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"Rechtsextremismus ist kein Randproblem"

"Rechtsextremismus ist kein Randproblem"

Zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus hatte das Forum Eine Welt ins Gerolsteiner Rathaus eingeladen. Dort referierte Nicola Rosendahl, Koordinatorin des Vereins Für ein buntes Trier - gemeinsam gegen Rechts, vor einem größeren Publikum über "Neue Erscheinungsformen des Rechtsextremismus".

Gerolstein. Studien der Friedrich-Ebert-Stiftung belegten, dass rechtsextremes Denken in Deutschland kein Randproblem sei, sagt Nicola Rosendahl bei ihrem Vortrag in Gerolstein. Die Koordinatorin des Vereins Für ein buntes Trier - gemeinsam gegen Rechts ist auf Einladung des Forums Eine Welt ins Rathaus gekommen. "Rassistisches, antisemitisches und fremdenfeindliches Gedankengut sind auch in der Mitte der Gesellschaft verbreitet", betont sie. In der NPD und anderen rechtsextremistischen oder rechtspopulistischen Parteien sieht sie nur die "Spitze des Eisbergs".
Als Gründe für die Entstehung gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit gibt die Expertin fehlende Anerkennung und Verunsicherung an. Außerdem gibt es laut ihrer Erfahrung eine weit verbreitete politische Strategie, bewusst Feindbilder zu entwickeln, um bestimmte soziale, ethnische oder politische Minderheiten zum "Sündenbock" für aktuelle Krisenerscheinungen zu machen. Schließlich fördere die Bewertung von Menschen nach ihrer ökonomischen Nützlichkeit die Entwicklung von Vorurteilen. Dabei zeige sich, so Rosendahl, dass sich Rassismus in hohem Maße auf den Islam verschiebt. Die rassistischen Ressentiments werden mit einer religiös-kulturellen Rückständigkeit begründet, nicht mehr mit einer phantasierten biologischen.
Bei der rechten Szene unterscheidet die Referentin zwischen rechtspopulistischen und rechtsextremistischen Einstellungen. Bei den rechtsextremistischen Gruppen wie der NPD und Kameradschaften, so Rosendahl, herrsche ein völkischer Rassismus mit den Bezugspunkten Volk, Nation, Rasse vor. Die Feindbilder dieser systemfeindlichen Ideologie seien Juden, Ausländer, Linke, EU. Der Rechtspopulismus dagegen, wie etwa bei Thilo Sarrazin, bei der Pro-Bewegung, beim Internet-Blog Politically Incorrect und bei der Alternative für Deutschland (AfD), sei systemkonform und distanziere sich von Nationalsozialismus und offenen Antisemitismus. Er sei fremdenfeindlich. In ihren Aktionen gegen Flüchtlinge sieht Rodendahl auch Berührungspunkte mit der rechtsextremen NPD.
Kein Totschweigen


Wie man Rechtsextremismus und Rechtspopulismus "in der Mitte der Gesellschaft" bekämpfen kann? "Das Problem öffentlich thematisieren", sagt Rosendahl. Durch Totschweigen und Ignorieren verschwinde es nicht. Aufklärungsaktionen sollten aufzeigen, hinter welchen scheinbar modernen und multi-ethnischen Elementen der Alltagskultur sich rechtsradikales Gedankengut verbirgt. Rosendahls Fazit: "Wir müssen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit unsere Visionen einer demokratischen und an Menschenrechten orientierten Gesellschaft entgegensetzen." red