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RLP: Hohe Klimaschäden in den Wäldern

Umwelt : Mehr als 80 Prozent der Bäume haben Schäden: „Der Wald ist klimakrank“

Trockenheit, Hitze und Schädlingsbefall: Die Wälder in Rheinland-Pfalz haben sich in diesem Jahr kaum erholt. Das zeigt der neue Waldzustandsbericht. „Der Wald ist klimakrank“, sagt Umweltministerin Katrin Eder. Ein Brennpunkt liegt im Hunsrück.

Die Diagnose ist wieder einmal eindeutig: „Der Wald ist klimakrank.“ Mit dieser Kurzzusammenfassung beginnt die rheinland-pfälzische Klimaschutz- und Umweltministerin Katrin Eder (Grüne) die Pressekonferenz zur Vorstellung des diesjährigen Waldzustandsberichts. Der Report liefere ein „weiteres Mosaiksteinchen in dem sich auftürmenden Berg an Mahnmalen, wenn wir über den Klimawandel reden“, sagt die Ministerin in Mainz. Sie erinnert daran, wie die Dürre in diesem Jahr dem Wald und uns allen zugesetzt habe – „wieder einmal“, so Eder.

Die Ergebnisse des Waldzustandsberichts sehen wie folgt aus: Insgesamt sind nur 19 Prozent aller Bäume in Rheinland-Pfalz ohne Schadmerkmale. 81 Prozent weisen Schädigungen durch Trockenheit oder Krankheitsbefall auf. Die durch die Auswirkungen der Klimakrise sowie Luftschadtstoffe ohnehin schon geschwächten Bäume könnten Krankheits- und Insektenbefall kaum abwehren. Die Zahl der geschädigten Bäume sei seit 2018 konstant hoch, erklärt die Grünen-Politikerin. Zum Vergleich: 2021 habe die Zahl bei 82 Prozent gelegen, 2017 dagegen bei 73 Prozent, 1984 seien bei über der Hälfte der Bäume keine Krankheitszeichen erkennbar gewesen. Ursache der zunehmenden Schäden sind die Erderwärmung, aber auch Luftschadstoffe wie Stickstoff.

Weitere Krisenparameter: Der Zustand von Buchen und Eichen sei „besorgniserregend“, bei der Eiche seien nur noch an weniger als 7 Prozent keine Schadmerkmale gefunden worden. Und: Seit 2018 müssen rund 40 000 Hektar im Land (das entspricht 2 Prozent der Fläche von Rheinland-Pfalz) wiederbewaldet werden – ein Brennpunkt seien die rechtsrheinischen Gebiete sowie Flächen im Hunsrück.

Einmal im Jahr – von Juli bis August – schauen Forstleute von Landesforsten Rheinland-Pfalz, wie es den Bäumen hierzulande geht. Die Waldhüter untersuchen den Zustand der Baumkronen und der Waldböden. Ihre Ergebnisse geben sie an die Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF). Sie koordiniert die Begutachtung und erstellt seit 1984 den Waldzustandsbericht. Seit 1987 gibt es eine europaweite Erfassung, wie der Leiter der Waldzustandserhebung, Friedrich Engels, erklärt. Für den diesjährigen Report untersuchten die Forstleute in Rheinland-Pfalz 3696 Bäume an 154 über das Land verteilten Orten.

Fehlende Niederschläge machten den Bäumen auch 2022 besonders zu schaffen und schwächten deren Abwehrkräfte gegen Schädlinge wie den Borkenkäfer. Den Insekten fielen weitere 6 Prozent der Fichtenbestände zum Opfer. Wie Engels erläutert, seien in den Jahren 2019, 2020 sowie 2022 an einer Messstation im Pfälzerwald die Bodenwasservorräte ab Juli durchgehend in den Mangelbereich gesunken. Bedeutet: Die Bäume hätten ab Juli unter Dauerstress gestanden. Die Messungen ergaben, dass die Wasservorräte des Bodes nur im relativ feuchten Jahr 2021 ausreichend waren.

Klimaschutzministerin Eder macht deutlich, dass jeder Tropfen Wasser, der im Wald ankommt, nicht nur für die Bäume, sondern für uns alle wichtig sei. Gesunde Wälder bedeuteten mehr sauberes Wasser: „Wälder reinigen unser Trinkwasser, sorgen für Grundwasserneubildung, schützen uns vor Erosion und sind ein wichtiger Bestandteil der Hochwasservorsorge“, sagt die Ministerin.

Vor dem Hintergrund des Klimawandels wollen Landesregierung und Landesforsten den Umbau der rheinland-pfälzischen Wälder weiter vorantreiben, kündigt Eder an. Der Anteil der widerstandsfähigeren Mischwälder liege in den landeseigenen Wäldern bei 82 Prozent. Die Ministerin avisiert außerdem Maßnahmen gegen die klimabedingte Reduzierung der Grundwasserneubildung.

Letztlich gehe es bei der Frage, wie man dem Wald helfen kann, darum, den Klimawandel aufzuhalten, sagt Katrin Eder. Und ergänzt: „Wer den Wald schützen will, muss das Klima schützen.“ Ansonsten bleiben die nächsten Diagnosen zum Zustand der rheinland-pfälzischen Wälder eindeutig – und nicht positiv.