Rheinland-Pfalz sagt Einwegbechern den Kampf an

Rheinland-Pfalz : Kampf gegen Kaffeebecher-Müll

Das Land will Bäckereien, Gaststätten und Tankstellen für umweltfreundliche Lösungen gewinnen.

Wer früher beim Bäcker einen Kaffee bestellte, hat die Tasse meist gemütlich im Sitzen getrunken. Doch die Zeiten haben sich gewandelt: Viele Menschen nehmen den georderten Kaffee inzwischen lieber direkt mit und trinken ihn unterwegs als Coffee-to-go aus einem Pappbecher mit Plastikdeckel. Längst warnt die Deutsche Umwelthilfe vor den Ausmaßen: Nach ihren Berechnungen verbrauchen die Deutschen pro Jahr rund 2,8 Milliarden Einwegbecher, deren Produktion 1,5 Milliarden Liter Wasser und 22 000 Tonnen Rohöl brauche. Kommunen beklagen Müllberge, weil Becher achtlos weggeworfen werden.

Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) will den Verbrauch nun mit Bäckereien, Tankstellen, Gaststätten, Kammern und Kommunen eindämmen. Eine Idee, die zur Diskussion steht: Betriebe sollen freiwillig einen Preisnachlass von mindestens zehn Cent je Heißgetränk gewähren, wenn Kunden ihren eigenen Mehrwegbecher mitbringen und auffüllen lassen. Staatssekretär Thomas Griese sagt: „Wir wollen Einwegbechern den Kampf ansagen und hoffen auf einen Kulturwandel.“ Als Vorbild diene Hessen: 150 Unternehmen mit 4000 Filialen beteiligen sich dort an einem solchen Becherbonus, von lokalen Cafés bis zu großen Ketten.

Kevin Gläser, Umweltexperte der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier, sagt: „Die Initiative greift den Trend auf, dass Verbraucher immer mehr Wert auf Umweltbewusstsein legen.“ Marianne Stürmer von der Bäcker-Innung Trier-Saarburg warnt vor zusätzlichem Aufwand, da Hygienevorschriften hoch seien. Der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft rät Betrieben in einem Schreiben, die Sauberkeit der mitgebrachten Becher zu untersuchen und  sie nicht in die Nähe verderblicher Waren zu stellen. Betrieben steht es bereits jetzt frei, Kaffee in mitgebrachte Becher zu füllen. „Wir machen das in Mehring, schauen aber vorher immer, ob der Becher sauber ist“, sagt Stürmer.

Denn in Teilen der Bevölkerung wächst der Wunsch, von Einweg abzukehren. In Trier durften Bürger zuletzt Vorschläge für eine nachhaltige Stadt einreichen. Ein Wunsch, der einging: Trier soll ein Mehrwegbecher-System schaffen, das in Gastronomie, Mensen, Getränkeautomaten genutzt werden soll. Die Ideengeber rechnen vor, dass die Trierer jährlich 3,7 Millionen Einwegbecher in den Müll werfen. Die Entwicklungsagentur in Bernkastel-Kues hat bereits stadteigene Mehrwegbecher mit dem Aufdruck „Bks to go“ auf dem Markt. 500 sind verkauft, 16 Betriebe erlassen diesen Kunden 30 Cent je Heißgetränk, sagt Geschäftsführerin Bianca Waters.

Gereon Haumann vom rheinland-pfälzischen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) pocht dagegen auf eine landesweite Kampagne für bewusstes Genießen. „Es ist ein Verfall der Sitten, dass wir immer mehr zwischen Tür und Angel machen und Geselligkeit vernachlässigen“, wettert er. Der rheinland-pfälzische Grünen-Fraktionschef, Bernhard Braun, der im TV-Sommerinterview über Landespolitik spricht, ist dagegen für den Becherbonus und ein Plastiktütenverbot.

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