Rheinland-Pfalz wird zum Land der Riesenräder

Rheinland-Pfalz wird zum Land der Riesenräder

In der Region geht der Ausbau erneuerbarer Energien voran: Im Hochwald sind Pachtverträge für ein Mega-Windkraftprojekt unterzeichnet worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel sorgt sich, ob die Energiewende bezahlbar bleibt. Die Landesregierung aber will auf jeden Fall weitermachen und das Tempo nicht drosseln.

30 Windräder, 147 Millionen Euro Investition, genügend Strom für eine 200.?000-Einwohner-Stadt und sichere Pachteinnahmen: Kommunalpolitiker haben am Montag die Pachtverträge für ein Mega-Windkraftprojekt bei Hermeskeil im Hochwald unterzeichnet - eines der größten im deutschen Binnenland. Auch zahlreiche andere Gemeinden der Region würden lieber heute als morgen den Startschuss für neue Windparks geben.

Doch gibt es Gegenwind. Und zwar nicht nur in Hunsrück und Eifel, wo mancher eine "Verspargelung der Landschaft" fürchtet. Sondern aus Berlin: Während der Reinsfelder Ortsbürgermeister von einem Meilenstein sprach, forderte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) die Bundesländer gestern auf, das Tempo ihres Windenergieausbaus zu drosseln. Der Bau von Windrädern müsse auf ein vernünftiges Maß zurückgeführt werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprang ihm bei. "Unser Problem ist die Bezahlbarkeit, weil die erneuerbaren Energien subventioniert werden müssen", sagte Merkel. Die Ausbauziele der Länder lägen bis zu 70 Prozent über dem Bedarf.

Auch Rheinland-Pfalz gibt sich nicht mit den Bundeszielen zufrieden. Statt 30 Prozent will das Land bis 2030 100 Prozent seines Strombedarfs aus erneuerbaren Energien decken. Den Löwenanteil soll die Windkraft liefern, die - so der Plan - künftig auch im Wald zulässig ist. Aussichten, die für Goldgräberstimmung sorgen, von der selbst Kleinstgemeinden erfasst werden.

433 Windräder in der Region

Schon jetzt drehen sich in der Region Trier 433 Windräder. Und für noch einmal so viele werden derzeit die Voraussetzungen geschaffen. Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) hält an ihren Plänen fest. Über die Akzeptanz eines Ausbaus entscheide wesentlich der kluge Umgang mit der Flächenwahl, sagt die Ministerin: "Wer nur auf die Bremse tritt, der kommt nicht voran."

Vielen geht es allerdings nicht schnell genug. Denn obwohl - wie im Hunsrück - bereits fleißig Verträge unterzeichnet werden, fehlt derzeit die raumplanerische Grundlage. Zwar hat das Land Anfang des Jahres angekündigt, Windkraft im Wald zuzulassen und den Kommunen mehr Freiheiten zu geben. Doch rechtskräftig ist das neue Landesentwicklungsprogramm nicht. Rund 1000 Stellungnahmen wurden abgegeben - vielfach Kritik.

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