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Rheinland-Pfalz: Freibäder wollen wieder öffnen - und können es nicht

Rheinland-Pfalz : Freibäder warten auf Auflagen vom Land – Geht die Sommersaison etwa noch baden?

Freibäder brauchen Hygieneregeln vom Land. Kommunen warnen vor hohen Erwartungen: Den Betrieb aufzunehmen ist mehr, als den Wasserhahn einer Badewanne aufzudrehen.

Wenn die Freibäder ab Mittwoch in Rheinland-Pfalz wieder öffnen dürfen, schwimmt in den Kordeler Becken kein einziger Gast, weil es geschlossen bleibt. Wann und ob das regionale Freibad in diesem Sommer überhaupt noch mal öffnet? Michael Holstein, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Trier-Land, weiß es nicht. Viele andere Kommunen äußern sich ähnlich ratlos.

Am Montag wollen sich Betreiber im Landkreis Trier-Saarburg und der Stadt Trier beraten, wie sie mit ihren oft ohnehin defizitären Bädern in der Coronakrise nicht völlig auf Tauchstation gehen. Holstein sagt: „Wenn wir uns dafür entscheiden, das Bad zu öffnen, geht es frühestens am 1. Juli los. Wenn überhaupt ...“, sagt er. Holstein rechnet damit, dass es mehr Personal in der Krise braucht, um Hygiene und Abstände zu wahren. „Es braucht Überwachung an Eingängen, vor Duschen und an Becken.“ Vorher müsse die Verbandsgemeinde noch 80 000 bis 100 000 Euro ins Bad stecken, um es auf Vordermann zu bringen. „Das Wasser aus dem Winter muss aus den Becken gepumpt werden, Schmutz verschwinden. Oft stehen nach dem Reinigen noch kleinere Reparaturen an, wenn sich lose Kacheln finden. Dann muss das neue Wasser rein und das ganze Becken durchgechlort werden“, sagt er. Mehrere Wochen dauere es, bis das Bad startbereit sei. „Und dann wissen wir nicht, ob wir bei einer zweiten Coronawelle wieder schließen müssen“, sagt Holstein.

Die Sätze des Bürgermeisters zeigen, was der Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz in dieser Woche damit meinte, dass es mehr für die Inbetriebnahme eines Schwimmbades brauche als „nur den Wasserhahn der Badewanne aufzudrehen“. Damit kritisierte der kommunale Spitzenverband die Landesregierung. Denn die Kommunen warten noch auf feste Hygieneregeln aus Mainz, die in der Krise für Freibäder gelten sollen. Der Vulkaneifeler CDU-Landtagsabgeordnete Gordon Schnieder moniert: „Einmal mehr müssen Verantwortliche vor Ort für die Verzögerung den Kopf hinhalten, obwohl ihnen die entsprechende Hilfestellung durch das Land versagt bleibt.“ Der Trierer AfD-Landeschef Michael Frisch moniert, die Betreiber im Unklaren zu lassen. „Damit macht man es ihnen in der Praxis schlichtweg unmöglich, ihre Bäder rechtzeitig wieder in Betrieb zu nehmen.“ Ohnehin sei zu befürchten, dass man aus wirtschaftlichen Gründen vielerorts auf eine Öffnung verzichten wird. „Warteschlangen am Schwimmbecken oder abgegrenzte Planquadrate auf den Liegewiesen dürften wohl kaum auf große Begeisterung bei potenziellen Badegästen stoßen“, vermutet Frisch.

Unbenommen davon laufen Planungen regionaler Bäder. Wie bei der Stadt Trier, die nicht ausschließt, nur eins ihrer beiden Freibäder zu öffnen. „Sobald vom Land konkrete Vorgaben bekannt sind, unter denen der sichere Betrieb eines Freibades möglich ist, wird detailliert geschaut, wie die Öffnung eines oder der beiden Freibäder unter den notwendigen Sicherheits-, Abstands- und Hygieneregelungen möglich gemacht werden kann“, teilt ein Sprecher der Stadt mit. Am 27. Mai zu öffnen sei „nicht realistisch“. Wittlich peilt an, Freibad-Besucher in der ersten oder zweiten Juniwoche wieder zu empfangen, wahrscheinlich am 6. Juni, sagt Sprecher Rainer Stöckicht. Vorbereitungen laufe: Die Stadt befüllte Mitte Mai das Becken. Fünf Tage dauerte das, „da aus dem Trinkwasserversorgungsnetz der Stadt Wittlich maximal 25 000 Liter pro Stunde entnommen werden dürfen“, so Stöckicht. Dann muss das Wasser, zehn Grad kalt, noch aufgeheizt werden. Nun schauen die Wittlicher noch gebannt nach Mainz, das Hygieneregeln am Dienstag veröffentlichen will.  Andere Kommunen lassen offen, wie es dann weitergeht. Über die Bäder Saarburg und Kell am See entscheide wohl Donnerstag der Verbandsgemeinderat in öffentlicher Sitzung, sagt Martin Alten, Hauptamtlicher Erster Beigeordneter der VG.  Es könne auch zur Debatte stehen, ob Bäder zu bleiben, warnt Alten. „Es wird erhebliche finanzielle Auswirkungen durch die Krise geben – und wir kennen die Auflagen noch nicht. Das erschwert es uns, ein Konzept vorzubereiten.“