Sanierungsfall Schwimmbad

MAINZ. Jedes dritte von landesweit 275 Schwimmbädern muss erneuert werden. Mit einem Investitionsprogramm von 95 Millionen Euro reagiert das Land auf den Sanierungsstau und hofft damit, Ausgaben von 250 Millionen Euro auszulösen.

Marode Bausubstanz und veraltete Technik lassen fast 100 Bäder im Land zu Sanierungsfällen werden. Dazu kommen noch jährliche Betriebskostenzuschüsse von teilweise mehreren hunderttausend Euro, weil kein kommunales Bad kostendeckend arbeitet. Unwirtschaftliche oder überdimensionierte Anlagen lassen Zuschüsse von 0,50 bis 15 Euro pro Gast in rheinland-pfälzischen Bädern fällig werden.Förderung ist an Bedingungen geknüpft

Mit einem Investitionsprogramm in Höhe von 95 Millionen Euro für die nächsten Jahre soll nun die Bäderlandschaft neu ausgerichtet werden, wie Ministerpräsident Kurt Beck und Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) in Mainz erläuterten. Damit sollen in den nächsten Jahren mehr als 40 Bäder zusätzlich modernisiert und bereits begonnene Projekte schneller zu Ende finanziert werden. Vor-aussetzung für eine Förderung von bis zu 40 Prozent der Sanierungskosten sind eine verbesserte Wirtschaftlichkeit und ein gesteigerter technischer Standard. Zeitlich bevorzugt in der Förderung werden Kombi-Bäder (Hallen- und Freibad) und Projekte, die von mehreren Gemeinden getragen werden, wie etwa das neue gemeinsame Schwimmbad von Bingen und Ingelheim. Gespeist wird das Programm aus vier Finanztöpfen. Rund 50 Millionen Euro werden in einem Schuldendiensthilfeprogramm bereitgestellt. Konkret heißt das für die Kommunen: Der Förderanteil des Landes wird als Kredit aufgenommen, wobei Zins und Tilgung aus der Landeskasse bezahlt werden. Rund zehn Millionen Euro werden aus dem Investitionsstock des Finanzausgleichs bereitgestellt, um unter anderem das Kombi-Bad in Konz bereits ab diesem Jahr fördern zu können. Rund sechs Millionen Euro gibt es für Konversionsvorhaben. Daraus wird auch das Bad in Hermeskeil bezuschusst, das laut Bruch allerdings die Wasserflächen zurückbauen muss. Aus der Sportstätteninvestitionsförderung fließen noch einmal knapp 30 Millionen Euro. Erhalten bleiben soll auch das Schwimmbad in Kröv, das nach Angaben des Innenministers mit Blick auf den Fremdenverkehr und strukturpolitisch wichtig ist. Das Bad im naheiegenden Alf werde dann aber wohl zugemacht werden müssen, mutmaßt Bruch. Schließungen liegen jedoch in der Hand der kommunalen Träger. Wie viele Bäder die landesweite Neuausrichtung der Strukturen nicht überleben werden, ist laut Bruch derzeit nicht zu sagen. Beck stellte klar, dass es um ein Erhaltungs- und nicht um ein Schließungsprogramm gehe. Dennoch dürfe die Wirtschaftlichkeit nicht außen vor bleiben. Die jetzt vorgelegten Listen sind laut Bruch keineswegs geschlossen. So stehe unter anderem auch das Hallenbad Daun "auf der Matte". Für das Trierer Südbad (Kostenschätzung: drei Millionen Euro) soll es möglichst bald eine Planungsfinanzierungsberatung geben. Es gelte, möglichst rasch Anträge vorzulegen, sagte Bruch.