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Rheinland-Pfalz: Bald keine Anwesenheitspflicht mehr an Universitäten?

Hochschulgesetz : Rheinland-Pfalz setzt auf mehr Studenten ohne Abitur

Wer eine Ausbildung hat, darf künftig rascher an die Uni. Anwesenheitspflichten in Seminaren könnten wegfallen.

Lukas Fritz ist einen ungewöhnlichen Weg gegangen. Der Serriger (Kreis Trier-Saarburg) studiert in Mainz Medizin, ohne ein Abitur in der Tasche zu haben. Über die Hauptschule landete Fritz in einer Krankenpfleger-Ausbildung im Trierer Brüderkrankenhaus, schnitt mit einer Note von 1,3 ab und durfte damit studieren. Den Weg des Mannes honorierte auch ein Leser aus Hetzerath, der vor Monaten in unserer Zeitung ein Porträt über den jungen Mann gelesen hatte – und ihm ein altes Banjo schenkte. Rheinland-Pfalz will den Weg für Studenten ohne Abitur – wie Lukas Fritz – an die Hochschulen nun weiter pflastern.

Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD) stellte in Mainz das überarbeitete Hochschulgesetz vor. Ein Baustein: Wer beruflich qualifiziert ist, soll künftig sofort ein Studium starten können und braucht keine Berufspraxis mehr von zwei Jahren, wie es bislang der Fall war. Fritz freut sich über sinkende Hürden. Er sagt: „Das Studieren ohne Abitur bietet vielen motivierten Menschen die besondere Chance auf einen Studienplatz und die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen.“

Nickt der Mainzer Landtag den Entwurf ab, soll das Gesetz bereits ab dem Wintersemester 2020/21 in Kraft treten. Zahlen zeigen zweierlei: Mit einem Anteil von 1,95 Prozent gehörte Rheinland-Pfalz bundesweit schon 2017 zur Spitzengruppe, wenn es um Hochschulabschlüsse beruflich Qualifizierter ohne Abitur geht. 776 Studienanfänger ohne Abi – darunter 42 an der Hochschule und 17 an der Uni Trier – haben sich damals im Land eingeschrieben. An ein „Massenphänomen“ glaubt Kristian Bosselmann-Cyran, Hochschulpräsident in Koblenz, auch künftig nicht. Er gibt aber zu: „Die Abbrecherquote dieser Studenten ist sehr gering, weil sie sehr motiviert sind.“ Ermöglichen will das Land auch duale Masterstudiengänge. Wolf sieht eine Chance, Studiengänge „für verschiedene Biographien zu öffnen“.

Wegfallen soll die Anwesenheitspflicht bei Vorlesungen und Seminaren. Wer bislang dreimal fehlte, fiel meist durch. Geht es nach dem Trierer Unipräsident Michael Jäckel, baten Studenten um einen milderen Kurs, weil es Härtefälle gebe, in denen Familienangehörige erkrankten und der Stoff privat aufbereitet werden müsse. „Wir müssen nur aufpassen, dass die Regel nicht missbraucht wird“, warnt Jäckel. Alle Angebote digital anzubieten – wie via Stream im Internet -  sei „nicht von heute auf morgen zu schaffen“. Es ist nicht die einzige Kritik am Gesetz. Rheinland-Pfalz falle hinter andere Bundesländer zurück, leider bleibe es bei Gebühren für ein Zweitstudium, tadelt Landeschef Klaus-Peter Hammer von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Marion Schneid (CDU) schimpft: „Kernproblem unserer Hochschullandschaft ist Unterfinanzierung.“