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Reichlich Gegenwind für den obersten Naturschützer

Reichlich Gegenwind für den obersten Naturschützer

Im rheinland-pfälzischen Landesverband der Umweltorganisation BUND gibt es heftigen Knatsch in der Führungsspitze. Eine Mehrheit will den erst seit anderthalb Jahren amtierenden Vorsitzenden Harry Neumann entthronen. Der Grund: unterschiedliche Auffassungen zur Windenergie.

Trier. Als sich der neu gewählte BUND-Landesvorsitzende im vergangenen Jahr vorstellte, klang dies nach Friede, Freude, Eierkuchen. "Gemeinsam können wir es schaffen", schrieb Harry Neumann in der Mitgliederzeitschrift an die "lieben Freundinnen und Freunde", den "BUND noch stärker zu machen, auch indem wir uns in unserer eigenen Vielfalt respektieren und achtsam miteinander umgehen: offen, fair, demokratisch." Anderthalb Jahre später klingen diese Worte unfreiwillig komisch. Denn in der Führungsetage des Bunds für Umwelt- und Naturschutz ist Feuer unterm Dach. Mehrere Vorstände werfen dem Vorsitzenden Harry Neumann Alleingänge und eine Spaltung des Landesverbands vor. "Das Tischtuch ist endgültig zerschnitten, eine Zusammenarbeit mit ihm ist nicht mehr möglich", sagte ein Vorstandsmitglied, das anonym bleiben will, unserer Zeitung. Der Vorsitzende selbst war trotz zahlreicher Versuche nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
Entzündet hat sich der Streit in der BUND-Führungsspitze am Thema Windkraft. Harry Neumann gilt als Windkraftskeptiker, einige bezeichnen ihn sogar als Windkraftgegner. So habe Neumann in der Diskussion über einen Windpark im Kreis Bad Kreuznach einseitig zugunsten der Windkraftgegner Position bezogen, werfen dem 61-jährigen BUND-Vorsitzenden Kritiker vor. "Wer Windenergie ablehnt und keine Alternativvorschläge macht, begünstigt den Klimawandel", sagt die aus dem Kreis Bernkastel-Wittlich kommende Vizevorsitzende Heidelind Weidemann, ohne Harry Neumann beim Namen zu nennen.
Man habe im Vorstand vereinbart, öffentlich nichts zum Thema zu sagen, erklärt ein anderes Vorstandsmitglied die Zurückhaltung, die allerdings längst brüchig ist. Erst in der vergangenen Woche hatte sich Harry Neumann selbst in einem Interview mit seiner Heimatzeitung über die "schwierige und konfliktbeladene Situation" geäußert. Tenor: Der BUND-Landesverband stehe vor einer Richtungsentscheidung.
Das sehen auch Neumanns Gegner so. Für den 13. Dezember wurde eine außerordentliche Delegiertenversammlung in Mainz einberufen. Dort soll über das weitere Vorgehen entschieden werden. Die Gemengelage ist unübersichtlich: Die bislang vorliegenden Anträge reichen vom Rücktritt des gesamten Landesvorstands über die Abwahl des Vorsitzenden bis hin zum Rücktritt sämtlicher Vorstandsmitglieder außer des Vorsitzenden.
"Vielleicht tritt Harry Neumann ja bis dahin auch von sich aus zurück", meint ein Vorstand und macht sich schon mal Gedanken, wer den Landesverband in dem Fall bis zur nächsten regulären Versammlung im April führen könnte: die bisherigen Vizechefs Heidelind Weidemann und Holger Schindler. Beide waren in der Vergangenheit bereits Vorsitzende, kennen von daher den Job und die besonderen Herausforderungen.
Derweil wird hinter den Kulissen bereits mit härteren Bandagen gefochten, überziehen sich Windenergiebefürworter und -kritiker mit heftigen Vorwürfen. So wirft die eine Seite der anderen vor, an der Windkraft zu verdienen oder im Bundesverband Windenergie aktiv zu sein, während umgekehrt unterstellt wird, es würden Naturschutzbelange vorgeschoben, um Windräder zu verhindern.
Nicht auszuschließen, dass in der BUND-Versammlung in zweieinhalb Wochen reichlich schmutzige Wäsche gewaschen werden wird, auch wenn Vize Heidelind Weidemann davon überzeugt ist: "Ich gehe davon aus, dass das ganze ohne Krawall über die Bühne geht."Extra

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist eine der größten deutschen Umweltschutzorganisationen. Er engagiert sich zum Beispiel für ökologische Landwirtschaft, Klimaschutz und den Ausbau regenerativer Energien. Der politisch unabhängige Verband versteht sich als der "kritischste deutsche Umwelt- und Naturschutzverband". Der BUND-Landesverband Rheinland-Pfalz hat 10 000 Mitglieder, die in 34 Kreis- und 60 Ortsverbänden organisiert sind. Der 61-jährige Westerwälder Harry Neumann steht seit April 2013 an der Spitze des Landesverbands. Der BUND finanziert sich überwiegend aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. sey