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Aus droht 2018
Diese Dorfschulen will das Land in der Region Trier schließen (Update)

Ein paar Schulen der Region müssen bald geräumt werden.
Ein paar Schulen der Region müssen bald geräumt werden. FOTO: Jens Kalaene / dpa
Mainz/Oberkail/Schöndorf/Wintrich. Zehn Dorfschulen in Rheinland-Pfalz stehen vor dem Aus, weil sie zu klein sind. Das teilte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) in Mainz mit. Betroffen sind auch regionale Schulen in Schöndorf, Wintrich und Oberkail. Von Florian Schlecht
Florian Schlecht

41 kleine Grundschulen standen in Rheinland-Pfalz auf der Kippe, in zehn davon strömen schon bald voraussichtlich keine Kinder mehr. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) teilte am Donnerstag in Mainz mit, dass für diese Schulen keine Ausnahmegründe vorliegen, diese länger zu erhalten, weil sie zu klein sind. Wahrscheinlich zum Schuljahr 2018/19 könnten diese bereits schließen. Betroffen sind in der Region Trier die Schulen in Schöndorf (Verbandsgemeinde Ruwer), Wintrich (Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues) und Oberkail (Verbandsgemeinde Bitburger Land). Landesweit geschlossen werden sollen noch die Schulen in Reifferscheid, Lieg, Frankenstein, Pünderich, Kirchen Michael und Bingen-Gaulsheim. Bereits dicht ist die Grundschule in Klotten, die mit sechs Schülern die kleinste Dorfschule des Landes war.

Aufatmen dürfen dagegen Kinder, Eltern und Lehrer an Schulen, deren Existenz im Raum Trier ebenfalls aus dem Spiel standen. Trittenheim, Greimerath, der Standort Auw der Grundschule Bleialf, Preist, Karlshausen, Malborn, Morbach-Haag, Heidenburg, Monzelfeld, Neroth und Wallenborn bleiben demnach bestehen. In ganz Rheinland-Pfalz konnten gut 30 Schulen Ausnahmen geltend machen, obwohl sie nur höchstens zwei Klassen haben und damit weniger als im Schulgesetz vorgesehen. Ausnahmen seien die Entwicklung der Schülerzahlen in den kommenden Jahren, die Entfernung zur nächsten Schule, der Elternwille und die Frage, ob eine aufnehmende Grundschule in der Nähe die nötigen Kapazitäten habe und nicht anbauen müsse.

Alle Schulen seien am Vormittag von der Entscheidung in Kenntnis gesetzt worden, teilte Thomas Linnertz von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier mit. Die ADD werde nun ein förmliches Verfahren einleiten, bei dem der Schulausschuss, der Schulelternbeirat, der Regionalelternbeirat beteiligt werden. Der Bezirkspersonalrat darf mitbestimmen, das letzte Wort könnte am Ende aber doch das Land haben. Den Schulen, die schließen müssten, werde die ADD Vorschläge machen, in welcher benachbarten Schule die Kinder aufgenommen werden. 209 Schüler sind nach Aussage von Ministerin Hubig betroffen. Das seien 0,15 Prozent aller Grundschüler in Rheinland-Pfalz. Dem Land bleibe ein dichtes Netz an Grundschulen erhalten, einen Kahlschlag gebe es nicht.

Nach dem Schulgesetz müsste jede Schule streng genommen eine Klasse pro Jahrgangsstufe haben. Das Land hat die Dorfschulen geprüft, die höchstens zwei Klassen haben. Von Ende Januar bis Ende September hatten die Schulträger die Möglichkeit, ein Konzept vorzulegen, warum sie erhalten bleiben sollen. Hubig sagt, sie rechne nach der Entscheidung mit Gegenwind. „Ich erwarte nicht, dass diejenigen, deren Schulen schließen, begeistert sind.“ Die Landtagsabgeordneten wurden am Donnerstag zunächst im Bildungsausschuss informiert.

Regionalelternsprecher Reiner Schladweiler sagte dem TV: „Jede Dorfschule, die schließen muss, ist eine zu viel.“ Der Kampf sei noch nicht vorbei. Er fordert das Ministerium auf, die Regionalelternsprecher nun in beratender Funktion einzubinden. Das sei versprochen worden, bislang aber nicht geschehen. Schladweiler kündigt an: „Wir bereiten unseren nächsten Schachzug vor.“

Große Enttäuschung herrscht an den Standorten vor, deren Schulen geschlossen werden sollen. Josef Junk, Bürgermeister der VG Bitburger Land, sagt: „Wir bedauern das natürlich sehr, dass ausgerechnet bei uns die Schule in Oberkail geschlossen werden soll. Wir sind enttäuscht. Aber wir kennen die Gründe noch nicht, warum unser Konzept abgelehnt wurde.“ Dirk Kessler, Ortsbürgermeister von Wintrich, klagt: „Zum einen reden die Politiker davon, den ländlichen Raum zu stärken, zum anderen wird alles unternommen, um den ländlichen Raum zu schwächen. Ich bin erschrocken, dass die SPD als Partei der kleinen Leute, die Anliegen der kleinen Leute ignoriert.“ Dass die Grundschule Schöndorf (Kreis Trier-Saarburg) nicht erhalten werden soll, ist für Josef Kruft (FWG), Beigeordneter der Verbandsgemeinde Ruwer, eine „große Enttäuschung“. Er ist überrascht, dass die Entscheidung gefallen ist, ohne den Schulträger noch einmal anzuhören. Die ADD habe angekündigt, dass sie vorher noch zu einem Gespräch einladen wolle. „Wir müssen das erst einmal so hinnehmen und das weitere Vorgehen prüfen“, so der Beigeordnete.

Kritik setzte es auch aus der Landespolitik. Die CDU-Landtagsabgeordnete Anke Beilstein sagt, das Land zerschlage bewusst gewachsene Strukturen. Für betroffene Dörfer werde es nun schwerer, für Neuansiedlungen attraktiv zu bleiben. AfD-Politiker Joachim Paul spricht von einem „falschen Signal“. An den Schulen hätten Ergebnisse, Zufriedenheit der Eltern und Stärkung der ländlichen Räume gestimmt. Gerhard Bold von der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE) fordert das Land auf, die Schulträger über die Zukunft entscheiden zu lassen. Immerhin seien Streichungen eingedämmt worden. Klaus-Peter Hammer von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sagt, das Land habe moderat entschieden, müsse Betroffene nun aber auf dem weiteren Weg mitnehmen.

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