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RLP: Corona-Infizierte ohne Symptome dürfen zur Arbeit gehen

Pandemie : Corona-Infizierte ohne Symptome dürfen arbeiten gehen - Das sind die Regeln in Rheinland-Pfalz

Unternehmen in der Region begrüßen die sogenannte Arbeitsquarantäne. Der Personalausfall in Kliniken soll damit reduziert werden. Positiv Getestete sollen sich freiwillig isolieren.

Corona-Infizierte sollen sich künftig freiwillig isolieren. Eine Anordnung des Gesundheitsamtes soll es nach einem positiven Test nicht mehr geben. Und: Die Isolation soll von derzeit mindestens sieben auf fünf Tage reduziert werden. Empfohlen werden soll, freiwillig Kontakte zu reduzieren und – beginnend nach fünf Tagen – wiederholt Tests oder Selbsttests zu machen. Das sieht ein Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und des Robert Koch-Instituts vor. Hintergrund ist, angesichts vieler Infektionen Personalausfälle vor allem in wichtigen Versorgungsbereichen zu vermeiden.

Daher hat die Landesregierung beschlossen, dass symptomfreie Infizierte in Absprache mit ihrem Arbeitgeber weiterhin arbeiten gehen dürfen. Um das umzusetzen, soll es eine sogenannte Arbeitsquarantäne geben. Laut rheinland-pfälzischem Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) würden dafür strenge Maßnahmen gelten, wie etwa eine FFP2-Maskenpflicht. Die Arbeitsquarantäne soll auch für Beschäftigte in Kliniken gelten. So könne leichter auch die Versorgung von infizierten Patientinnen und Patienten durch infiziertes, aber nicht erkranktes Personal sichergestellt werden, sagte Hoch. „Unser Ziel ist es, dass wir einen Umgang mit dem Virus finden, der sich in die Richtung entwickelt, dass Menschen mit Symptomen möglichst Begegnungen vermeiden und jene, die symptomfrei sind wieder an die Arbeitsstätte zurückkehren können.“

IHK begrüßt Pläne für Arbeitsquarantäne in Rheinland-Pfalz

Bei der Industrie- und Handelskammer Trier kommt die neue Arbeitsquarantäne gut an. „Das ist ein pragmatischer Ansatz zur richtigen Zeit“, sagt Hauptgeschäftsführer Jan Glockauer. In den vergangenen Tagen hätten sich viele Betriebe gemeldet, die ihre Produktion deutlich reduzieren oder gar einstellen mussten, „da sich teilweise über 50 Prozent der Belegschaft in häuslicher Quarantäne befindet“. Wichtig sei ihm aber auch, dass es sich um eine Kann-Regelung halte. Betriebe und Belegschaft hätten mit zwei Jahren genug Corona-Erfahrung gesammelt, um eine gute Lösung zu finden.

Ähnlich argumentiert auch der Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen Gemeinde- und Städtebundes, Karl-Heinz Frieden. Die Vielzahl der durch Quarantäne bedingten Ausfälle gefährde zunehmend auch die Funktionsfähigkeit der Verwaltung. Daher sei die Arbeitsquarantäne neben dem Arbeiten im Homeoffice bei einem positiven Test ein „sinnvoller weiterer Baustein“. Arbeitsquarantäne sei aber nicht für jeden Arbeitsplatz eine Option. „Dort, wo es beispielsweise in den Verwaltungen zu viel Kundenkontakt in geschlossenen Räumen kommt, sollte genau geprüft werden, ob die sonstigen Schutzmaßnahmen ausreichend sind“, sagte Frieden unserer Redaktion.

Skepsis im Trierer Brüderkrankenhaus

Im Trierer Brüderkrankenhaus geht man nicht davon aus, dass die Arbeitsquarantäne tatsächlich zu Entlastungen führt. Zwar könne es zur Aufrechterhaltung des Krankenhausbetriebes sinnvoll sein, dass symptomlose infizierte Mitarbeiter mit FFP2-Maske arbeiteten, sagt eine Klinik-Sprecherin. „Allerdings haben die meisten positiv getesteten Personen auch typische Symptome und fühlen sich krank.“ Auch die generelle Verkürzung der Isolationszeit sieht man im Brüderkrankenhaus kritisch. Dadurch steige deutlich das Risiko, dass auch infizierte Personen am Arbeitsplatz erschienen. „Somit würden die Infektionszahlen nochmals deutlich ansteigen und die Verkürzung der Quarantänezeit der Turbo hierfür sein“, so die Kliniksprecherin.

Im Saarburger Krankenhaus sieht man die geplante Arbeitsquarantäne weniger kritisch. „Wenn Mitarbeiter nicht krankgeschrieben sind, sich selbst als symptomfrei und arbeitsfähig einschätzen, dann sollten sie zur Entlastung der Kollegen und zur Sicherstellung einer adäquaten Patientenversorgung auch zur Arbeit kommen“, sagt Verwaltungsdirektor Matthias Gehlen. Da die Hygieneschutzmaßnahmen im Kreiskrankenhaus Saarburg sehr strikt seien, alle Mitarbeitenden sowieso FFP2- Maske tragen und sich regelmäßig testen müssten, halte man die Regelung für umsetzbar.