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Ruhige Zeiten für Schwarzarbeiter: Zoll kontrolliert weniger Betriebe

Ruhige Zeiten für Schwarzarbeiter: Zoll kontrolliert weniger Betriebe

Sie sollen Schwarzarbeit und Mindestlohn-Verstöße aufdecken. Doch die Besuche des Zolls in Betrieben gehen in Rheinland-Pfalz immer mehr zurück. Besonders auf dem Bau. Gewerkschaften und Handwerker kritisieren den Trend und fordern mehr Zollbeamte.

Die bosnischen Männer verzweifeln im Mai 2014 in Trier. Monatelang warten sie auf den Lohn, nachdem sie auf einer Großbaustelle in der Bernhardstraße gewerkelt haben. Abspeisen lassen sich die 26 Bauarbeiter nicht. Sie streiken. Und der öffentliche Druck bringt ihnen Geld. Ein österreichischer Unternehmer fliegt nach Trier - und zahlt sie mit 36.000 Euro aus.

Ein solch glückliches Ende ist selten bei osteuropäischen Wanderarbeitern, weiß Markus Andler, stellvertretender Regionalleiter der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. Er schimpft, dass Betrüger besonders auf dem Bau auf Schwarzarbeit setzen, Mindestlöhne mit Tricks umgehen - und Mitarbeiter ausbeuten. "Fälle wie in Trier gibt es jeden Tag, werden aber meistens nicht aufgedeckt", sagt Andler.

Entlarven soll sie der Zoll. Doch die Kontrollen sind im Jahr 2015 nach Angaben der Gewerkschaft stark zurückgegangen. Sie beruft sich dabei auf Zahlen des Bundesfinanzministeriums. Danach hat es im vergangenen Jahr lediglich 520 Kontrollen auf Baustellen in der Region gegeben - ein Rückgang von 38 Prozent. In der Bau-Innung der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg sorgt der Trend für Ärger. "Es müsste mehr unangekündigte Besuche geben, weil schwarze Schafe ansonsten davonkommen", fordert Obermeister Alois Metrich.

Zuständig für die Kontrollen ist das Hauptzollamt Koblenz. Die Beamten ermittelten seit dem vergangenen Jahr noch intensiver, um Vorfälle in der organisierten Schwarzarbeit aufzudecken. Das koste Zeit, sagt ein Sprecher.

Das Bundesfinanzministerium teilt mit, dass die aufgedeckte Schadenssumme durch Schwarzarbeit und Mindestlohn-Verstößen durch Betriebsbesuche in allen Branchen für 2015 sogar um 25 Millionen Euro höher liege als 2014 - bei 820 Millionen Euro. Dagegen deckte das Hauptzollamt Koblenz durch Kontrollen in rheinland-pfälzischen Betrieben eine Schadenssumme von 10,5 Millionen Euro auf. 2014 waren es noch 19,9 Millionen Euro.

Die IG Bau fordert, die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls bundesweit auf 10.000 Stellen aufzustocken. Derzeit stehen nach Bundesangaben nicht mal 6900 Stellen zur Verfügung, 600 sind unbesetzt.Mehr zum Thema

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