Ryanair zieht sich von immer mehr Flughäfen zurück

Ryanair zieht sich von immer mehr Flughäfen zurück

Der von der Fluggesellschaft Ryanair angekündigte Wegfall von Flügen vom Hahn ab kommenden Sommer ist wohl schon länger bekannt. Die möglichen Auswirkungen sind bereits im Finanzplan für 2014 berücksichtigt.

Lautzenhausen. Die Ankündigung der irischen Fluggesellschaft Ryanair, im kommenden Jahr drei von neun auf dem Hahn stationierten Maschinen abzuziehen (der TV berichtete), scheint nicht überraschend gekommen zu sein. Flughafensprecherin Bianca Waters bestätigte unserer Zeitung, dass Ryanair den Flughafen "frühzeitig" informiert habe. Auch der Aufsichtsrat, der gestern getagt hatte, war wohl über die Pläne informiert. Demnach sind die mit dem Abzug der Maschinen verbundenen Streckenstreichungen in den Planungen, auch was die Erlöse angeht, für das kommende Jahr berücksichtigt. Als Grund für den Abzug der Flugzeuge nennt Ryanair, dass die ersten von 175 neuen, beim Hersteller Boeing bestellten, Maschinen vom Typ 737-800 nicht wie geplant im September 2014 sondern später geliefert würden. Eine Anfrage unserer Zeitung bei Boeing zu diesem angeblichen Lieferengpass blieb gestern unbeantwortet.Branchenkenner gehen davon aus, dass der mögliche Wegfall von bis zu elf Strecken den Hahn im nächsten Jahr rund 800 000 Passagiere kosten dürfte. Trotzdem bleiben die Flughafenverantwortlichen bei ihrer Prognose von 300 000 Fluggästen weniger. In diesem Jahr rechne man mit bis zu 2,6 Millionen Passagieren, sagte Waters. Selbst das dürfte eine sehr optimistische Schätzung sein. Bis Ende November wurden auf dem Hahn nämlich 2,4 Millionen Passagiere gezählt, was einen Rückgang von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Neben Flügen nach Italien, Griechenland und Spanien (Gran Canaria) könnten auch Flüge in die schwedischen Städte Stockholm und Göteborg sowie ins norwegische Rygge bei Oslo von den Streichungen auf dem Hahn betroffen sein. Jedenfalls können diese Flüge auf der Ryanair-Seite im Internet nicht im Sommerflugplan gebucht werden. Anders als von Ryanair dargestellt, werden nicht nur auf deutschen Flughäfen Maschinen abgezogen. Betroffen sind eben auch Rygge in Norwegen und der Flugplatz in Maastricht (Niederlande). Dort schließen die Iren ihre Basis ab April 2014. Das heißt, es werden keine Ryanair-Maschinen mehr dort stationiert sein. Das wiederum widerspricht der gegenüber unserer Zeitung gemachten Aussage der Ryanair-Sprecherin, dass vor allem wegen der seit 2011 erhobenen Luftverkehrsabgabe von 7,50 Euro pro Ticket derzeit der Fokus der Fluggesellschaft nicht auf Deutschland liege. Die Niederlande hatten die Ticketsteuer wieder abgeschafft. Gar kein Lieferengpass?

Der Luftfahrtexperte Heiner Siegmund vermutet, dass hinter der Ryanair-Ankündigung nicht in erster Linie der angebliche Lieferengpass steht, sondern ein Strategiewechsel - weg von den kleineren Flughäfen hin zu größeren. So habe sich die Fluggesellschaft aus dem extra auf ihren Wunsch hin Leipzig-Altenburg Airport umgetauften ostdeutschen Regionalflughafen komplett zurückgezogen und fliege stattdessen von Leipzig/Halle. Vor einigen Tagen hat der Flugplatz Cochstedt bei Magdeburg ebenfalls das Aus für Ryanair-Flüge bekanntgeben. "Ryanair zieht sich zumindest teilweise aus der Fläche zurück", sagt Flugexperte Siegmund. Dafür spricht, dass die Iren neben Brüssel künftig auch von Rom und Amsterdam aus fliegen wollen. Auch sollen ab März kommenden Jahres vom irischen Dublin aus Flüge nach Moskau und St. Petersburg angeboten werden. Trotzdem gibt man sich auf dem Hahn weiter optimistisch. "Wir gehen davon aus, dass Ryanair ab 2015 wieder aufrüstet", sagt Hahn-Sprecherin Waters. Meinung

Sehenden Auges in den AbgrundIn diesem Jahr kam es knüppeldick für den Hahn. Bei den Frachtflügen sprangen mit Aeroflot und Qatar Airways zwei dicke Kunden ab. Hinzu kam die Pleite des Frachtfliegers Air Cargo Germany. Dadurch sank die Fracht auf dem Hunsrückflughafen weiter, aktuell fehlen gegenüber vergangenem Jahr knapp 26 Prozent. Und nun auch noch die Hiobsbotschaft von Ryanair: Die Iren streichen, wie auch auf anderen Flughäfen, rigoros ihre Strecken zusammen. Anderen Flughäfen kehren sie ganz den Rücken. Ryanair ist nicht zu trauen. Wurde vor drei Wochen noch verkündet, man stehe zum Hahn, muss nun befürchtet werden, dass die Iren den Hunsrück bald links liegenlassen. Trotzdem übt man sich beim Hahn und auch bei der Landesregierung in Gelassenheit, scheint die Brisanz noch nicht erkannt zu haben. Ein schlüssiges Zukunftskonzept fehlt noch immer. Stattdessen wird immer mehr (Steuer)-Geld in den angeschlagenen Flughafen geschossen. Sehenden Auges fliegt der Hahn in den Abgrund. b.wientjes@volksfreund.de

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