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Rheinland-Pfalz: Brettern Riesenlaster bald über alle Autobahnen

Verkehr : Brettern Riesenlaster bald über Autobahnen?

Gigaliner sparen Sprit und transportieren mehr Waren. In Rheinland-Pfalz fahren sie bislang nur auf wenigen Strecken, der Ansturm von Firmen bleibt aus. Das könnte sich bald ändern – auch in der Region Trier.

Gigaliner können mehr als 25 Meter lang sein und erlauben es Unternehmen, deutlich mehr Waren von A nach B zu transportieren als mit gängigen LKW. Das Problem für Spediteure in Rheinland-Pfalz: Bislang dürfen die riesigen Trucks nur auf sieben ausgewählten Strecken im Land fahren, vornehmlich in der Pfalz. Das könnte sich bald ändern.

Das Land öffnet sich nach einem Pilotprojekt weiter für die Riesenlaster, die künftig über deutlich mehr Straßen brettern sollen als bislang. Verkehrsstaatssekretär Andy Becht (FDP) kündigte am Dienstag im Wirtschaftsausschuss des Mainzer Landtags an, dass das Land dem Bund alle rheinland-pfälzischen Autobahnen zur Freigabe für die Gigaliner melden wird. Das Ministerium prüfe derzeit ferner weitere Anträge von Spediteuren, die sich aus der Region Trier, dem Westerwald und der Pfalz gemeldet hätten. Unternehmen müssen die Strecken, die von der Firma zur Autobahn führen, anmelden. Das Land warte nun darauf, dass der Bund eine neue Änderungsverordnung verabschiede, sagte Becht.

Der Verkehrsstaatssekretär sprach von „durchweg positiven Erfahrungen“, die Rheinland-Pfalz mit den Riesenlastern gesammelt habe. Verkehrsbehinderungen oder Unfälle seien nicht bekannt.

Kritiker wie der Verkehrsclub Deutschland hatten Gefahren heraufbeschworen, weil Gigaliner 6,50 Meter länger sind als herkömmliche Lastwagen – und damit schwerer zu überholen. Geht es nach Becht, haben sich die Ängste um den Gigaliner nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: Der FDP-Politiker gestand den Trucks gar zu, die Umwelt zu schonen. Im Schnitt ersetzten zwei Lang-LKW drei Fahrten mit herkömmlichen Lastwagen. Die Gigaliner sparten bis zu 25 Prozent an Kraftstoff ein. Becht: „Eine Einsparung von Emissionen kann kurzfristig in dieser Größenordnung von kaum einer anderen fahrzeugtechnischen Maßnahme am LKW erreicht werden.“

Benedikt Oster, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, sprach frei heraus von „Horrorszenarien, die mir in Bürgergesprächen immer zum Gigaliner begegnen“. Viele Menschen fürchteten da verstopfte Kreisstraßen, auf denen die Riesenlaster bei Wendemanövern steckenbleiben, berichtet er und fragt das Ministerium, was an den Sorgen dran sei. „Die Gigaliner fahren fast ausschließlich auf Autobahnen“, beschwichtigt Becht. Das Land prüfe mögliche Strecken genauso streng wie bei Schwertransporten.

Der FDP-Landtagsabgeordnete Steven Wink sprach bereits überschwänglich vom „Ökoliner“, der Treibstoff und Fahrten spare. Den Begriff nennt Jutta Blatzheim-Roegler (Grüne)  wiederum „euphemistisch“. Die Abgeordnete aus Bernkastel-Kues fürchtet überlastete Raststätten und deutlich mehr Gigaliner-Fahrten durch Rheinland-Pfalz, wenn Nachbarländer wie das Saarland, Nordrhein-Westfalen und Hessen die rheinland-pfälzischen Autobahnen nutzen dürften. Fast wie ein Appell an den Zusammenhalt des rot-gelb-grünen Ampelbündnisses klang ihre Anmerkung: „Es wäre wichtig, bei der gemeinsamen Politik zu bleiben, Güter zuerst über die Schiene zu transportieren.“ Das Ministerium antwortet, es werde „keine Verlagerung von der Straße auf die Schiene“ geben.

 Fraglich scheint ohnehin, ob rheinland-pfälzische Spediteure künftig in Scharen die Riesenlaster ordern werden. „Der große Ansturm ist ausgeblieben“, berichtete Becht. Die Lang-LKW befahren bislang nur zwei von sieben genehmigten Strecken in der Pfalz. In einem Fall transportiere ein Unternehmen leere Getränkedosen, in einem anderen Fahrzeugteile.

Sachreferent Jürgen Menge erklärte sich die Zurückhaltung damit, dass sich der Gigaliner-Verkehr bislang auf kurze Wege beschränke: „Wir erwarten ein anderes Bild, wenn der Bund die Autobahnen freigibt, weil rheinland-pfälzische Speditionen dann in andere Länder fahren können.“

 Das kann sich auch die Industrie- und Handelskammer Trier vorstellen. Wilfried Ebel, Verkehrsexperte der IHK Trier, sagt: „Wir stehen dem Einsatz von Lang-LKW positiv gegenüber und sehen sie als sinnvolle Ergänzung für Gütertransporte. Vor allem mit Blick auf das zunehmende Gesamtverkehrsaufkommen sollten wir alle technischen Möglichkeiten nutzen, um die Straßen zu entlasten.“