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Ring-Verkaufsgegner rüsten zum Kampf: Sprecher der Bewegung Wir sind Nürburgring fordert Dreyer zu Gesprächen auf

Ring-Verkaufsgegner rüsten zum Kampf: Sprecher der Bewegung Wir sind Nürburgring fordert Dreyer zu Gesprächen auf

Die Kritiker des Nürburgring-Verkaufs machen mobil. Sie wollen ihrem Zorn nächsten Samstag beim SPD-Landesparteitag Ausdruck verleihen. "Jetzt ist Schluss mit lustig!", sagt Werner Lenhard, Sprecher der Bewegung Wir sind Nürburgring, im TV-Interview.

Mainz. Als er drei Jahre alt war, hat ihn sein Vater zum ersten Mal zum legendären Nürburgring mitgenommen. Jetzt ist Werner Lenhard 52 - und mächtig sauer über all das, was in den vergangenen Jahren am Ring passiert ist. Er ist Sprecher der im Dezember 2013 gegründeten Bewegung Wir sind Nürburgring, die mittlerweile bundesweit 13 400 Mitglieder hat, und gehört auch dem Verein Ja zum Nürburgring an. Man werde den Regierenden ihre Politik nicht durchgehen lassen, droht Lenhard im Interview mit TV-Redakteur Frank Giarra.

Herr Lenhard, Ministerpräsidentin Malu Dreyer hofft, dass am Nürburgring Ruhe einkehrt. Dieser sei privatisiert, man habe kaum Einfluss. Wie sehen Sie das?
Werner Lenhard: Natürlich hat die Landesregierung auf den Verkaufsprozess Einfluss genommen und immer noch ihre Hand im Spiel, das kann sie abstreiten, wie sie will. Das ist nur eine Schutzbehauptung. Frau Dreyer kann über die Förderbank ISB, eine 100-Prozent-Tochter des Landes, Einfluss nehmen.

Der Ring ist aber verkauft.
Lenhard: Wir sehen den Verkauf noch nicht in trockenen Tüchern. Nächste Woche tagt der Gläubigerausschuss, der Mitte März bei der Verkaufsentscheidung überfahren worden ist. Dort herrscht sehr starker Unmut.

Die NR Holding AG mit dem russischen Oligarchen Viktor Charitonin hat doch bereits zwei Drittel der Gesellschaftsanteile der Ring-Besitzgesellschaft übernommen und bezahlt ...
Lenhard: Es ist völlig undurchschaubar, wer den Ring wirklich kaufen will. Wir glauben, dass der angebliche Oligarch in Wahrheit ein russisches Konsortium ist. Das lehnen wir ab.

Sie wollen also den Verkauf noch verhindern?
Lenhard: Wir meinen, dass nicht verkauft werden muss. Man kann die Rennstrecken vom Kirmesbetrieb mit Boulevard und Achterbahn trennen. Sie erwirtschaften ein Plus, damit können sie unterhalten und gepflegt werden. Die Strecken gehören nicht in private Hände, das vernichtet den ursprünglichen Zweck des Nürburgrings als Motor für die strukturschwache Region und den Breitensport.
Gäbe es aus Ihrer Sicht Alternativen zum Verkauf?
Lenhard: Wenn man die Rennstrecken herauslöst, kann man sie in eine Stiftung einbringen. Im Januar waren wir bei der Ministerpräsidentin. Frau Dreyer hat uns versprochen, dass wir uns noch einmal an einen Tisch setzen, wenn es Probleme beim Verkauf gibt. Wir fordern sie auf, dieses Versprechen jetzt einzulösen.

Die Insolvenzverwalter sagen, ihnen sei keine Stiftung bekannt, die sich jemals um ein Investment am Nürburgring beworben hätte.
Lenhard: Die Insolvenzverwalter behaupten viel, wenn der Tag lang ist. Fakt ist: Die Stiftung steht. Frau Dreyer müsste nur mit dem Finger schnippen. Das ist schriftlich belegbar.

Die Ministerpräsidentin hat Konsequenzen aus der Nürburgring-Affäre gezogen und ihr Kabinett drastisch umgebaut. Wie bewerten Sie das?
Lenhard: Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Politiker wie Innenminister Roger Lewentz, der seit Jahren in der Verantwortung steht, und der neue Staatskanzlei-Chef Clemens Hoch, der im Untersuchungsausschuss des Landtags geholfen hat, die wahren Tatsachen zu verschleiern, sind immer noch da.

Was wollen Sie tun?
Lenhard: Wir werden am kommenden Samstag beim SPD-Landesparteitag in Mainz aufmarschieren und heftig protestieren. Danach gibt es einen Autokorso. Bislang haben wir sehr viele Zusagen. Die Plakatierung ist gerade angelaufen.Extra

Werner Lenhard (52) ist von Beruf Chauffeur und wohnt in Bonn. Er ist Sprecher der Bewegung Wir sind Nürburgring und Mitglied des Vereins Ja zum Nürburgring, die eng kooperieren.fcg