1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Reichlich Gegenwind für den AfD-Landeschef

Reichlich Gegenwind für den AfD-Landeschef

Der Saarburger Hochschulprofessor Uwe Zimmermann will Landesvorsitzender der Alternative für Deutschland (AfD) bleiben. Bei der Wahl in zwei Wochen trifft der 56-Jährige aber auf mindestens eine Herausforderin.

Trier. Uwe Zimmermann kommen die Schlagzeilen um den Rücktritt des stellvertretenden AfD-Bundesvorsitzenden Hans-Olaf Henkel ziemlich ungelegen. In zwei Wochen treffen sich die rheinland-pfälzischen Parteimitglieder im südpfälzischen Bellheim; da sind Misstöne, auch wenn sie von der Bundesebene kommen, nicht gerade hilfreich. Bundesvize Henkel hatte seinen Vizeposten am Donnerstag mit der Begründung aufgegeben, Rechtsideologen wollten die Partei übernehmen (siehe Kommentar). "Die Bemerkung ist parteischädigend", meint Uwe Zimmermann, "man steigt nicht einfach aus und hinterlässt einen Scherbenhaufen".

Womöglich ärgert sich der Saarburger Maschinenbauprofessor so über den Henkel-Rücktritt, weil auch der AfD-Landesverband vor nicht allzu langer Zeit eine ähnliche Erfahrung gemacht hat. Ende Januar trat Vize-Landesvorsitzende Beatrix Klingel nicht nur von ihren Ämtern zurück, sondern verließ auch gleich die Partei - und das mit lautem verbalen Getöse. "Ich will nicht der Steigbügelhalter für einen vielleicht entstehenden deutschen Front National sein", giftete die 60-jährige Klingel seinerzeit gegen die ihrer Meinung nach zunehmenden rechtspopulistischen Tendenzen in der AfD.

"Der Landesverband wird getragen von Mitgliedern aus der Mitte der Gesellschaft und hat sich zu jeder Zeit von jedweden extremen Rändern und Meinungen distanziert", konterte damals der Vorstand. Dessen Vorsitzender Uwe Zimmermann gilt als Anhänger von Parteichef Bernd Lucke und gehört damit dem eher gemäßigten Flügel der Partei an.

Zimmermann wurde vor anderthalb Jahren überraschend an die AfD-Landesspitze gewählt, profitierte davon, dass er sich aus den vorausgegangenen innerparteilichen Querelen herausgehalten hatte. Gräben zuschütten, kein Schubladendenken und Basis stärken, lautete damals Zimmermanns Ansage.

Christiane Christen glaubt, dass Uwe Zimmermann damit gescheitert ist. Deshalb will die 41-jährige AfD-Vorsitzende aus dem Rhein-Pfalz-Kreis Zimmermann auf dem bevorstehenden Parteitag beerben. Sie halte sich "in gewissem Maß für geeigneter", sagte die Inhaberin einer Werbeagentur ihrer Heimatzeitung. Der amtierende Landesvorsitzende habe es nicht geschafft, den Landesverband zu befrieden und die Flügelkämpfe zu beenden.Balance auf der Sperrklausel

Zimmermann dagegen sagt, er fühle sich verpflichtet, nicht nach so kurzer Zeit einfach hinzuschmeißen. "Kontinuität ist wichtig", sagte er am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung, "das Ding ist noch in der Entwicklung, wir haben Wichtiges vor." Was der Saarburger damit meint, ist klar: Im nächsten Frühjahr soll die AfD erstmals in den Mainzer Landtag einziehen.

In den letzten Umfragen balancierte die Landespartei konstant auf der Fünf-Prozent-Hürde. Heißt: Alles ist möglich. Und jeder noch so kleine Stupser kann über Wohl und Weh entscheiden.

Da ist die Nervosität des gerne noch etwas länger amtierenden Landesvorsitzenden verständlich. Geht es nach Uwe Zimmermann, wird eine Mannschaft von Vertrauten, die jetzt mit ihm im Vorstand sitzt - Arnulf Bonkat, Stephanie Molter, Oliver Sieh und Aslan Basibüyük - im Amt bestätigt. Aber wer die AfD kennt, weiß, dass dies wohl ein Wunschtraum Zimmermanns bleiben wird. Es wird auf dem Parteitag in der Südpfalz viel mehr Bewerber als Plätze geben - und einige "Neulinge" werden auch durchkommen. So wie Uwe Zimmermann beim letzten Wahlparteitag vor anderthalb Jahren.

Ob es auch dieses Mal reicht, wird sich in zwei Wochen zeigen. Und erst danach will der Professor entscheiden, ob er auch bei der Landtagswahl antritt.Meinung

Alternative am AbgrundDer Abgang von Hans-Olaf Henkel aus der Führung der Alternative für Deutschland markiert vielleicht nicht das Ende der AfD. Aber das Ende ihres Versuchs, eine für bürgerliche Menschen wählbare Alternative zur FDP zu sein. Denn genau dafür war Henkel, Ex-FDP-Mann, ehemaliger Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie, geholt worden. Gegen den Euro, für konservative Familienwerte, mehr innere Sicherheit, all das geht noch für ehemals liberale Wähler. Aber mit Le Pen gegen Europa und mit Pegida gegen Ausländer und Flüchtlinge, das geht nicht. Da befindet sich der Rubikon. Einige in der AfD spielen damit, ihn zu überschreiten. Das ist nicht das Einzige. Die AfD zieht, wie Henkel bei seinem Abgang ungeschminkt beschrieben hat, viele zwielichtige Personen an: "Spinner, Pleitiers, Karrieristen." Das ist normal bei einer Parteineugründung. Aber bei der AfD bekommt die Führung dieses Phänomen nicht in den Griff. Es gibt in fast allen Landesverbänden persönliche Skandale, Rücktritte, Querelen, Unregelmäßigkeiten. Eitelkeiten und Hass bestimmen das Klima. Auch in den Gremien ganz oben. Die AfD steht gegenwärtig weit näher am Abgrund, als sie selbst vielleicht weiß.

nachrichten.red@volksfreund.de