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Rheinland-Pfalz: Polizeieinsätze beim Fußball kosten den Steuerzahler Millionen

Kostenpflichtiger Inhalt: Neue Regel zur Kostenübernahme? : Polizeieinsätze beim Fußball kosten den Steuerzahler Millionen

Beamte im Land leisten Zehntausende Stunden. Heimspiele von Eintracht Trier schlugen allein in dieser Saison mit rund 130 000 Euro zu Buche. Sollen die Vereine zahlen?

Wenn Fußballer in einem brisanten Derby das 1:0 in letzter Minute schießen, dürfen sie sich von ihren euphorischen Fans feiern lassen. Für den Steuerzahler sind die Fußballfeste aber ein teures Vergnügen, wenn die Polizei rivalisierende Fangruppen auf dem Weg vom Bahnhof zum Stadion voneinander trennen muss.

Das zeigt die Antwort des rheinland-pfälzischen Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage des CDU-Abgeordneten Matthias Lammert. Danach hat die Polizei im Land in dieser Saison bereits 35 906 Einsatzstunden bei Fußballspielen angesammelt, die das Innenministerium mit Kosten von 2,15 Millionen Euro anrechnet.

Fast die Hälfte der Stunden (17 552) arbeitete die Polizei bei Heimspielen des 1. FC Kaiserslautern. Beim FSV Mainz 05 – einziger Bundesligist von Rheinland-Pfalz – sammelten sich 11 666 Einsatzstunden an. Doch auch Heimspiele von Eintracht Trier kosten Geld. 2194 Stunden war die Polizei in der Hinrunde dieser Saison bislang bei dem Fußball-Oberligisten im Einsatz, was sich nach der Kostenaufrechnung des Landes mit einem Stundensatz von rund 60 Euro auf mehr als 130 000 Euro beläuft.

Thomas Metzger vom Supporters Club Trier kritisiert die Polizeieinsätze als „völlig überzogen“. Der Fan von Eintracht Trier: „Wenn wir in der Oberliga mit 150 Fans zu Auswärtsspielen fahren und dort viele Polizisten stehen, wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen.“ Eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit bestehe nicht. Verletzt wurden in dieser Saison bei Fußball-Einsätzen bislang sechs Polizisten bei Spielen von Mainz 05 und dem 1. FC Kaiserslautern, zeigen Zahlen des Innenministeriums.

Die Politik streitet, ob sie Fußballvereine künftig für Polizeieinsätze zur Kasse bitten soll, wenn schwere Ausschreitungen zu erwarten sind. Betroffen wären davon aber nur kommerzielle Profivereine wie Mainz 05 – und nicht Amateurclubs wie Eintracht Trier. Das Land will vorher aber einen laufenden Rechtsstreit zwischen Bremen und der Deutschen Fußball Liga abwarten und spekuliert auf einen bundesweiten Fonds der Proficlubs.

Schnürt das Land wiederum ein eigenes Gesetz, dürfte sich das nicht darauf beschränken, bloß Fußballvereine bei Polizeieinsätzen abzukassieren. Matthias Lammert (CDU) warnt davor, dass dann auch Veranstalter von Festivals und Karnevalsumzügen zahlen müssten. Er sieht es auch kritisch, den Fußball zur Kasse zu bitten. Der Staat habe die Aufgabe, die Bürger zu schützen. „Dabei soll es auch bleiben.“