Rheinland-Pfalz: Wechselt Uwe Junge in den AfD-Bundesvorstand und hört als AfD-Landeschef auf?

Kostenpflichtiger Inhalt: Landespolitik : Uwe Junge vor Rückzug als AfD-Landeschef?

Parteikreise rechnen damit, dass der 61-Jährige in eine neue Position strebt. Auch ein Nachfolger wird bereits gehandelt.

Bei der rheinland-pfälzischen AfD bahnt sich noch in diesem Jahr ein Machtwechsel an der Spitze an. Parteikreise rechnen fest damit, dass Uwe Junge im Herbst für den AfD-Bundesvorstand antritt. Die Entscheidung habe er mehreren Parteimitgliedern bereits in persönlichen Gesprächen mitgeteilt, sagten AfD-Politiker unabhängig voneinander auf TV-Anfrage. Junge hatte wiederholt angedeutet, im Falle eines Wechsels in den Bundesvorstand seinen Posten als Landeschef aufgeben zu wollen.

Junge wollte sich zu „Spekulationen“ nicht äußern, dementierte die Absichten aber auch nicht. Anfang September wolle er sich zu seiner Zukunft äußern, vorher aber zuerst die Partei einweihen, sagte Junge auf TV-Anfrage. Ursprünglich wollte sich Junge bereits nach den Sommerferien äußern. Hinter den Kulissen wird bereits ein Wunsch-Nachfolger gehandelt: Joachim Paul, der bereits jetzt Vize der Partei und der Fraktion im Mainzer Landtag ist. Dort gilt der 49-jährige Lehrer, der Mitglied der umstrittenen Burschenschaft der „Raczeks“ ist, als maßgeblicher Ideengeber.

Der Bundesparteitag ist Ende November. Junge, der sich zuletzt vom Thüringer Spitzenkandidaten Björn Höcke distanziert hat, gilt als Kandidat für einen Stellvertreter-Posten. Da die Landespartei bereits zwei Wochen zuvor einen neuen Vorstand wählt, muss Junge weit vor dem Bundesparteitag Farbe bekennen, wohin sein Weg führt. Aus Parteikreisen heißt es, es werde langsam Zeit für ein öffentliches Bekenntnis.

Im Mainzer Landtag hat Junge in den eigenen Reihen zuletzt an Rückhalt eingebüßt: Die Wiederwahl zum Fraktionschef überstand er im Herbst 2018 nur hauchdünn. Bereits am Mittwoch entscheidet die Fraktion über einen Antrag der AfD-Landtagsabgeordneten Gabriele Bublies-Leifert, Junge abzuwählen. Sie kritisiert einen Tweet von Uwe Junge, der nach der Ernennung von Annegret Kramp-Karrenbauer zur Verteidigungsministerin geschrieben hatte: „Wann kommt endlich der Aufstand der #Generale?“ Damit sei eine rote Linie überschritten, sagt Bublies-Leifert. Sie wirft dem Landeschef auch vor, Aufträge an eine Security-Firma vergeben zu haben, die ein Ex-NPD-Mitglied beschäftige.

Junge sagt wiederum, besagter Mitarbeiter habe sein Vertrauen, ein Aussteigerprogramm durchlaufen und sei unmittelbar aus der AfD ausgetreten, nachdem er die zunächst verheimlichte Ex-Mitgliedschaft in der NPD gebeichtet habe. Der 61-Jährige zählt wiederum Bublies-Leifert zum „Narrensaum“ des völkischen AfD-Flügels. Aus der Partei heißt es, Bublies-Leifert werde für ihren Antrag keine Mehrheit finden.

Die Abgeordnete droht, aus der Fraktion auszutreten, falls Uwe Junge Chef bleibt. Im Landtag wäre sie damit die zweite fraktionslose Abgeordnete nach Jens Ahnemüller. Den Konzer hat die AfD-Fraktion wegen Kontakten zum Ex-NPD-Landesvize Sascha Wagner rausgeworfen.

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