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Rheinland-Pfalz: Per Mausklick zum Personalausweis

Landespolitik : Per Mausklick zum Personalausweis

Den Gang zur Behörde können sich Rheinland-Pfälzer künftig häufiger sparen. Die Kreise wollen ein Internetmodell von der Mosel übernehmen, das Bürger rund um die Uhr nutzen dürfen.

Wer einen neuen Personalausweis braucht oder ein Auto anmeldet, muss den Weg zu kommunalen Ämtern antreten. Der Besuch kann in einem Bundesland wie Rheinland-Pfalz beschwerlich sein. Die Kreisbehörde liegt möglicherweise 30 Minuten entfernt und schließt um 16 Uhr, was für Pendler kaum zu schaffen ist. Wer dann wichtige Unterlagen vergisst, darf noch ein zweites Mal beim Sachbearbeiter anrücken. Was für ein Ärger! Geht es nach dem rheinland-pfälzischen Landkreistagschef Günther Schartz, soll es  Bürgern aber bald besser gehen.

Die 24 Kreise im Land wollen sich ein Vorbild nehmen an einem Internetportal von Cochem-Zell, auf dem Bürger rund um die Uhr online Erledigungen machen können.  Im Laufe des Jahres 2020 könnte die Technik allen Kreisen zur Verfügung stehen, hofft der Landrat von Trier-Saarburg. „Wir stehen am Anfang einer langen Story, die wir schreiben“, sagt Schartz. Die digitale Verwaltung sieht er als Schritt, Bürgern das Leben zu erleichtern. „Menschen können sich weite Wege sparen, haben mehr Zeit und können die Erledigungen auch am Sonntagabend von zu Hause  machen“, meint der CDU-Politiker.

Im Landkreis Cochem-Zell läuft seit dem Jahr 2016 ein bundesweit einzigartiges Modell zum sogenannten E-Government. Bürger können sich auf dem Portal durch die Behörden von Kreis und Verbandsgemeinden klicken, Sperrmüll beantragen – und vieles mehr. In dem System kommen Online-Besucher direkt auf eine Maske, in der sie nach dem gewünschten Begriff suchen können und direkt zur zuständigen Verwaltung geleitet werden. „Viele Bürger wissen nicht auf Anhieb, ob für ein Anliegen der Kreis oder die Verbandsgemeinde zuständig ist. Das Portal nimmt ihnen das Problem direkt ab“, sagen Projektleiter Christopher Laux und Kreissprecherin Sarah Kühne.  Leidenschaftliche Jäger können in Cochem-Zell auch ihren Jagdschein online verlängern. Mit wenigen Mausklicks füllen Besucher das Formular aus, laden Ausweis und Jagdschein hoch, senden alles an die Verwaltung und können das Geld direkt über alle Bezahlmodelle des weltweiten Netzes überweisen.

Die Verbindungen seien sicher, sagen die Macher. Die Seite werde weiter ausgebaut. Solche umfassenden Behördengänge sollen künftig in der Region auch in Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm und der Vulkaneifel möglich sein, sagt Schartz. In dem Cochem-Zeller Modell, das sämtliche Behörden vereine, sieht er eine Abkehr von „Insel-Lösungen“.

 Schartz hofft, dass sich auch die Landesbehörden in dem künftigen Modell der Kreise einbringen. Mehr als 100 000 Euro kostete es in Cochem-Zell, das System umzustellen. Laut Landrat Manfred Schnur (CDU) hat sich der Schritt gelohnt. Er glaubt, Behörden damit auch als Arbeitgeber attraktiver zu machen, weil sich immer mehr Arbeitgeber von zu Hause aus in das System schalten könnten. Die Anträge auf Heimarbeit steigen, genauso wie die Nachfrage von Bürgern, sagt er.  „Amazon kannten viele Menschen vor Jahren auch nicht. Wir müssen uns trauen, solche Angebote in einer modernen Gesellschaft zu schaffen. Wofür brauchen wir sonst schnelle Internetleitungen?“ Für Landkreistagschef Schartz ist die Vernetzung auch ein Zeichen ans Land, dass es keine radikale Kommunalreform mit neuen Gebietsfusionen brauche. „Wir arbeiten bereits effektiv und vertrauensvoll zusammen“, sagt der Landrat von Trier-Saarburg.