Rheinland-Pfalz: Lewentz will Frauen und Migranten für Feuerwehr werben

Kostenpflichtiger Inhalt: Minister will Frauen für Wehren begeistern : Tatü, tata – kein Nachwuchs da! - Feuerwehr sucht neue Kräfte

Die Feuerwehr sucht Kräfte. Die Opposition fordert mehr Geld, Minister Lewentz hegt andere Pläne.

Geht es um den Nachwuchs, schrillt bei den Feuerwehren in Rheinland-Pfalz lauter Alarm. Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl der Mitglieder in freiwilligen Feuerwehren von 60 000 auf 51 000 gesunken. Da Überflutungen durch massive Regenfälle zunehmen und die Gefahr von Waldbränden in heißen Sommern steigt, braucht es mancherorts aber deutlich mehr Kräfte. CDU und AfD fordern von der Landesregierung, den Wehren mehr zu helfen.

Innenminister Roger Lewentz (SPD) sieht sich dagegen längst auf dem richtigen Weg, die lodernden Feuer rund um die Wehren zu löschen. Er kündigt an, in Gesprächen mit dem Landesfeuerwehrverband zu sein, um mehr Nachwuchs zu gewinnen. Ein Ziel: Der Minister will mehr Frauen und Migranten für die Wehren begeistern. Zahlen zeigen: Unter den 51 000 Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr seien bloß 3000 Frauen. Bei den 11 500 Mitgliedern der Jugendfeuerwehren seien dagegen 2200 weiblich, ein höherer Frauen-Anteil, was Lewentz als steigendes Interesse der jüngeren Generation interpretiert. Bei Migranten, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, sieht der Minister das Problem, dass diese Feuerwehren aus ihren Heimatstaaten oft mit repressiven Organen des Staates verbinden „und nicht als Einheit, bei der jeder mitmachen und sich einbringen darf“. Das müsse sich ändern.

Als Ansatz, alle Gruppen zu erreichen, nennt Lewentz den Ausbau von Feuerwehr-Arbeitsgemeinschaften in Schulen. Heraufsetzen will er das Alter, wann Mitglieder der Feuerwehr aus dem Dienst ausscheiden müssen. In den örtlichen Wehren dürfen Feuerwehrkräfte bislang freiwillig bis 63 helfen. Geht es nach Lewentz, soll das freiwillige Austrittsalter auf 67 steigen. Das könne auch Bestandteil des Landesbrandkatastrophenschutzgesetzes sein, das er Ende des Jahres der Öffentlichkeit vorstellen wolle. Dort gehe es auch um die Frage, neue Fahrzeuge für die Feuerwehr anzuschaffen, die noch besser bei Waldbränden taugen. Der SPD-Politiker sagt, der Organisationsgrad der Feuerwehren in Rheinland-Pfalz sei immer noch „hoch“. „Gewinnen wir neue Personengruppen für die Wehren hinzu, können wir sie auf die nächsten zwei Jahrzehnte hin stabilisieren.“

Ein Weg liegt für die FDP-Landtagsabgeordnete Monika Becker in dem freiwilligen sozialen Jahr, für das sie sich eingesetzt hat und das es in den Wehren seit 2017 gibt. Im ersten Jahr nahmen das Angebot zwar nur sechs Jugendliche an, 2018 stieg die Zahl immerhin schon auf 13.  „Das freiwillige soziale Jahr ist eine Chance, den demographischen Wandel auf dem Land zumindest abzumildern“, sagt Becker.

Die Opposition ist kritischer, vermisst vom Land ein modernes Gewand. CDU-Fraktionschef Christian Baldauf fordert, mehr junge Leute für das Ehrenamt zu motivieren. Der designierte CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2021 erwartet von der rot-gelb-grünen Ampelkoalition auch, Kommunen bei der Ausstattung der Wehren mehr unter die Arme zu greifen und so Wertschätzung gegenüber Einsatzkräften zu zeigen.

„In vielen Kommunen müssen Atemmaskenträger noch mit Luftflaschen aus Stahl in die Einsätze gehen, die acht Kilo schwer sind.“ Es gebe aber auch Atemluftflaschen, die vier Kilo wiegen. Diese zu tragen, senke das Risiko für die Einsatzkräfte, meint Baldauf.

Die AfD will dagegen auch bei den Berufsfeuerwehrkräften ansetzen, von denen es in Rheinland-Pfalz 800 gibt. Die Oppositionspartei fordert in einem Antrag mehr Geld. Die Kritik der AfD: Die Feuerwehrzulage sei von 1999 bis 2019 gerade um 5,31 Euro angestiegen, um kärgliche 0,2 Prozent pro Jahr, kritisiert der Trierer Landtagsabgeordnete Michael Frisch. Die AfD fordert, die Zulage von derzeit monatlich 132 Euro nach zwei Dienstjahren auf 150 Euro zu erhöhen. Berufsfeuerwehrkräfte, die wie in Trier eine Ausbildung als Notfallsanitäter haben, sollen einen Zuschuss von 150 Euro pro Monat bekommen. Auch die Besoldung, mit denen die Berufsfeuerwehr einsteigt, müsse sich erhöhen.

Mehrkosten für Kommunen solle das Land erstatten, fordert Frisch. „Gerade in der Region Trier sieht sich die Feuerwehr harter, abwerbender Konkurrenz aus Luxemburg ausgesetzt.“

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