Risiko zu groß

TRIER. (DiL) Umsonst verhandelt: Das Verfahren gegen den Arzt Wolfgang S. wegen Abrechnungsbetrugs in 1700 Fällen ist geplatzt, weil der Angeklagte seit Anfang März nicht mehr auffindbar ist. Nach elf Verhandlungstagen beschloss die 3. große Strafkammer beim Trierer Landgericht, den Prozess abzubrechen.

Exakt um 16.20 Uhr bat der Vorsitzende Richter Björn Schlottmann den Saalwachtmeister zum symbolischen Akt:: Er ließ ein letztes Mal lautstark die "Beteiligten am Prozess Dr. S." ausrufen - wie so oft in letzter Zeit vergeblich. Dann nahm die Kammer den Beschluss zu Protokoll, das Verfahren zu beenden und für den Fall des Auffindens des Angeklagten neu aufzurollen. Juristisch wäre eine Fortsetzung des Prozesses in Abwesenheit von S. möglich, allerdings mit erheblichem Risiko. Das Gericht hätte über Monate hunderte von Zeugen vernehmen müssen, ohne zu wissen, ob das Verfahren tatsächlich zu einem Abschluss kommt. Wäre S. etwa am Ende des Prozesses wieder aufgetaucht, hätte er womöglich eine neue Einvernahme der Zeugen verlangen können. Angesichts dieser Unwägbarkeiten entschloss sich die Kammer nun, lieber die bisherigen Verhandlungstage in den Wind zu schreiben. Sie müssen bei einer Neuauflage wiederholt werden. Das sei "eine Frage der Verhältnismäßigkeit", sagte Richter Schlottmann. Der angeklagte Neurochirurg hatte sich die Tatsache zu Nutze gemacht, dass er nicht in Untersuchungshaft saß und das Gericht als freier Mann betreten konnte. Sein Mandant habe ihm im März mitgeteilt, dass er sich in Belgien einer dringenden Operation unterziehen müsse, erklärte der Anwalt von Dr. S. gegenüber dem TV . Zunächst habe es weitere Kontakte gegeben, aber seit drei Wochen habe er nichts mehr von ihm gehört. Die Staatsanwaltschaft hat den Flüchtigen zur Fahndung ausgeschrieben.

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