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Region boykottiert neues Katastrophen-Warnsystem - Angeblich zu teuer: Bürger erhalten bei Großbränden keine Info aufs Handy

Region boykottiert neues Katastrophen-Warnsystem - Angeblich zu teuer: Bürger erhalten bei Großbränden keine Info aufs Handy

Seit Januar gibt es im Land ein Warnsystem, das über Handy Bürger über Katastrophen informieren soll. Doch die Kommunen wollen sich daran nicht beteiligen - mit Folgen wie jetzt beim Brand in der Bitburger Brauerei.

Fenster und Türen geschlossen halten! So lautete die Warnung der Feuerwehr beim Brand im 50 Meter hohen Tanksilo der Bitburger Brauerei am Donnerstag (der TV berichtete). Verbreitet wurde die Warnung per Lautsprecher, Informationen aus dem Radio und übers Internet wie auf volksfreund.de. Nutzer der Volksfreund-Facebook-Seite wunderten sich, warum sie nicht über das seit Januar in Rheinland-Pfalz freigeschaltete mobile Bevölkerungswarnsystem Katwarn informiert wurden. Nach Anmeldung bekommen Smartphone-Nutzer dabei per SMS oder per E-Mail Hinweise zu Gefahren. Und zwar von der Katastrophenleitstelle des Landes bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier. 60.000 Rheinland-Pfälzer nutzen Katwarn laut Innenministerium bereits. Gewarnt wird allerdings nur bei schweren Unglücksfällen, etwa einem Atomunfall in Cattenom.

Bei Unglücken, die - wie der Großbrand in Bitburg - nur eine Stadt betreffen, geben die Katastrophenbehörden der jeweiligen Kreise und Städte die Warnung heraus. Um Katwarn zu nutzen, müssten sie sich dort anmelden. Einmalig kostet das 15.000 Euro, hinzu kommen jährlich 3000 Euro sowie sechs Cent pro gesendeter Warn-SMS. "Zu teuer", heißt es übereinstimmend aus den vier hiesigen Landkreisen und bei der Stadt Trier. Stattdessen prüfen die Verwaltungen, ob sie das kostenlose, aber noch nicht erprobte Warnsystem Mowas einführen, entwickelt vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Das Mainzer Innenministerium zeigt sich darüber überrascht. Das Land fördere die Kosten der Kommunen mit 40 Prozent, sagt ein Sprecher. Kein Verständnis für die Ablehnung der Kommunen hat der ehemalige Kreisfeuerwehrinspektor von Trier-Saarburg, Ortwin Neuschwander. "Eskann doch nicht sein, dass kein Geld da sein soll, um Bürger im Katastrophenfall zu informieren." Neuschwander macht für das Fraunhofer-Institut weltweit Werbung für Katwarn.

Das Handy warnt nicht immer

Nach Brand im Tanksilo in Bitburg laufen die Ermittlungen