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Regionale Bewerber müssen sich anstellen

Regionale Bewerber müssen sich anstellen

Das Aufstellen einer Landesliste für den Bundestag setzt gute Kenntnisse in der Kunst der Diplomatie und des Arrangements voraus. Das Auftreten der einzelnen Kandidaten spielt dabei kaum eine Rolle. Schade für zwei Bewerber aus der Region Trier, die sich gut präsentierten.

Ludwigshafen. Am Anfang steht eine Unwägbarkeit: Wie viele rheinland-pfälzische SPD-Abgeordnete gibt es im nächsten Bundestag? Neun, wenn\'s mäßig läuft. Zehn scheinen machbar, bei elf braucht\'s schon viel Glück, für zwölf ein kleines Wunder. Es gibt aber allein schon 15 Direktbewerber aus den Wahlkreisen, die allesamt gerne über die Landesliste abgesichert wären. Dann muss die vorgeschriebene Frauenquote umgesetzt werden, der heilige Regionalproporz - nicht zu vergessen das Anciennitäts-Prinzip, das bereits amtierenden Abgeordneten einen Bonus für die vorderen Listenplätze verschafft.
Wer da Neuling ist, aus der Diaspora kommt und nicht von der Quote profitiert, muss sich erst einmal hinten anstellen. Eine Erfahrung, die auch den Kandidaten Jens Jenssen (Daun) und Anja Bindges (Traben-Trarbach) nicht erspart bleibt. Der Parteivorstand hat sie auf seiner Vorschlagsliste auf den Plätzen 14 und 15 einsortiert - ohne Chance auf den Einzug ins Parlament. Und unter Sozialdemokraten ist der Vorstandsvorschlag Gesetz. Bei Vorwahlen auf unterer Ebene darf man schon mal auf eigenen Deckel antreten, hier würde das als unsolidarisch gesehen. Auch wenn es, etwa bei den Westpfälzern, in den hinteren Reihen mächtig grummelt: Man bleibt bei der Stange.
Jenssen, der junge Mann aus der Eifel, hätte im Vorfeld um ein Haar den amtierenden Abgeordneten Fritz-Rudolf Körper aus dem Feld geschlagen. Doch er verlor knapp, und nun macht er klaglos Platz für den Veteranen aus Kreuznach, der erstmals für die SPD in ein Parlament einzog, als der Fußballbundestrainer-Job gerade von Helmut Schön zu Jupp Derwall wechselte.
Anja Bindges nützt es auch nichts, dass sie eine pfiffige, mit viel Beifall bedachte Kandidatenrede hält und damit das zweitbeste Stimmergebnis aller Bewerber einfährt. Sie erhält von den 370 Delegierten stolze 40 Stimmen mehr (!) als Listenführerin Andrea Nahles - an der aussichtslosen Platzierung ändert es nichts.
Dafür kann Katarina Barley (TV-Foto: Roland Morgen) schon einmal die Koffer für Berlin packen. Als Vertreterin des größten Wahlkreises der Region Trier hat man sie auf Platz sieben eingereiht - den zweitbesten unter den Neulingen. Das müsste, bei allen Unwägbarkeiten der Mandatsverteilung, für einen Sitz reichen. Ihre souveräne Vorstellung widmet sie ganz der Europapolitik - wohltuend perspektivisch statt mit dem üblichen Wahlkampfgetöse. Die Erleichterung über die Nominierung ist ihr hinterher anzumerken, aber auch neuer Tatendrang. Selbst wenn der Einzug sicher scheint, schickt die Schweicherin eine Kampfansage an ihren Trierer CDU-Konkurrenten Bernhard Kaster: "Ich will das Direktmandat, da lasse ich keinen Zentimeter nach." DiL