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Ehrenamt: Rheinland-Pfälzer sind wahre Vereinsmeier

Ehrenamt : Rheinland-Pfälzer sind wahre Vereinsmeier

Die Zahl der Vereine nimmt ständig zu, auch wenn einige mit Mitgliederschwund und Überalterung zu kämpfen haben.

Rheinland-Pfalz weiß über seine Vereine und das ehrenamtliche Engagement im Land ziemlich gut Bescheid. Das liegt an zwei Studien des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft, die die sogenannte organisierte Zivilgesellschaft in Deutschland und speziell in Rheinland-Pfalz so genau unter die Lupe genommen haben wie keine andere Studie zuvor. Ein Ergebnis haben die Landespolitiker besonders gerne gehört: Rheinland-Pfalz weist – bezogen auf die Bevölkerungszahl – eine der höchsten Vereinsdichten in ganz Deutschlands auf.

Und, was viele überraschen wird: Die Zahl der eingetragenen Vereine ist in den vergangenen Jahren sogar noch angestiegen: von 35 617 vor acht Jahren auf knapp 38 000 im vergangenen Jahr. Mit 1,7 Million ehrenamtlich engagierten Frauen und Männern belege Rheinland-Pfalz bei der sogenannten Engagementquote im Ländervergleich sogar den Spitzenplatz, bilanzierte im vergangenen Jahr der Chef der Mainzer Staatskanzlei, Clemens Hoch auf eine entsprechende Anfrage des AfD-Landtagsabgeordneten Martin Louis Schmidt.

Weniger überraschend: Die meisten rheinland-pfälzischen Vereine (43 Prozent) haben nicht einmal 50 Mitglieder, sind also vergleichsweise klein. Großvereine mit über 500 Mitgliedern sind nach der Studie Zivilgesellschaft in Zahlen mit vier Prozent die Ausnahme.

Den größten Zulauf hat immer noch der Sport. In den bundesweit 133 000 Sportvereinen seien so viele Mitglieder und Engagierte eingebunden wie in keinem anderen Engagementfeld in Deutschland, heißt es in der Studie. In Rheinland-Pfalz zählen die Statistiker 6300 Sportvereine mit rund 1,5 Million Mitgliedern.

Eine einflussreiche Gruppierung, der natürlich auch Politiker Beachtung schenken. Der zuständige Minister Roger Lewentz betont gerne die uneigennützige Arbeit der Sportvereine und Sportverbände im Land und verspricht, sie auch weiterhin nach Kräften zu unterstützen und zu fördern. Vermutlich wird der SPD-Politiker vor diesem Hintergrund auch auf die geplante Erhöhung des Steuerfreibetrags um 10 000 auf dann 35 000 Euro verweisen, die am heutigen Freitag im Bundesrat thematisiert wird. Rheinland-Pfalz hat den Antrag gemeinsam mit Bremen eingebracht, acht weitere Bundesländer haben sich angeschlossen.

Nicht schlecht, meinen unisono der Präsident des Karnevalisten­dachverbands RKK, Hans Mayer, und Sportbund-Geschäftsführer Joachim Friedsam. Hätte der Mainzer Sportfunktionär eine Bitte an die Politik frei, müsste Friedsam nach eigenen Angaben nicht lange überlegen. Die überbordende Bürokratie müsse endlich abgebaut werden, sagt er und verweist auf die neue Datenschutzverordnung, unter deren Umsetzung jetzt besonders alle Ehrenamtlichen zu leiden hätten.

Was er damit meint, verdeutlicht Joachim Friedsam anhand einer von ihm selbst gemachten Rechnung. Um die Anforderungen der neuen Datenschutzverordnung umzusetzen, rechneten die rheinland-pfälzischen Sportvereine mit 39 000 zusätzlichen ehrenamtlichen Arbeitstagen je acht Stunden. „Macht 312 000 Stunden insgesamt“, sagt Friedsam, der darauf hofft, dass sein Appell nicht auf taube Ohren stößt.

Auch dem aus Biersdorf in der Eifel stammenden Chef der Rheinischen Karnevalskorporationen, Hans Mayer, fallen ein paar Wünsche an die Politiker ein, wenn er danach gefragt wird. Neben einem jährlichen Steuerfreibetrag von 2500 Euro für alle Ehrenamtlichen hat sich der RKK-Präsident in der Vergangenheit zudem noch für einen zusätzlichen Rentenpunkt für jene Ehrenamtler ausgesprochen, die seit mindestens 30 Jahren aktiv sind.

Ein Punkt, mit dem sich nach Angaben von Staatskanzleichef Clemens Hoch die Landesregierung schon befasst hat, auch wenn die Zuständigkeit dafür eigentlich beim Bund liege. Das Ergebnis dürfte den Oberkarnevalisten kaum zufriedengestellt haben. Laut Hoch kam das Ampelbündnis „nach einem ausführlichen Meinungsbildungsprozess“ zu dem Schluss, dass sich die Formen der Anerkennung für bürgerschaftliches Engagement deutlich von denen für Erwerbstätige unterscheiden sollten. Belohne man ehrenamtliche Arbeit mit Rentenpunkten, bestehe die Gefahr, dass das Wesen von Ehrenamt (...) verloren gehe.

Eine Anmerkung, die wohl nicht ganz von der Hand zu weisen ist.