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Rheinland-Pfalz hat als Winzer kein gutes Händchen - Staatliche Weinbaudomäne in Trier ist Millionengrab

Rheinland-Pfalz hat als Winzer kein gutes Händchen - Staatliche Weinbaudomäne in Trier ist Millionengrab

Weinbau gehört offenbar nicht zu den Stärken des Landes. Jedenfalls nicht der Betrieb einer Weinbaudomäne. Der Landesrechnungshof hat sich in seinem jüngsten Bericht ausführlich mit der landeseigenen Weinbaudomäne in Trier beschäftigt.

Die Idylle, die die Weinbaudomäne im Aveler Tal in Trier umgibt, trügt. Folgt man nämlich dem Landesrechnungshofbericht, ist das aus dem 1896 gegründeten preußischen Musterbetrieb für fortschrittliche Methoden in Weinbau und Kellerwirtschaft hervorgegangene staatliche Weingut ein Millionengrab. Und zwar für das Land.

Auf sechseinhalb Seiten beschäftigt sich die Behörde in ihrem 167-seitigen Jahresbericht mit der Domäne, einem von fünf staatlichen Weingütern in Rheinland-Pfalz. Und das, was dort zu lesen ist, ist ein vernichtendes Urteil. Die Einschätzung der Rechnungsprüfer macht eindeutig klar, dass ein Land keinen Weinbau betreiben sollte. Die Domäne ist laut Landesrechnungshof ein Beispiel für staatliches Missmanagement.

Obwohl die zum Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Mosel gehörende Domäne 2003 bereits aufgegeben werden sollte, hat das Land den Betrieb weitergeführt. 2007 wurde beschlossen, ihn zu einem gewinnorientierten Wirtschaftsbetrieb weiterzuentwickeln. Was jedoch keinen Erfolg hatte. Zwischen 2009 und 2014 betrug das Minus über zwei Millionen Euro. Der Verlust wird vom Land getragen.

Und trotz des anhaltenden Defizits habe das Land 2010 und 2011 noch 2,3 Millionen Euro für ein neues Kellereigebäude ausgegeben, kritisiert Rechnungshofpräsident Klaus Behnke. Gefördert wurde der Bau mit Mitteln des Bundes aus dem damals zur Wirtschaftsförderung aufgelegten Konjunkturpaket II.Fragwürdige Verwendung


Die Verwendung von Geldern aus diesem Paket für ein nicht öffentlich zugängliches Gebäude halten die Rechnungsprüfer für fragwürdig.

Der gestern in Mainz vorgelegte Bericht listet schonungslos auf, warum der landeseigene Weinbaubetrieb unwirtschaftlich ist und damit wohl nie Gewinne einfahren kann. So hat die Umstellung auf einen ökologischen Weinbaubetrieb im Oktober 2013 zusätzliche Kosten von jährlich 55 000 Euro verursacht und das Defizit noch weiter erhöht.

Die Erntemengen hätten zwischen 2012 und 2014 rund 50 Prozent unter dem Durchschnitt im Anbaugebiet Mosel gelegen, heißt es in dem Bericht weiter. Hinzu kommt den Rechnungsprüfern zufolge, dass der dort produzierte Wein "nur eine mindere Qualität" gehabt habe und nur als Fasswein, also etwa an Sektkellereien, verkauft werden konnte. Daher sei der Absatz von Flaschenweinen und von der Domäne hergestelltem Sekt um über 30 Prozent von 172 000 auf 119 000 Flaschen zurückgegangen. Zur Unwirtschaftlichkeit trägt nach Ansicht der Finanzkontrolleure auch der Personalaufwand der Domäne mit bei. Die 13,5 Stellen seien 2014 von 26 Beschäftigten besetzt worden, heißt es in dem Bericht. Laut Behnke ist das deutlich mehr Personal, als ein vergleichbarer privater Winzerbetrieb benötige. Daher steht er der beabsichtigten Verpachtung der Domäne skeptisch gegenüber, zumal das zuständige Landwirtschaftsministerium ebenso wie für den bisherigen Betrieb keine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung durchgeführt habe. Weil bei einer Verpachtung, die übrigens erst dann vom Land ins Gespräch gebracht worden ist, als der Rechnungshof angekündigt hat, den Weinbaubetrieb unter die Lupe zu nehmen, die Gebäude weiter in Landesbesitz blieben, belasteten sie weiter den Haushalt, so Behnke.