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Rheinland-Pfälzer schlucken viele Pillen

Rheinland-Pfälzer schlucken viele Pillen

Bei den Medikamentenausgaben könnten Milliarden gespart werden, ohne Nachteile für Patienten. Das geht aus dem gestern vorgestellten Arzneiverordnungsreport hervor. Experten gehen aber davon aus, dass die Kosten weiter steigen werden.

Für rund 350 Euro hat jeder gesetzlich Versicherte in der Region statistisch gesehen im vergangenen Jahr Arzneimittel bekommen. Damit sind die Patienten in der Eifel, dem Hunsrück und an Mosel und Saar im Vergleich zu denen etwa in Mecklenburg-Vorpommern noch sparsam. Zwischen 408 und 475 Euro gaben die gesetzlichen Krankenkassen dort im vergangenen Jahr für Pillen und Salben aus. Das geht aus Zahlen der Krankenversicherung Barmer GEK hervor.

Insgesamt haben die gesetzlichen Kassen im vergangenen Jahr allein in Rheinland-Pfalz rund 1,3 Milliarden Euro für Arzneimittel ausgegeben. In diesem Jahr, so heißt es beim Landesverband der Ersatzkassen (VDEK), dürften die Ausgaben hierzulande auf knapp 1,4 Milliarden steigen. Die Rheinland-Pfälzer schluckten demnach überdurchschnittlich viele Medikamente. Unter den alten Bundesländern habe Rheinland-Pfalz mit 275,86 einen der höchsten Werte bei den durchschnittlichen täglichen Arzneimitteldosen je 1000 Versicherten, so der VDEK.
Bundesweit wurden im vergangenen Jahr 30,6 Milliarden Euro ausgegeben - nur für Medikamente. Doch offensichtlich zeigen die Rabattverträge, die viele Kassen mit Pharmafirmen haben, Wirkung. Die Apotheken dürfen Versicherten dieser Kassen nur noch Medikamente entsprechender Hersteller geben.Gebremster Trend


Dadurch konnte der stetige Aufwärtstrend bei den Arzneimittelausgaben im vergangenen Jahr leicht abgebremst werden, wie aus dem gestern vorgelegten Arzneiverordnungs-Report des Berliner Wissenschaftsverlages Springer hervorgeht. Gegenüber 2011 sind die Ausgaben um 2,6 Prozent gestiegen. Vor zehn Jahren haben die Kassen noch 22,8 Milliarden Euro ausgegeben.

Die Autoren des Reports kommen zu dem Schluss, dass problemlos, also ohne Einbußen bei der Qualität der verordneten Medikamente, 4,6 Milliarden Euro hätten eingespart werden können. Dann nämlich, wenn die Ärzte konsequent statt teurer Originalpräparate günstigere, aber von den Wirkstoffen identische Nachahmerprodukte, sogenannte Generika, verschrieben hätten.

Und wenn statt teurer neuer leicht veränderte und weitaus billigere Medikamente verordnet würden - Präparate, die bereits seit längerem eingeführt sind und nicht schlechter wirken als die neuen. Kostentreiber seien außerdem sogenannte patentgeschützte Mittel - solche also, die nicht von anderen Firmen günstiger produziert werden dürfen.

Das gilt vor allem für Krebs- und Rheuma-Medikamente. Seit einiger Zeit werden diese Medikamente auf ihren Nutzen untersucht, allerdings nur die, die bereits auf dem Markt sind. Künftig sollen auch neue patentgeschütze Präparate untersucht werden.
Wegfallende Rabattregeln


VDEK-Landeschef Martin Schneider geht davon aus, dass die Arzneimittelausgaben im kommenden Jahr deutlich steigen werden. Grund seien wegfallende Rabattregeln und Preisfestschreibungen. Es wird mit einem Plus von 8,9 Prozent gerechnet. Was natürlich für die neue Bundesregierung zu einem großen Problem werden könnte. Denn dadurch steht zu befürchten, dass sie die einheitlichen Beitragssätze für die gesetzlichen Krankenkassen erhöhen muss.