1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Risikoreicher Griff zur Flasche

Risikoreicher Griff zur Flasche

MAINZ. Schäden an Leber oder Bauchspeicheldrüse, aber auch massive psychische Erkrankungen sind häufig die fatalen Folgen von Alkoholmissbrauch. Im vergangenen Jahr forderte der Alkohol in Rheinland-Pfalz im Schnitt täglich zwei Menschenleben – nicht eingerechnet die Unfälle unter Beteiligung von Promillesündern.

Die Zahlen sind alarmierend: 519 Männer und 173 Frauen starben 2004 landesweit an Erkrankungen, die eindeutig auf übermäßigen Alkoholkonsum zurückzuführen sind. Die Dunkelziffer der "Alkoholopfer" liege wohl deutlich höher, sagt Gerd Reh vom Statistischen Landesamt. Denn dort werden nur Fälle registriert, in denen eine unmittelbare Verbindung abzuleiten ist. Im Schnitt starben die Betroffenen mit 58 Jahren. Rund fünf Prozent erlagen ihrem Alkoholleiden noch vor dem vierzigsten Lebensjahr. Laut einer repräsentativen Erhebung des Gesundheitsministeriums konsumiert jeder Rheinland-Pfälzer im Durchschnitt pro Jahr 6,5 Liter reinen Alkohol, wobei Männern 9,1 und Frauen 3,8 Liter zugerechnet werden. Die Zahl der Alkoholabhängigen wird landesweit auf rund 80 000 geschätzt. Mehr als 300 000 seien gefährdet."Das hat alles extremere Ausmaße als früher"

"Tückisch" am Griff zu Glas oder Flasche ist aus Sicht von Rudolf Barth, Suchtreferent der Caritas in Trier, der fließende Übergang vom Genusskonsum zu Sucht und Abhängigkeit. "Eine Gratwanderung, die manche meistern, aber eben nicht alle", so der Berater. Der Alkoholkonsum hat sich aus seiner Sicht auf hohem Niveau stabilisiert. Bei Jugendlichen ist er nach seiner Erfahrung zwar etwas zurückgegangen, "doch die, die konsumieren, trinken mehr". Obwohl die Alcopop-Welle abgeebbt ist, gibt es für Barth keine Anzeichen für Entwarnung. Das Berauschen hat für Jugendliche große Bedeutung bei so genannten Events. "Das hat alles extremere Ausmaße als früher", ist der Suchtberater sicher. Nach einer Erhebung des Mainzer Gesundheitsministeriums unter 1000 repräsentativ ausgesuchten Rheinland-Pfälzern wurde zwar bei knapp 80 Prozent der Befragten der Alkoholkonsum als "risikoarm" eingestuft, bei jedem zehnten jedoch als "riskant" und bei mehr als vier Prozent als "gefährlich". Betroffen sind zwar in erster Linie Männer, wobei allerdings schon Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren auf dem Niveau älterer Geschlechtsgenossen liegen. Die Grenze für einen risikoarmen, aber keinesfalls risikofreien Alkoholgenuss werden von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen mit bis zu 20 Gramm pro Tag bei Frauen und 30 Gramm bei Männern angegeben, die den Alkohol besser abbauen. Dies entspricht bei Frauen einem Glas Wein (0,2 Liter) oder zwei kleinen Gläsern Bier (0,25 l) und bei Männern 1,5 Gläsern Wein oder drei Gläsern Bier. Andere Studien sehen bei bestimmten Krankheiten bereits ein Risiko ab zehn und 20 Gramm. Wenigstens zwei Tage pro Woche sollten alkoholfrei sein.