Rheinland-Pfalz: Ampelkoaliton will Grabsteine aus Kinderarbeit stoppen und Bestattungsfrist verlängern

Kampf gegen ausbeuterische Händler : Rheinland-Pfalz: SPD-Fraktion will Grabsteine aus Kinderarbeit verbieten

SPD-Fraktion im Land will ausbeuterische Hersteller stoppen und die Bestattungsfrist verlängern.

Viele Kinder schuften in asiatischen Steinbrüchen, wo sie kiloschwere Brocken schleppen, mit Dynamit hantieren und Staub einatmen, der zu schweren Lungenkrankheiten führen kann. Zu oft landen dabei Natursteine, die zu Grabmalen verarbeitet werden, über Kinderhände auf rheinland-pfälzischen Friedhöfen, kritisiert nun Alexander Schweitzer, SPD-Fraktionschef im Mainzer Landtag. Laut einer Studie der Hochschule Düsseldorf gibt es Kinderarbeit in vier der zehn größten Nicht-EU-Exportstaaten, die diese Steine verarbeiten – wie Indien und Vietnam. Bis zu 80 Prozent der  Steine für Grabmäler werden aus Asien importiert, weil sie für die Farben und Muster beliebt sind. Die Ampelkoalition im Land will Kommunen nun ermächtigen, Grabsteine aus Kinderarbeit verbieten zu dürfen. Das rot-gelb-grüne Bündnis bringt in der kommenden Woche einen entsprechenden Gesetzentwurf ein. Wo Kommunen ausbeuterischen Herstellern künftig einen Riegel vorschieben, müssen Steinmetze dokumentieren, ihre Natursteine von Herstellern bezogen zu haben, die auf Kinderarbeit verzichten oder von Kontrolleuren geprüft wurden.

Schweitzer sagt: „Dass Kinder in manchen Teilen der Welt Natursteine für deutsche Friedhöfe klopfen, kann niemanden kalt lassen.“ Mehrere Bundesländer – darunter Hessen und Bayern – haben solche Gesetze längst erlassen. Die SPD ließ sich vom wissenschaftlichen Dienst des Mainzer Landtags bekräftigen, das Gesetz auch in Rheinland-Pfalz ändern zu können.

Steinmetze sprechen wiederum von einer „hochgekochten Geschichte“. Hans-Peter Mulbach sagt: „In unserer Branche gibt es keine Kinderarbeit.“ Der Bitburger begründet das damit, dass indische Steinbruch-Betreiber meist Maschinen einsetzten, um Natursteine zunächst in gut 40 Tonnen schwere Blöcke zu zerschlagen. Auch nach dem weiteren Zerlegen seien die Steine für Kinder viel zu schwer, sagt der Bitburger, der heute als neuer Vorstand des Landesinnungsverbandes des Steinmetz- und Steinbildhauer­handwerks gewählt werden soll. Sein scheidender Vorgänger, Helmut Bartholomä, nennt die Steinmetze „das letzte Glied in der Kette“ und schimpft: „Es liegt doch an der Politik, Druck auf die Staaten zu machen, die Kinder ausbeuten.“ Steinmetze hinterfragten bereits genau, wie Natursteine gewonnen werden. Sämtliche Umstände herauszufinden sei für kleine Betriebe aber unmöglich.

Alexander Schweitzer weiß: „Es wäre illusorisch zu glauben, dass durch kommunale Verbote Kinderarbeit in der Produktionskette vollständig eliminiert und Herstellungsbedingungen bis ins kleinste Detail überprüft werden können.“ Die Ampelfraktion schaffe aber eine Erwartungshaltung an Händler und Hersteller in Indien und Vietnam, um Kinderarbeit weiter einzudämmen.

Im rheinland-pfälzischen Bestattungsgesetz soll das nicht die einzige Änderung bleiben. Die Frist, wann ein verstorbener Mensch beigesetzt werden muss, wollen die Koalitionsfraktionen von sieben auf zehn Tage verlängern.

„Weil Familienmitglieder nicht selten weit verstreut leben und immer weniger Pfarrer für immer mehr Gemeinden zuständig sind, gibt es immer öfter Fälle, in denen die bestehende Bestattungsfrist nicht ausreicht“, erläutert Schweitzer auf TV-Anfrage.

Mehr von Volksfreund