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Rückblick: So war 2021 von der Pandemie bestimmt - Von Delta zu Omikron

Rückblick auf 2021 : Von Delta zu Omikron: Corona gibt nicht auf

Auch das ablaufende Jahr war von der Pandemie bestimmt. Die Hoffnungen, die sich mit den im Januar startenden Impfungen verbanden, haben sich nicht erfüllt. Und wie zu Beginn von 2021 führt eine neue Variante am Jahresende zu Verunsicherung. Unser Rückblick.

Auch in Deutschland sorgt die Corona-Mutation B.1.1.7 unterdessen für viele Fragen – und neue Sorgen. Dass die Variante tatsächlich mit großer Wahrscheinlichkeit leichter übertragbar ist als bislang kursierende Formen von Sars-CoV-2, ist nun an neuen Daten zu sehen.

Es ist ein Déjà-vu. Vor einem Jahr ähnelten die Schlagzeilen denen zum Ende dieses Jahres. Eine Corona-Mutation, die sich rasend schnell in Großbritannien ausbreitete, verursachte damals Verunsicherung. Vor einem Jahr war es Delta, jetzt ist es Omikron. Heute wie vor einem Jahr liegt und lag die Hoffnung in den Impfungen.

In der ersten Januarwoche öffneten vier Impfzentren in Trier, Wittlich, Hillesheim und Bitburg. Doch zu Beginn der Impfkampagne haperte es gewaltig. Impfwillige kamen bei der Telefon-Hotline nicht durch, die Registrierung über die Internetseite des Landes funktionierte nicht. Außerdem war der einzige zu dieser Zeit zur Verfügung stehende Impfstoff vom Mainzer Hersteller Biontech noch knapp. Daher konnte sich zunächst nicht jeder, der wollte, impfen lassen. Es erfolgte eine Priorisierung. Zunächst wurden über 80-Jährige und medizinisches Personal geimpft. Nach und nach, mit weiteren zugelassenen Impfstoffen, wurden die für die Impfung zugelassenen Altersgruppen immer mehr erweitert, bis im Sommer dann die Priorisierung ganz aufgehoben wurde. Doch die Nachfrage nach den Impfungen war größer als das Angebot an Vakzinen. Es kam zunächst zu langen Wartezeiten auf Termine. Ärger lösten auch sogenannte Impfdrängler aus, Amtsträger etwa, die sich vorzeitig impfen ließen, ohne dass sie an der Reihe gewesen waren. Der damalige Trierer Ordnungsdezernent Thomas Schmitt erklärte im Februar seinen Rücktritt, nachdem bekannt geworden war, dass er sich im Januar im Impfzentrum Trier hatte impfen lassen.

Bis ins Frühjahr hinein war das öffentliche Leben auch in der Region weitgehend heruntergefahren. Schulen unterrichteten im Wechselunterricht – dessen Start im Januar war mit erheblichen Pannen behaftet, weil die vom Land zur Verfügung gestellte Lernplattform zusammenbrach. Fast alle Geschäfte, außer Supermärkte, waren geschlossen. „Click und collect“ wurde zum neuen Geschäftsmodell. Kunden konnten vorher bestellte Waren abholen. Auch viele Restaurants in der Region setzten auf Abholung. Take away sollte die Verluste der Gas­tronomen durch die im November vergangenen Jahres angeordnete Zwangsschließung etwas abmildern. Je länger der Lockdown dauerte, desto lauter wurde der Protest der Gastronomen auch in der Region. Im Februar schrien einige von ihnen ihre Wut auf dem Trierer Hauptmarkt heraus. Sie verlangten eine Perspektive von der Politik.

