Schäuble in Trier: Politischer Aschermittwoch light

Schäuble in Trier: Politischer Aschermittwoch light

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat das zweite Hilfspaket für das hoch verschuldete Griechenland verteidigt. "Helfen wir nicht, ist die Ansteckungsgefahr groß", sagte der CDU-Politiker gestern Abend in Trier.

Trier. Politischer Aschermittwoch - ist das nicht das alljährlich wiederkehrende politische Derblecken, bei dem Politiker aller Parteien kräftig holzen und die Zuhörer literweise Bier trinken? In Bayern vielleicht.
Aber weiter nördlich in der Republik geht es immer noch ein wenig gemächlicher zu. Etwa bei den Christdemokraten in und um Trier.
Dabei haben deren Vorsitzende Arnold Schmitt und Bernhard Kaster mit der Verpflichtung Wolfgang Schäubles einen echten Coup gelandet. Kaum ein anderes Mitglied des Bundeskabinetts, sieht man von der Kanzlerin einmal ab, ist derzeit häufiger in den Medien und mehr gefordert als der 69-jährige Christdemokrat. Zuletzt beim Treffen der EU-Finanzminister in der Nacht von Montag auf Dienstag in Brüssel. Bis morgens um fünf saßen die Minister da beisammen, erst dann war das zweite Hilfspaket für Griechenland geschnürt. "Ich habe zwischendurch nur mal schnell Zähne geputzt und das Hemd gewechselt", plaudert Schäuble in der Trier Arena ein wenig aus dem Nähkästchen.
Eine Stunde lang nimmt sich der aus seinem Heimatwahlkreis Offenburg angereiste Schäuble Zeit, um den 600 Zuhörern in der Trier Arena die Vorteile der europäischen Integration zu erläutern. Zeitweise erinnert Schäubles Aschermittwochsrede mehr an eine wirtschafts- und europapolitische Vorlesung. Auf polemische Attacken verzichtet der Finanzminister ganz, auf Seitenhiebe gegen den politischen Gegner weitgehend. Womöglich hätte es zum dominierenden Thema Schäubles auch gar nicht gepasst.
Die gegenwärtige Krise? "Was sollen wir machen", lautet Schäubles rhetorische Frage. "Wir müssen Vertrauen in die Euro-Zone als Ganzes zurückgewinnen." Das gehe aber nur, wenn für das aktuell größte Sorgenkind Griechenland eine tragfähige Lösung gefunden werde; schon allein um zu verhindern, dass andere EU-Länder sich anstecken. Für Griechenland werde es ein langer und schwerer Weg, sagt Schäuble vor-aus. Das Geld, das dem Land jetzt zur Verfügung gestellt werde, dürfe denn auch nur für den Schuldendienst verwendet werden. "Da wurde lang schlecht gewirtschaftet, aber dafür können die Menschen auf der Straße ja nichts", sagt der Finanzminister. Nach seinem Trier-Auftritt fuhr Schäuble nach Frankfurt, flog von dort aus nach Berlin. Am Wochenende ist der 69-Jährige beim Treffen der wichtigsten Industrienationen in Mexiko, bevor er am Montag wieder zurück in der Hauptstadt erwartet wird. Dann stimmt der Bundestag auch über das zweite Rettungspaket für Griechenland ab. "Die europäische Integration", sagt Schäuble, "ist die Lehre aus zwei Weltkriegen. Daran bauen wir weiter, und das lassen wir uns auch nicht verdrießen."
Wahrscheinlich passt es wirklich nicht, wenn über ein solches Thema an Aschermittwoch polemisiert wird.

Mehr von Volksfreund