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Rock am Ring hat zwei Väter

Rock am Ring hat zwei Väter

Der Konzertveranstalter Marek Lieberberg besitzt nicht alleine die Rechte an der Marke Rock am Ring. Er dürfe ein Festival mit diesem Namen nicht ohne die Zustimmung der Nürburgring GmbH bewerben oder veranstalten, entschied das Landgericht Koblenz am Montag.


Koblenz/Nürburg. Der Konzertveranstalter Marek Lieberberg erleidet vor dem Koblenzer Landgericht eine Niederlage, die ihm nach eigener Aussage "richtig weh tut": Die Rechte an der legendären Festivalmarke Rock am Ring gehören ihm nicht allein. Wirbt oder veranstaltet er ein neues Festival mit diesem Namen ohne Zustimmung der Nürburgring GmbH, drohen ein Ordnungsgeld von 250 000 Euro oder sechs Monate Haft. Diese Entscheidung verkündete Vorsitzende Richterin Ingrid Metzger im einstweiligen Verfahren.

Damit haben sich die Sanierer der Rennstrecke durchgesetzt, die das letzte Vermögen der insolventen Ring GmbH im Sinne der Steuerzahler so gut wie möglich zu Geld machen müssen. Ob Lieberberg jetzt mit ihnen über den Preis der Namensrechte verhandeln will oder ob er die Berufung am Oberlandesgericht oder bei Richterin Metzger ein Hauptsacheverfahren anstrengen wird, ließ sein Anwalt Matthias Atrott offen. Man wolle erst die schriftliche Urteilsgründung prüfen. Für die Sanierer erklärte Sprecher Pietro Nuvoloni, dass man zu Gesprächen mit Lieberberg bereit ist.

Das in 29 Jahren gewachsene Kultfestival rangiert am Landgericht profan unter der Rubrik Kennzeichenrechtsverletzung mit Aktenzeichen 2 HK O 32/14. Ringsanierer Jens Lieser (Koblenz) hatte gegen Lieberbergs Ankündigung, Rock am Ring künftig anderswo zu veranstalten, eine einstweilige Verfügung beantragt, um dies zu verhindern. Denn der Name am Festival gehöre Lieberberg nicht allein. In der mündlichen Verhandlungen hatte die Richterin beiden Seiten geraten, sich zu einigen. Denn sie seien als gemeinsame Inhaber des geschützten Werktitels "wohl oder übel weiter verbunden". Die Nürburgring GmbH sei von Anfang an Mitveranstalterin des Festivals gewesen, die Partner seien auch stets gemeinsam aufgetreten. Deshalb darf Lieberberg auch nicht mehr behaupten, dass er "ohne Hilfestellung Dritter" seine Vision und Idee verwirklicht habe. Unstreitig ist fürs Gericht nur, dass die Idee von ihm stammte.

Lieberberg reagierte enttäuscht. Er und Millionen von Fans bewerteten die Festival-Geschichte anders. "Mit der Gewissheit, dass die Fans auf unserer Seite sind", will Lieberberg vollmundig "zu neuen Dimensionen" aufbrechen. Dabei ist für ihn das parkartige Gelände in Mönchengladbach "der Favorit unter mehreren potenziellen Standorten" für das neue Festival am ersten Juni-Wochenende 2015. Alternativ schwärmte Lieberberg auch von Mendig/Eifel.

Der Streit war entbrannt, als sich Lieberberg und der neue Ringbesitzer Capricorn nicht auf die Konditionen einer Zusammenarbeit einigten. An der Eifel-Rennstrecke 2015 soll nun das Rockfestival "Grüne Hölle" der Deutschen Entertainment AG (Deag) steigen, ebenfalls Anfang Juni. Dann wird sich zeigen, ob die Treueschwüre von Künstlern halten, allein für Lieberberg auftreten zu wollen.