrat im Eifelkreis und Spitzenkandidat der Freien Wähler zur Landtagswahl 2021, fordert: „Deutschland muss jetzt sofort handeln und die Bestellung der 30 F-18-Kampfflugzeuge des US-Herstellers Boeing stornieren.“ Es sei von Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer schon nicht besonders klug gewesen, bei der Bestellung der Flugzeuge in Amerika nicht sofort über die weitere Stationierung der Truppen in Deutschland zu verhandeln. „Es wäre eine noch größere Dummheit, jetzt nicht Präsident Trump zu zeigen, dass wir auch Amerika wirtschaftlich treffen können.“ Insgesamt zeige sich, dass bei Militärausgaben strategischer gedacht werden müsse.

Wie so viele wurde auch Josef Junk (SPD), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bitburger Land von der Nachricht überrascht. „Ich habe einen richtigen Kloß im Hals“, sagt er bedrückt, während er an all die Arbeitsplätze denkt, die an dem Luftwaffenstützpunkt hängen. Und dass die Truppen aus dem englischen Mildenhall nach jahrelanger Vorbereitung nun doch nicht in die Eifel verlegt werden sollen, lässt ihn den Kopf schütteln. „Die haben doch schon angefangen zu planen und zu bauen!“, sagt Junk. „Man hat jetzt völlig umsonst so viel Geld versenkt“, sagt auch die Herforster Ortsbürgermeisterin Sigrid Heinemann. Sie hofft und glaubt, dass der Flugplatz nicht komplett geschlossen wird.

Ganz anderes wünscht sich Günther Schneider, Biolandwirt und Umweltaktivist aus Binsfeld: „Wenn sie gehen, dann sollen sie alle gehen. Nicht, dass ein paar Hundert Leute bleiben und eine zivile Entwicklung behindern.“ Zwar freut Schneider sich über die Aussicht, dass es in Binsfeld in Zukunft ruhiger werden könnte, wenn die Kampfjets nicht mehr mit kreischenden Motoren über sein Grundstück gleich jenseits des Militärzauns fliegen. „Was wir in den letzten Monaten an Lärm über uns ergehen lassen mussten, das war schon himmelschreiend“, sagt er. Hinzu kämen die Nachwehen des F-16-Absturzes und die Verunreinigung von Gewässern und Böden mit krebserregenden Schadstoffen von der Airbase. Dennoch macht auch er sich nun Sorgen um diejenigen, die jenseits des Zauns ihr Geld verdienen.

Für Werner Pitsch, Erster Beigeordneter aus Binsfeld, ist die Situation zwar überraschend, aber nach zig Jahren im Umfeld des Stützpunkts nicht neu. Sie gehen weg, sie gehen nicht weg, sie erweitern, sie erweitern nicht. All das hat er schon erlebt. Mehr als 70 Hektar Land habe seine Gemeinde für die Airbase hergegeben. „Es macht mich richtig traurig, dass die Amerikaner dann doch wegziehen“, sagt er. Für die Politik Donald Trumps müsse die Eifel nun bitter bezahlen.