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Ring gehört nun Viktor Charitonin statt Robertino Wild

Ring gehört nun Viktor Charitonin statt Robertino Wild

Erneut Aufregung am Nürburgring: Pünktlich zum Ende der Zahlungsfrist tritt ein reicher Russe auf den Plan und bezahlt die fällige Rate von fünf Millionen Euro. Statt Capricorn-Chef Robertino Wild hat nun Pharmaboss Viktor Charitonin am Ring das Sagen.

Robertino Wild wirkte in den vergangenen Wochen wie jemand, der den Boden unter den Füßen zu verlieren drohte. Der Düsseldorfer Unternehmenschef sah sich nur noch von Feinden und Missgünstigen umringt, fühlte sich verkauft und verraten. Seit bekannt war, dass er Probleme hatte, die zweite Ring-Kaufrate zu bezahlen, und eine Kunstsammlung doppelt belieh, sank sein Stern mit Lichtgeschwindigkeit. Der war erst im März aufgegangen, als der Capricorn-Chef als strahlender Sieger aus einem packenden Bieterrennen hervorgegangen war. Ein tiefer Fall. Nun hat er das kurze Kapitel Nürburgring nach gut einem Jahr zu schließen. Seine Anteile an Rennstrecke und Freizeitkomplex in der Eifel muss er an den russischen Pharmaunternehmer, Multimillionär, vielleicht sogar Milliardär Viktor Charitonin abgeben. Dessen Nürburgring Holding AG hat künftig die Mehrheit in der Capricorn Nürburgring Besitzgesellschaft mbH (CNBG), der eigentlichen Käuferin.

Den Deal mit dem 41-jährigen Oligarchen fädelte angeblich noch Wild selbst ein. Andere sehen in dem einstigen Geschäftspartner und zwischenzeitlichen Konkurrenten Axel Heinemann den Drahtzieher. Spannend dürfte sein, wer hier wem ein letztes Schnippchen geschlagen hat. Denn beide suchten fieberhaft parallel nach einer Lösung.

Ob die Geschäftsverbindung Wild-Charitonin über den Nürburgring hinausreicht, bewegt sich im Spekulativen. Aber es könnte durchaus in der Logik eines solchen Vorgangs liegen, dass der Düsseldorfer Autozulieferer einen neuen strategischen Partner gefunden hat, um das Geschäft der gesamten Unternehmensgruppe zu stabilisieren. Immerhin hat der Capricorn-Chef noch eine halbwegs gesichtswahrende Lösung herausgehandelt. Gegenüber der Rheinischen Post erklärte er, er werde als Geschäftsführer der weiter bestehenden Besitzgesellschaft und der neuen russischen Holding eine aktive Rolle spielen.

Andere Quellen gehen davon aus, dass seine Position bescheidener ausfällt, eher symbolischer Natur sein wird. In jedem Fall ist Wild mit der Hightech-Firma Capricorn Composite GmbH weiter am Ring präsent.

Doch warum ist Wild an dem Eifelkurs gescheitert? Allgemeiner Konsens ist inzwischen, dass er sich mit der 77-Millionen-Euro-Investition übernommen hat. Angeblich sollen Geschäfte in seiner verschlungenen Firmengruppe geplatzt sein, die ihm die nötige Liquidität für den Ring beschert hätten. Andere Stimmen reden davon, Wild habe es versäumt, sich auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren und überflüssige Firmenteile sowie Privatvermögen rechtzeitig zu Geld zu machen, um das Mammutprojekt Ring stemmen zu können. Er habe sich einfach nicht trennen können, wird erzählt.

Eine weitere Quelle gibt an, der Unternehmer habe darauf gehofft, von den Insolvenzverwaltern über Wasser gehalten zu werden. Angeblich soll er zudem geglaubt haben, dass die Marke Nürburgring das Geschäft seiner gesamten Firmengruppe kräftig ankurbeln würde. In diesem Falle wären die ausstehenden Kaufraten keine so große Hürde gewesen. Die Wahrheit liegt vielleicht irgendwo zwischen all diesen Sichtweisen.

Charitonin, Aufsichtsratschef und Großaktionär des Unternehmens Pharmstandard, sowie seine Mitinvestoren haben nicht nur die beiden ausstehenden Kaufraten von jeweils fünf Millionen Euro bezahlt. Sie haben auch signalisiert, dass der 45Millionen-Kredit für sie unproblematisch ist, heißt es im Umfeld der Insolvenzverwalter. Mehr noch: Sie wollen nach Informationen unserer Zeitung bis Ende des Jahres weitere zehn Millionen Euro in die Capricorn Nürburgring Besitzgesellschaft mbH (CNBG) stecken. Die Summe soll zum Teil direkt an die Capricorn Nürburgring GmbH (CNG), die Betreibergesellschaft, fließen. Damit käme sie dem operativen Geschäft zugute. Die CNG übernimmt bekanntlich am 1. Januar 2015 die Geschäfte am Nürburgring.

CNG-Geschäftsführer Carsten Schumacher bleibt offenbar im Amt. Der geradlinige Norddeutsche hat sich einen guten Ruf am Ring erarbeitet. Viktor Charitonin wird zwar als autoaffin beschrieben, hat aber noch nie eine Rennstrecke besessen oder gar betrieben. Inzwischen soll der Oligarch immerhin mal am Nürburgring gewesen sein. KURZPORTRÄT

Viktor Charitonin gilt als einer der einflussreichsten Männer in der russischen Pharmaindustrie und öffentlichkeitsscheuer Geschäftsmann mit engsten Verbindungen zur Machtelite. 1972 in Nowosibirsk geboren, kam er nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion als Unternehmer rasch zu Reichtum. Der Familienvater arbeitete Moskauer Medien zufolge lange mit dem prominenten Oligarchen Roman Abramowitsch zusammen. Die Pharmstandard-Holding, an der er als Hauptaktionär 38 Prozent der Anteile hält, gilt als führender Arzneimittelproduzent in Russland. Das Wirtschaftsmagazin Forbes führte Charitonin 2013 auf Rang 52 der reichsten Russen mit einem geschätzten Vermögen von einer Milliarde US-Dollar. dpa