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Schärfer, aber teurer: Was Fernseh-Zuschauer in der Region ab 2018 erwartet

Schärfer, aber teurer: Was Fernseh-Zuschauer in der Region ab 2018 erwartet

Hochauflösendes Fernsehen wird es ab dem kommenden Jahr auch in Rheinland-Pfalz über die Antenne geben. Für die Zuschauer ändert sich einiges. Der Volksfreund nennt die wichtigsten Fakten zum Start.

Wo in Deutschland kann man hochauflösendes Fernsehen (DVB-T2) über Antenne zuerst empfangen?
In einigen Ballungszentren ist bereits der Probebetrieb gestartet. Das sind beispielsweise die Regionen Aachen, Köln/Bonn oder das Rhein-Main-Gebiet, aber auch das gesamte Saarland. In den genannten Städten und Regionen ist der Empfang meist per Zimmerantenne möglich. Mit zunehmender Distanz zum Sender braucht man aber eine Außen- oder Dachantenne. Vorhandene DVB-T-Antennen können weiter genutzt werden.

Und wie geht es weiter?
Etwa im März 2017 wird in den Regelbetrieb gewechselt. Dann gibt es in den Startregionen rund 40 öffentlich-rechtliche und private Kanäle zu sehen. Die meisten davon in High-Definition (HD)-Auflösung. Danach beginnt der Ausbau in weiteren Regionen. Die Stadt Trier und die Region sollen nach Angaben des Betreibers Media Broadcast ab Mitte 2018 erschlossen werden. Laut Veit Olischläger vom zuständigen Projektbüro DVB-T2HD sollen bis Mitte 2019 mehr als 90 Prozent der Bevölkerung mindestens per Dachantenne versorgt sein. Allerdings wird es nicht überall das volle Angebot von rund 40 Kanälen geben.

Brauche ich einen neuen Empfänger?
Vermutlich ja. Alte DVB-T-Empfänger und -Fernseher können mit dem neuen Fernsehsignal nichts anfangen. Michael Gundall von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz rät, auf das grüne Logo mit DVB-T2-HD-Aufschrift und einem Fernseher-Symbol darüber zu achten. Wichtig: Der deutsche DVB-T2-Standard ist nicht vergleichbar mit dem aus anderen europäischen Ländern. Das bedeutet: Empfänger oder Geräte müssen für das deutsche DVB-T2HD zwingend den HEVC-Codec beherrschen. Geräte mit dem Siegel können das.

Wie viele Menschen im Land nutzen überhaupt noch Antennenfernsehen?
Laut Digitalisierungsbericht der Landesmedienanstalten aus dem Jahr 2015 nutzen etwa 3,3 Prozent der rheinland-pfälzischen Haushalte den DVB-T zum Empfang des digitalen Fernsehens. Bundesweit sind dies im Durchschnitt 9,7 Prozent. "Damit ist Rheinland-Pfalz mit dem Saarland zusammen Schlusslicht unter allen Ländern.", sagt Joachim Lehnert, Leiter der Abteilung Technik bei der Landeszentrale für Medien und Kommunikation in Rheinland-Pfalz (LMK).

Stimmt es, dass man für die Privatsender bezahlen muss?
Ja. Sat.1, ProSieben, Vox .und RTL sind während des Probebetriebs verschlüsselt, aber kostenlos. Mit Beginn des Regelbetriebs im Sommer 2017 werden die meisten Privatsender nur noch gegen Gebühr ausgestrahlt. Nur einige Einkaufs-Kanäle haben bislang Interesse an einer unverschlüsselten Ausstrahlung angekündigt. Der Plattformbetreiber Media Broadcast wird das verschlüsselte Privatangebot unter dem Namen Freenet TV vermarkten. Ähnlich wie beim Satellitenempfang wird das Privat-Fernsehen dann 69 Euro pro Gerät und Jahr kosten. Eine unverschlüsselte Ausstrahlung der Privatsender in der alten Auflösung wird es nicht geben. Das heißt: Wer privat schauen will, muss dafür zahlen. Geräte, die das Privatprogramm ganz sicher empfangen können, tragen ein Logo des Anbieters "Freenet TV". Joachim Lehnert von der LMK weist jedoch darauf hin, dass die Programme von ARD und ZDF auch weiterhin unverschlüsselt und kostenfrei empfangbar bleiben.

Wann wird das alte DVB-T abgeschaltet?
Wird DVB-T2HD eingeschaltet, ist meist Schluss mit dem alten Standard. Laut Projektbüro DVB-T2HD ist noch unklar, wo es örtlich noch übergangsweise einen Parallelbetrieb mit wenigen öffentlich-rechtlichen Programmen geben wird. Wer weiter über Antenne gucken will, sollte in der Region bis Mitte 2018 die nötigen Geräte haben. Der alte Standard wird zudem aufgegeben, damit Frequenzen für den Ausbau eines schnelleren mobilen Internets frei werden.

Warum ist DVB-T2HD besser?
Über DVB-T2HD können deutlich mehr Kanäle empfangen werden als bisher. Bis zu 40 werden es einmal sein. Und sie werden überwiegend in voller HD-Auflösung (1920 zu 1080 Bildpunkten) ausgestrahlt. Aktuell können über Antenne nur Programme in geringerer SD-Auflösung empfangen werden. Das sieht vor allem auf neuen HD-Fernsehern nicht gut aus. "Deutschland hat jetzt europaweit das beste DVB-T", lobt Michael Gundall. Die Technik sei der neueste Stand der Dinge und nicht in ein paar Jahren schon wieder veraltet. Zudem sei der neue Standard eine Chance für das digitale Antennenfernsehen, meint Lehnert von der LMK. Durch die bessere Bildqualität und durch die Vielzahl der künftig angebotenen Programme werde die Attraktivität für die Zuschauer steigen. ........................(Mit dpa-Material)

Extra

DVB-T2HD ist der Nachfolger des Antennenfernsehens DVB-T. Als Kombination aus DVB-T2 und der Bildcodierung HEVC bietet es eine bessere Bildqualität und mehr Programme (rund 40 in den Ballungsräumen). Der Empfang von DVB-T2HD setzt ein geeignetes Empfangsgerät voraus. Vorhandene Antennen können in der Regel weiterverwendet werden.

Weiterführende Infos auf dem offiziellen Informationsportal der Initiative DVB-T2HD unter www.dvb-t2hd.de

DVB-T2HD ist eine Initiative von ARD Medienanstalten, Mediengruppe RTL Deutschland, ProSiebenSat.1 Media SE, VPRT und ZDF. dpa

Lesen Sie auch den Kommentar von Thomas Zeller zum Thema: Das Ende der kostenlosen Angebote naht und den Artikel: Beim Antennen-Fernsehen in der Region kostet der Empfang von Privatsendern ab 2018 Geld

Parteien im Landtag sind sich in der Bewertung des kostenpflichtigen DVB-T2-Empfangs weitgehend einig. Zum Fernsehempfang haben alle Parteien im rheinland-pfälzischen Landtag klare Positionen. Auf eines legen alle Wert: Die Programme der öffentlich-rechtlichen Rundfunkveranstalter müssen kostenfrei empfangbar bleiben.