Roter Teppich und schwarzer Humor

Roter Teppich und schwarzer Humor

TRIER. Der Maju-Medienpreis hat in nur zwei Jahren eine atemberaubendere Karriere gemacht, als sie dem Großteil seiner Preisträger je beschieden sein dürfte. Pünktlich zur Oscar-Nacht erklomm die Trierer Journalisten-Auszeichnung mit der Verleihung des Sonderpreises an den Luxemburgischen Premier Juncker einen einsamen Höhepunkt.

Es dürften gemischte Gefühle gewesen sein, die den prominenten Preisträger auf dem Weg ins entlegene TG-Bistro im Konzer Sportzentrum begleiteten, durch beleuchtungsarme Gassen, vorbei an düsteren Sportanlagen - ein Härtetest für die Findigkeit des Chauffeurs. Wenigstens der rote Teppich, das Dutzend auffällig-unauffälliger Securitykräfte und die grellen Schweinwerfer des Fernsehens verbreiteten einen Moment lang die unter Regierungschefs gewohnte Atmosphäre. Aber spätestens der kühle Gymnastiksaal mit den prägnanten Original-Dekorationstüchern der "Irscher Burgnarren" und der Willkommensgruß durch Gastgeber Ansgar Zender ("Wir begrüßen den Premierminister samt Gattin und Gefolge") dürfte dem europäischen Hoffnungsträger deutlich gemacht haben, dass er einer Preisverleihung durchaus ungewöhnlicher Art beiwohnte. Wahrscheinlicher aber, dass der Polit-Profi schon zuvor Erkundigungen über den nach Einschätzung der Veranstalter "bedeutendsten Medienpreis in Rheinland-Pfalz" angestellt hatte und sich der außergewöhnlichen Mischform von Ernst und Satire bewusst war, als er den "Sonderpreis Europa" annahm. Aus einer Bierlaune heraus sei der Maju-Preis entstanden, verriet der Gastgeber bei seiner Begrüßungsansprache. Man habe "endlich mal selbst einen Preis kriegen wollen" und deshalb mit einer Gruppe Trierer Journalisten aus diversen Medien beschlossen, eine alljährliche Ehrung vorzunehmen und sich dabei wechselseitig angemessen zu berücksichtigen. Als Plattform dient eine Internet-Homepage mit dem Namen "staatsfunk.de", deren "Intendant" Ansgar Zender die Verleihung organisiert.Erste Ehrung noch im Wohnzimmer

Die erste Ehrung fand 2002 noch in einem privaten Wohnzimmer statt. Im letzten Jahr wagte man den Sprung in größere Gefilde, indem man die Fülle "interner" Preise durch Sonder-Auszeichnungen für Fußballtrainer Paul Linz und Bischof Reinhard Marx ergänzte. Prompt stieg die öffentliche Resonanz, so dass man für die diesjährige Veranstaltung den Bogen noch weiter spannte. Erst sollte, wie intern zu hören war, Harald-Schmidt-Gehilfe Manuel Andrack prämiert werden, aber der verpasste die Chance seines Lebens und sagte ab. Nach dem Motto "Dann steigen wir eben noch eine Etage höher ein" fragten die Initiatoren beim Luxemburger Regierungs-Chef an, der holte Rat bei seinem Duz-Freund, dem Trierer OB Helmut Schröer, ein - und sagte zu, nicht zuletzt wegen der Aussicht auf eine Laudatio durch den bischöflichen Vorgänger. Als dann noch Theater-Intendant Lukas-Kindermann als "Preisträger für das Lebenswerk" installiert wurde, war die illustre Runde komplett. Nach feierlicher Eröffnung durch Europa-Hymne und Oscar-reifer Beamer-Projektion musste sich die Prominenz freilich durch acht eher unkonventionelle Einzelpreis-Vergaben kämpfen. Dass Paulinus-Redakteur Zeljko Jacobovac die in Sachen "Inlands-Journalismus" nominierte Konkurrenz wie Sandra Maischberger und Sabine Christiansen hinter sich ließ, sorgte dabei ebenso für Amüsement wie der klare Sieg von SWR-Volontär Sascha Becker, der sich beim Nachwuchs-Preis (!) gegen Heiner Bremer und Peter Scholl-Latour durchsetzte und via Video-Zuschaltung aus Washington dankte, stilecht vor Whitehouse-Kulissen. Uneingeschränkt umjubelt: die Preise für die TV- Veteranen Josef Tietzen und Peter Reinwald, dessen Dankesrede durch gedankliche Stringenz ("Wenn man bedenkt, dass eine Silbe eine Fünftel-Sekunde dauert, weiß man, wie viel Quatsch jemand in einer Minute reden kann") und Kürze auffiel. Nicht ganz so knapp, aber gekonnt-hintersinnig des Bischofs Laudatio auf den "fröhlichen Christen Juncker", der sozialpolitisches Engagement mit dem sprichwörtlichen "Schalk im Nacken" verbinde und den er sich "gut als EU-Kommissionspräsident vorstellen" könne. Reinhard Marx dachte aber schon weiter: Er bot seine Hilfe als Zelebrant an, falls Juncker dermaleinst "sein Recht als Trierer Ehrenbürger auf eine Beerdigung in Trier wahrnehmen" wolle. Der Premier blieb darauf nichts schuldig: Der Bischof lande nach seinem Ableben "sicher in der Krypta", wo er selbst lande, wisse noch niemand. Marx' Gedankenspiel mit einem eigenen Engagement in der Politik nahm Juncker ebenfalls auf: Er werde dann im Gegenzug ein Amt in der Kirche anstreben. "Sie in der Politik und ich in der Kirche: Davon können beide Seiten nur profitieren." Nicht minder pointenträchtig: die Preisrede von Paul Linz auf Theaterchef Lukas-Kindermann. "Ich bin kein Theatergänger", bekannte der Fußballer, "aber das ist nicht schlimm, Kindermann kommt ja auch nie ins Stadion." Der Intendant zeigte sich "erstaunt, dass jemand es gewagt hat, mir in Trier einen Preis zu verleihen". OB Schröer lauschte mit süß-saurem Lächeln, bevor er gut gelaunt zum abschließenden Umtrunk mit Preisträgern und Prominenten in die Höhle der Medienlöwen eintauchte. Stargast Juncker kündigte derweil an, 2005 als Laudator für einen würdigen Nachfolger zur Verfügung zu stehen. An der Spekulationsbörse wurden Kofi Annan und der Papst am höchsten gehandelt.