Rheinland-Pfalz: Ampelregierung verlängert Bestattungsfrist

Kostenpflichtiger Inhalt: Aus dem Archiv Nach dem Tod geliebter Menschen : Rheinland-Pfälzer haben bald mehr Zeit für Bestattungen

Eine neue Frist soll Luft verschaffen, Abschied von Verstorbenen zu nehmen. Bestatter pochen auf mehr Hilfe für arme Angehörige, die sich Beerdigungen nicht leisten können.

Weil immer mehr Angehörige Kilometer entfernt von geliebten verstorbenen Menschen leben, sollen sie in Rheinland-Pfalz mehr Zeit bekommen, die Beerdigung zu planen. Die Ampelfraktionen im Mainzer Landtag – SPD, FDP und Grüne – wollen die Bestattungsfrist im Land von sieben auf zehn Tage verlängern.

Der Trierer SPD-Landtagsabgeordnete Sven Teuber sagt, dass Hinterbliebene nach dem Tod von Vater, Mutter oder Großeltern nicht den Kopf dafür haben, das Begräbnis direkt mit den Behörden zu klären. „Familien brauchen Zeit, um mit der Trauer umzugehen“, sagt Teuber. Bereits jetzt gebe es zwar die Möglichkeit, eine Verlängerung der Bestattungsfrist zu beantragen. Landesweit koste das im Schnitt aber knapp 50 Euro, was für trauernde Hinterbliebene oft ein Ärgernis und ein bürokratischer Akt sei, so Teuber.

Ulrike Grandjean, Landeschefin des Bestatterverbandes, spricht von einer enormen Hilfe für Angehörige. „Verwandte leben inzwischen in der ganzen Welt verstreut und haben so eine größere Chance, sich von geliebten Verstorbenen zu verabschieden“, sagt die Triererin. Durch die hohe Auswahl an möglichen Bestattungen – vom Friedhofsgrab bis zum Friedwald – brauchten Familien inzwischen mehr Zeit, um eine Bestattung zu planen. Oft fehle es inzwischen auch an Pastoren oder Pfarrern, die eine Rede halten. Häufig springen inzwischen Ehrenamtliche ein, sagt Grandjean. Die Lage werde sich durch die Strukturreform des Bistums Trier noch zuspitzen, bei der 900 Pfarreien zu 35 Großpfarreien werden sollen. In manchen Ländern liegt die Frist, wann ein Verstorbener beerdigt sein muss, bereits bei zehn Tagen. In Hessen haben Hinterbliebene nur vier Tage Zeit, Abschied zu nehmen.

Armen Angehörigen, die bei Sozialämtern einen Antrag stellen müssen, weil sie sich die Bestattung von Verwandten nicht leisten können, helfe eine längere Frist dagegen nicht. Bestatter beklagen, dass die Bearbeitung meist Monate dauere. Der Bitburger Hans Steffen will nun ein Zeichen setzen und lädt die Bevölkerung ein, Abschied von einem Verstorbenen zu nehmen, der Ende Juli gestorben ist und noch nicht beigesetzt wurde.

Eifeler seit mehr als 20 Tagen nicht bestattet, weil es an Geld für Bestattung fehlt. Ein Bitburger Bestatter setzt nun ein Zeichen mit einer öffentlichen Trauerfeier.

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