Reichsprogomnacht: Das Ende der jüdischen Gemeinden

Reichsprogomnacht: Das Ende der jüdischen Gemeinden

Die Nazis haben heute vor 72 Jahren eines der düstersten Kapitel der deutschen Geschichte geschrieben. Willi Körtels vom Förderverein ehemalige Synagoge Könen erinnert an die Reichspogromnacht, in der Nazis die Synagogen in Könen, Wawern und Oberemmel zerstört haben.

Konz. Der 9. November ist ein Schicksalstag für die deutschen Juden. Heute vor 72 Jahren demolierten NSDAP-Anhänger überall in Deutschland Geschäfte, Wohnungen, Häuser, schändeten jüdische Friedhöfe und fackelten Synagogen ab. 400 Juden wurden dabei getötet, etliche Tausend verletzt. Nach den Novemberpogromen wurden Juden in Deutschland nicht mehr "nur" diskriminiert, sondern systematisch verfolgt. Mit ihnen begann die Vernichtungspolitik des NS-Regimes, der sechs Millionen Juden zum Opfer fielen.

Die Pogrome spielten sich nicht nur in den deutschen Großstädten ab. Auch die Juden in den Gemeinden der Verbandsgemeinde Konz wurden Opfer von Nazi-Übergriffen. Der pensionierte Deutsch- und Religionslehrer Willi Körtels hat die Geschichte der Juden in der VG Konz aufgearbeitet. Er hat sich seit 1987 auch intensiv mit Pogromen in den Konzer Stadtteilen und den Ortsgemeinden beschäftigt und ist Vorsitzender des Fördervereins ehemalige Synagoge Könen. Ihm zur Seite steht dort Pascale Eberhard aus Wawern. Die beiden haben weltweit Kontakte zu Juden aus der VG Konz, die vor den Nazis geflohen sind.

"Die Erinnerungsarbeit hier ließ zu wünschen übrig", beschreibt Körtels seine Motivation. Statt an die Holocaust-Opfer habe man vor allem an die gefallenen Soldaten erinnert.

Inzwischen sind mehrere Bücher von ihm erschienen, in denen er an die jüdischen Opfer erinnert.

Er geht davon aus, dass mehr als 90 Juden aus der VG Konz während des gesamten Holocausts getötet wurden. Das war fast die Hälfte der etwa 200 Juden, die 1933 hier lebten.

Die größte jüdische Gemeinde gab es damals in Konz-Könen mit rund 85 Mitgliedern.

Zu den Könener Übergriffen hat Körtels einen Augenzeugenbericht.

Der damalige Schüler Werner S. kam zufällig während eines Wanderstags durch den Ort. Er schildert die Übergriffe: "Überall zerschlagenes Porzellan, heruntergeworfene Fensterrahmen, vereinzelt liegen Möbel herum. Ein Bild der Verwüstung. Zerstörungen nicht nur an einem Haus, gleich an zwei oder drei Häusern nebeneinander. Überall das gleiche Bild! Niemand rührt eine Hand, um zu helfen."

Auch als die Synagoge brannte, half niemand.

Ähnlich ist es in Oberemmel abgelaufen. Der aus der VG Ruwer stammende Alois Jäckels schreibt in seiner Autobiographie "Leben zwischen Krieg und Frieden": "An diesem Tag war ich zufällig in Oberemmel. (…) Alles wurde zerstört und in Brand gesteckt. Auch eine Schreinerei und eine Synagoge fielen den Flammen zum Opfer." Laut Jäckels waren die Täter SA-Schergen. "Ich kannte einige der Männer vom Sehen, da sie aus Wiltingen kamen."

Dass die Täter aus einem anderen Dorf kamen, bedeutet laut Körtels nicht, dass die NSDAP-Anhänger vor Ort nicht in die Pogrome involviert waren. Es sei Strategie der Partei gewesen, diese Leute nicht bei Verwüstungen im eigenen Ort einzusetzen. So sollten die Parteimitglieder vor dem Unmut des eigenen Wohnumfeldes geschützt werden.

Auch in Wawern haben Nazi-Schergen die Synagoge angezündet.

Die jüdischen Gemeinden der VG Konz haben sich von den Pogromen nicht erholt. Heute leben nur noch wenige Juden hier.

Eine Synagoge als Gebetsraum gibt es seit den Novemberpogromen 1938 nicht mehr.

Mehr von Volksfreund