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Rheinland-Pfalz rüstet Schulen digital auf – Kritik an Exklusivvertrag mit Apple

Rheinland-Pfalz rüstet Schulen digital auf – Kritik an Exklusivvertrag mit Apple

Lehrern missfällt die Bindung an einen Hersteller – und sie sorgen sich um den Datenschutz.

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) ist vollends begeistert, als sie das Projekt Medienkompetenz macht Schule für Grundschulen präsentiert: "Die Arbeit mit Tablet-Computern etwa erfährt eine hohe Akzeptanz bei Lehrkräften, Eltern und den Schülerinnen und Schülern. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und reichen von der spielerischen Heranführung ans Programmieren bis zum Erstellen von multimedialen Bilderbüchern mit dem Tablet."

Bis zu 250 Grundschulen sollen in den kommenden zwei Schuljahren zwei Jahre lang mit finanzieller Unterstützung des Landes neu digital ausgestattet werden. 25 Schulen aus der Region nehmen laut Bildungsministerium an dem Programm teil. Insgesamt für jeweils 7500 Euro sollen etwa moderne multimediale Tafeln (sogenannte Whiteboards) und auch Tablets angeschafft werden.

Was die Ministerin allerdings nicht sagt: Bei den Tablets handelt es sich um iPads vom Hersteller Apple. Die Schulen, die an dem Landesprogramm teilnehmen, haben keine andere Wahl. Ein Sprecher des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums verweist auf Rahmenverträge des Landes, "die zuallererst Kostenersparnisse mit sich bringen". Die anderen angeschafften Geräte seien von anderen Herstellern. Geschlossen wurde der Rahmenvertrag mit einem Mainzer IT-Ausstatter. Dieser hatte vor einem Jahr die europaweite Ausschreibung gewonnen, um alle Behörden in Rheinland-Pfalz und im Saarland mit IT-Geräten auszustatten.

Auch mit Hessen hat das Unternehmen einen Rahmenvertrag abgeschlossen zur digitalen Ausstattung der dortigen Schulen. Auch Universitäten, Fachhochschulen, Hochschulen, Universitätskliniken in Rheinland-Pfalz und im Saarland beziehen "ausschreibungsbefreit" Apple-Produkte über den Mainzer IT-Ausstatter. Das Land begründet die Entscheidung zugunsten von Apple in Grundschulen damit, dass die in den Geräten verwendete Software weniger angreifbar sei und deswegen einen besseren Viren- und Datenschutz gewährleiste als die in vielen Tablets von Konkurrenzunternehmen verwendete. Allerdings umfasse das Landesprogramm mehr als nur die technische Ausstattung, so der Ministeriumssprecher. Es gehe vor allem darum, "Kompetenzen zu schaffen und zu stärken".

Bei einigen Grundschulen in der Region stößt die Bindung an Apple auf Kritik, vor allem dort, wo bislang Computer mit Software des Unternehmens Microsoft eingesetzt werden. Die Dateien zwischen den einzelnen Systemen seien nicht ohne weiteres austauschbar, sagt Hjalmar Brandt, Landesgeschäftsführer des Lehrerverbandes VBE.

Er sieht in der Vorgabe, dass an den teilnehmenden Schulen ausschließlich Tablets von Apple benutzt werden sollen, noch ein weiteres Problem: "Bei der Nutzung von solchen Geräten in der Schule sollten diese auch zu Hause genutzt werden. Das wird sich nicht jeder leisten können." Wer zu Hause Geräte etwa mit Windows-Software benutze, "ist in einer ähnlichen Situation, als wäre Fremdsprachenunterricht in der Schule Englisch und zu Hause Französisch", kritisiert Brandt.

Die Lehrergewerkschaft GEW sieht ein derartiges Sponsoring durch Schulen ebenso kritisch. Damit lege sich eine Schule nicht nur auf Produkte eines Herstellers fest, sondern auch auf dessen Angebot wie etwa Apps, sagte Martina Schmerr, Mitglied des Bundesvorstands der GEW. Und weiter: "Teilweise wurde und wird auch versucht, die Daten von Schülern und Lehrkräften zu sammeln, um deren Nutzerprofil erfassen oder sie als Kunden besser durchleuchten zu können." Grundsätzlich sei es zu begrüßen, dass das Land endlich in den Schulen digital "aufrüstet", lobt Brandt. "Jetzt müssen nur noch überall schnelle Internetverbindungen entstehen."

Unterschiedliche Betriebssysteme: Tablets und Smartphones des US-Herstellers Apple laufen mit dem Betriebssystem iOS. Vergleichbare Geräte anderer Hersteller benutzen Android oder Windows. Die verschiedenen Betriebssysteme sind in der Regel nicht miteinander kompatibel.