Saure-Gurken-Zeit für Saison-Arbeiter

Saure-Gurken-Zeit für Saison-Arbeiter

Es hat schon Tradition: Zum Jahreswechsel steigen die Arbeitslosenzahlen sprunghaft an. Vor allem Saisonkräfte im Bau- sowie im Hotel- und Gaststättenbereich sind betroffen. Den Optimismus hat das Gastgewerbe aber nicht verloren.

Trier. "Es ist Winter." Kurz und knapp begründet Wolfram Leibe, der Chef der Trierer Arbeitsagentur, den sprunghaften Anstieg der Arbeitslosenzahlen im Januar. Von rund 11 000 stieg die Zahl im Januar auf 12 963 Arbeitslose an, das entspricht einer Arbeitslosenquote von 4,9 Prozent. Im Dezember waren es noch 4,1 Prozent.

Denn im Winter, das ist seit Jahren so, ist die Auftragslage für Saisonkräfte im Bau- sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe besonders gering. Eis, Schnee und Nebensaison lassen die Geschäfte ruhen oder zumindest auf Sparflamme fahren. Dafür ist dementsprechend weniger Personal erforderlich. Die Konsequenz: Entlassungen.

Beispiel Baugewerbe: "Durch den Kälteeinbruch ab Mitte Dezember wurde auf vielen Baustellen die Arbeit eingestellt", sagt Thomas Mares, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Trier. In Deutschland sei geregelt, dass Beschäftigte im Baugewerbe in der Saure-Gurken-Zeit über das Saison-Kurzarbeitergeld aufgefangen werden. Das gebe es in Luxemburg aber nicht. Und das Nachbarland ist ein wichtiger Arbeitsmarkt auch für Baufachkräfte der Region Trier. Die, die dort entlassen werden, landen bei der Agentur für Arbeit Trier.

Die typischen Aufs und Abs im Jahresverlauf schocken Gereon Haumann, Präsident des deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Rheinland-Pfalz (Dehoga), nicht mehr. Seit Jahren schon sind die Wintermonate im Hotel- und Gaststättengewerbe eine Zeit erhöhter Arbeitslosigkeit. "Für viele ist das ein inzwischen akzeptierter Rhythmus", sagt Haumann.

Da die Arbeitslosigkeit in der Regel auf zwei bis drei Monate begrenzt sei, kämen die Beschäftigten ganz gut damit zurecht. Viele würden ab März auch wieder von ihren alten Betrieben eingestellt. "Und das ist gar nicht nur auf Fachkräfte zu beschränken", sagt Haumann. Auch gute ungelernte Angestellte seien gefragt.

Um die beschäftigungsfreie Zeit zu nutzen, hat der Dehoga mit der Agentur für Arbeit in diesem Jahr ein Modellprojekt geplant. Im Landkreis Bernkastel-Wittlich, wo es die höchste Übernachtungszahl in Rheinland-Pfalz gibt, sollen vorwiegend ungelernte Kräfte in den Wintermonaten weitergebildet werden. Nach einer Prüfung seien sie danach "fast auf dem Stand einer Fachkraft", erklärt Haumann. Die Maßnahme wird von der Agentur für Arbeit gefördert.

Für die kommenden Monate und das ganze Jahr gibt sich Haumann grundsätzlich optimistisch: "Die Nachfrage geht schon zu Karneval los, im März dann richtig. Wir hoffen, dass die Leute, die jetzt arbeitslos wurden, dann wieder eingestellt werden." Etwas getrübt ist der Optimismus aber vom Damoklesschwert Krise. "Es ist eine spannende Frage, ob wir verschont bleiben von wirklich tiefgründigen Folgen der Wirtschaftskrise", sagt der Verbandspräsident, "denn die konjunkturellen Hochs und Tiefs kommen ja immer zeitversetzt im Tourismus an."