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Rheinland-Pfalz: Michael Frisch will AfD in Landtagswahl 2021 führen

Landespolitik : Trierer Michael Frisch will Spitzenkandidat der Landes-AfD 2021 werden

Dem Trierer Michael Frisch dürfte die Spitzenkandidatur der AfD bei der Landtagswahl 2021 nicht mehr zu nehmen sein. Denn mit dem rheinland-pfälzischen AfD-Fraktionschef Uwe Junge hängt ausgerechnet der Mann seine politische Karriere nach dieser Legislaturperiode an den Nagel, dem Parteikreise eine Kampfkandidatur zugetraut hatten.

Eine Überraschung ist der Junge-Rückzug im landespolitischen Mainz nicht. Der Trierer Frisch wusste um einen breiten Rückhalt, der Junge eine Kandidatur massiv erschwert hätte, der die AfD 2016 noch mit 12,6 Prozent in den Mainzer Landtag führte. Der AfD-Landesvorstand hatte sich Informationen unserer Zeitung bereits einhellig dafür ausgesprochen, mit Michael Frisch in die Landtagswahl 2021 ziehen zu wollen. Der 62-jährige Trierer sagt unserer Zeitung: „Ich werde mich für die Spitzenkandidatur bewerben. Das letzte Wort haben aber die Parteifreunde.“

Aus Parteikreisen heißt es, Uwe Junge riskiere es nicht, bei einer Wahl ein blaues Auge zu riskieren, sein Denkmal in der AfD zu beschädigen und vollziehe eine „gesichtswahrende Lösung“. Junge soll die Fraktion bis zum Ende der Legislaturperiode führen – sofern er nicht nachtrete, heißt es von Politikern der Partei. In der Fraktion war der Ex-Soldat unter Kritikern wegen seines „militärischen Führungsstils“ umstritten. Junge gilt auch als scharfer Kritiker des rechtsextremen Flügels innerhalb der AfD und forderte in den vergangenen Wochen wiederholt dessen Auflösung.

Gewichtige Gründe beim Abgang von Junge spielen dem Vernehmen nach aber auch gesundheitliche Probleme, die Junge in einer Mitteilung selber als einen Aspekt nannte, warum er 2021 nicht mehr zur rheinland-pfälzischen Landtagswahl antreten wolle. Er habe „nach reiflicher Überlegung, einer erfüllten und erfolgreichen Dienstzeit für mein Vaterland als Offizier der Bundeswehr, nach sieben langen und wechselvollen Jahren des Aufbaus“ der AfD entschieden, nach Ablauf dieser Legislaturperiode in den Ruhestand zu gehen, teilte Junge mit.

Junge hatte im vergangenen Jahr den AfD-Landesvorsitz aufgegeben, weil er ursprünglich Parteivize im Bund werden wollte. Die Delegierten versagten ihm aber die mehrheitliche Wahl. Michael Frisch übernahm dafür den Landesvorstand der AfD, die eigentlich Joachim Paul führen sollte. Der Fraktionsvize zog eine Kandidatur aber zurück, nachdem kurz dem Landesparteitag Vorwürfe aufkamen, er habe 2011 für eine NPD-nahe Zeitschrift geschrieben. Paul selber sagt, er gehöre zu den Unterstützern von Frisch, wenn es um die Spitzenkandidatur geht. „Er hat einen ausgleichenden Charakter, einen kooperativeren Führungsstil, ist uneitel und versteht es, alle Stärken innerhalb der Partei zu fördern“, sagt der Koblenzer.

Parteimitglieder hoffen darauf, dass Frisch bei der Landtagswahl 2021 einen gemäßigten Spitzenkandidaten abgibt. „Es wird schwer, mit einem Mathematiklehrer aus Trier das Narrativ zu bedienen, die AfD radikalisiere sich zunehmend“, heißt es aus der Partei.

SPD-Landesgeneralsekretär Daniel Stich sieht das völlig anders. Er sagt: „Mit dem Rückzug von Uwe Junge entwickelt sich die AfD auch in Rheinland-Pfalz immer weiter zu einer rechtsradikalen Partei. Der vermeintlich moderate Mathelehrer Frisch aus Trier ist ein Feigenblatt – den Ton in der AfD Rheinland-Pfalz geben knallharte Radikale wie Paul, Münzenmaier und Lohr an, die keine Berührungsängste zur extremen Rechten kennen“, sagt Stich. Er betont: „Wenn selbst für einen wie Uwe Junge, der alles andere als ein harmloser Konservativer ist, sondern einer, der Seit‘ an Seit‘ mit Pegida in Chemnitz marschierte, kein Platz mehr in der AfD-Führung ist, ist das ein alarmierendes Zeichen.“