Zu frühes Abitur? „Zunehmende Herausforderungen“: Lehrerverbände fordern längere Schulzeit

Mainz · Seit mehr als 20 Jahren endet in Rheinland-Pfalz die Schulzeit in der Oberstufe mitten im Schuljahr. Lehrerverbände drängen nun auf eine Rückkehr zum alten Modell - mit einem späteren Abiturtermin. Die Bildungsministerin hält davon nichts.

Abiturprüfungen im Januar oder April - darüber streiten Bildungsministerium und Verbände.

Abiturprüfungen im Januar oder April - darüber streiten Bildungsministerium und Verbände.

Foto: dpa/Sina Schuldt

Wenige Wochen nach den Abiturprüfungen in Rheinland-Pfalz fordert die Bildungsgewerkschaft GEW eine längere Schulzeit in der Oberstufe. An den Integrierten Gesamtschulen und auch den Gymnasien wachse seit Jahren die Heterogenität in den Lerngruppen ab der elften Klasse. Deshalb sei mehr Zeit von Nöten, um den Bedürfnissen der Schüler gerecht zu werden, so die GEW. Bereits seit 2001 gilt in Rheinland-Pfalz an den meisten Schulen das vorgezogene Abitur im Januar. An einigen Schulen ist auch das Abitur nach zwölf Jahren möglich - das sogenannte G8-Modell, was viele andere Länder flächendeckend eingeführt hatten.

Gewerkschaft will Umstellung auf volle 13 Jahre

Nach mehr als 20 Jahren habe man dazugelernt und müsse konstatieren, dass die Herausforderungen gestiegen seien, sagte GEW-Landeschef Klaus-Peter Hammer dem Trierischen Volksfreund. Aus pädagogischer Sicht müsse man auf 13 volle Schuljahre umstellen und dürfe nicht grundlos an einer einmal geschaffenen Struktur festhalten.

Bildungsministerin Hubig will an frühem Abi festhalten

Im rheinland-pfälzischen Bildungsministerium scheint man aber entschlossen zu sein, an der alten Struktur mit zwölfeinhalb Jahren festzuhalten. Es gebe derzeit keine Überlegungen, „den Zeitpunkt der Abiturprüfungen zu verändern“, sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) dem Trierischen Volksfreund. „Das vorgezogene Abitur hat sich in Rheinland-Pfalz über viele Jahre bewährt“. Entgegen der Gewerkschaft erklärte Hubig, dass die Rückmeldungen von Schüler- und Lehrerschaft „grundsätzlich positiv“ seien.

Schülervertretung kritisierte mentale Belastung

Die GEW ist allerdings nicht der einzige Verband, der sich für eine längere Schulzeit ausspricht. Der Philologenverband hält das Abitur im Winter für eine schon immer „ganz schlechte Idee“. Eine Rückkehr zum schriftlichen Abitur ab April mit einem echten G9 würde allen Stress ersparen, sagte die Landesvorsitzende Cornelia Schwartz kürzlich. Bereits im vergangenen Jahr hatte sich auch die Landesschüler*innenvertretung in einem Brief an die Bildungsministerin gegen das frühe Abitur ausgesprochen. Das System bringe Prüflinge und Lehrkräfte mental an ihre „absoluten Grenzen“, hieß es darin.

Hubig: Stress gibt es auch bei späterem Abi

Es stehe außer Frage, dass Abitur und Vorbereitungszeit stressige Phasen seien, sagte Hubig unserer Redaktion. „Aber das ist auch bei einem späteren Termin nicht anders.“ Die Möglichkeit, früher ins Berufsleben oder Lebensaktivitäten zu starten, werde nach ihrer Wahrnehmung von jungen Menschen sehr geschätzt, so die SPD-Politikerin.

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