Statt Lockerungen drohten jedoch weitere Verschärfungen. Weil die Zahl der Corona-Infektionen noch immer vergleichsweise hoch war – die Inzidenz in der Region lag im März zwischen 30 und knapp über 100 – wollte die Bundesregierung mit einer „Osterruhe“ das gesamte öffentliche Leben über die Feiertage he­runterfahren. Bereits kurz nach der Verkündung wurde die Idee wieder kassiert, Bundeskanzlerin Angel Merkel entschuldigte sich öffentlich. Statt Osterruhe gab es dann die Bundesnotbremse. Ab einer Inzidenz von 100 mussten regional schärfere Maßnahmen angeordnet werden. Unter anderem auch Ausgangssperren. Der Eifelkreis Bitburg-Prüm war der erste Landkreis in der Region, der die Notbremse ziehen musste. Der damalige Landrat Joachim Streit musste auf Druck des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministeriums im April eine nächtliche Ausgangssperre anordnen. Es kam zu der kuriosen Situation, dass der Privatmann Streit gemeinsam mit seiner Frau gegen den Landrat Streit klagte, weil die Maßnahme unverhältnismäßig sei. Während das Trierer Verwaltungsgericht dem Ehepaar Streit im November recht gab, scheiterte der mittlerweile für die Freien Wähler im Landtag sitzende Streit vor dem Bundesverfassungsgericht.

Eine Perspektive aus dem Lockdown und für mehr Lockerungen gab es im Frühjahr durch Schnell- und Selbsttests. Als Discounter und Drogeriemärkte die Tests ab Februar anboten, waren sie sofort ausverkauft. In vielen Orten in der Region wurden Testzentren errichtet, von Privatanbietern, aber auch von Ehrenamtlichen. Bürger konnten sich kostenlos auf Corona testen. Ein negativer Test war dann eine Zeit lang die Eintrittskarte für Restaurants, Kneipen oder auch Kulturveranstaltungen.

Das ermöglichte dann auch einen vergleichsweise lockeren Sommer, obwohl die Zahl der Neuinfektionen nicht deutlich nach unten ging. Und immer wieder führten kleinere Ausbrüche zu Schlagzeilen, wie etwa nach einem gemeinsamen Fußballgucken während der EM im Juli in einer Trierer Kneipe.

Die Unbeschwertheit des Sommers und des Herbstes mit nur noch wenigen Einschränkungen ließen die Hoffnung wachsen, dass Corona vorbei ist. Die Impfzentren schlossen Ende September. Viele Testzentren machten dicht, weil die Politik die Schnelltests für Ungeimpfte kostenpflichtig machte. Der Ruf nach einem Freedom-Day, an dem alle Maßnahmen beendet sein sollen, wurden immer lauter – trotz mahnender Worte auch von Experten aus der Region, die vor anwachsenden Corona-Zahlen in der kalten Jahreszeit warnten.

Sie sollten recht behalten. Ab November kletterte die Inzidenz der Neuinfektionen auch in der Region wieder in die Höhe und erreichte schnell Werte über 200. Wegen der hohen Zahl an Geimpften waren die Inzidenzen aber nicht mehr der alleinige Maßstab für Einschränkungen. Die Zahl der in den Krankenhäusern behandelten Covid-Patienten sollte ein entscheidender Faktor sein. Neuerliche Einschränkungen sollte es aber allenfalls für Ungeimpfte geben. So war der Zutritt etwa zum Trierer Weihnachtsmarkt nur Geimpften und Genesenen erlaubt. Auch in viele Geschäfte dürfen sie seitdem nicht mehr rein. Auf der Arbeit müssen sie jeden Tag einen negativen Test vorlegen.

 Covid-19 3G rules in Germany, admittance for people tested (Getestet), vaccinated (Geimpft) and that have recovered (Genesen), vector illustration sign
Covid-19 3G rules in Germany, admittance for people tested (Getestet), vaccinated (Geimpft) and that have recovered (Genesen), vector illustration sign Foto: Getty Images/iStockphoto/Christian Horz
Foto: Getty Images/iStockphoto/Christian Horz

Eine Testpflicht gilt auch für Geimpfte und Genesene in der Gastronomie – es sei denn, sie haben bereits die Booster-Impfung, die seit November verstärkt verabreicht wird. Mit Booster-Impfungen, Tests und Einschränkungen vor allem für Ungeimpfte soll die vierte Corona-Welle, die sich durch die vor einem Jahr in Großbritannien zuerst aufgetauchte Delta-Variante aufgebaut hat, eingedämmt werden. Gleichzeitig läuft der Kampf gegen Omikron. Es ist also keine Schwarzmalerei, wenn man sagt, dass Corona auch das kommende Jahr in der Region prägen wird.