Regiert in Rheinland-Pfalz bald eine große Koalition? - Umfrage: keine Mehrheit für Schwarz-Gelb oder Rot-Grün, aber sechs Parteien im Mainzer Landtag

Mainz · Wenn am Sonntag Landtagswahl wäre, würde es weder für Rot-Grün noch für Schwarz-Gelb reichen. Das wahrscheinlichste Bündnis: eine große Koalition – unter Führung von Ministerpräsidentin Julia Klöcker (CDU).

Die verbleibenden drei Monate bis zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz versprechen spannend zu werden. Nach der neusten Umfrage von Infratest dimap für den Südwestrundfunk kämen derzeit sechs Parteien in den neuen Mainzer Landtag - doppelt so viele wie jetzt. Stärkste Partei wäre mit 39 Prozent nach wie vor die CDU, gefolgt von SPD (31 Prozent) und Grünen (9 Prozent). Als vierstärkste Partei zöge mit sieben Prozent erstmals die rechtspopulistische AfD ins Parlament; auch FDP und Linke wären in der neuen Legislaturperiode mit jeweils fünf Prozent gerade so im Landtag vertreten.

Das Besondere an der jüngsten Umfrage: Keines der von den jeweiligen Parteien ausgegebenen Wunschbündnisse, Rot-Grün oder Schwarz-Gelb, hätte eine Mehrheit. Um die zu erreichen, müsste es schon ein Dreierbündnis geben oder eine große Koalition wie im Bund. Ein durchaus realistisches Szenario, sagen die beiden Mainzer Politikwissenschaftler Kai Arzheimer und Thorsten Faas im Gespräch mit unserer Zeitung.

Und dann? Würde wohl Chefin Julia Klöckner (42) die neue rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin. Für die amtierende Regierungschefin Malu Dreyer (54) dürfte in einem solchen Fall die landespolitische Karriere beendet sein. Als einfache Abgeordnete würde sich die Trierer Politikerin kaum in den Mainzer Landtag setzen.

Landtagswahl 2016

"Aber noch kann einiges passieren", meint Politikprofessor Thorsten Faas. Angesichts der großen Zahl unentschlossener Wähler könne es noch zu einigen Verschiebungen kommen.Ähnlich äußert sich auch Faas' Kollege Kai Arzheimer.
Viele Bürger wüssten noch nicht, wie sie in einem Vierteljahr tatsächlich wählen werden, sagte Arzheimer unserer Zeitung. Noch habe der Wahlkampf in Rheinland-Pfalz nicht einmal richtig begonnen.

SPD-Landeschef Roger Lewentz (52) verweist angesichts der aus Sicht der Genossen in den zurückliegenden Monaten ernüchternden Umfrageergebnisse auf die alte Kurt-Beck-Weisheit, wonach die Hühner erst abends gezählt würden.
Was Roger Lewentz allerdings vornehm verschweigt: Drei Monate vor der letzten Landtagswahl Ende März 2011 lag Infratest dimap mit seiner Umfrage bei SPD, CDU und Grünen nur um jeweils wenige Zehntel neben dem späteren Wahlergebnis.

"Es kann noch einiges passieren"
Die Politikprofessoren Kai Arzheimer und Thorsten Faas bewerten im Volksfreund-Interview die aktuellen Umfragen zur Landtagswahl

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