Schaffner sind selten geworden

Schaffner sind selten geworden

Früher konnte man bei ihnen Fahrkarten kaufen und nach dem Fahrplan fragen: Zugschaffner. Heute heißen sie Zugbegleiter und sind eher selten in Zügen zu sehen. Am Mittwoch konnte ein solcher Zugbegleiter in einem Regionalzug von Trier nach Koblenz verhindern, dass es zu einem größeren Brand kommt.

(wie) Es hätte schlimm ausgehen können. Ein Schwelbrand in einer Zugtoilette stoppte am Mittwoch die Regionalbahn von Trier nach Koblenz (der TV berichtete). Ein Zugbegleiter entdeckte den Brand beim Halt in Müden (Kreis Cochem-Zell). Die sieben Personen, die in dem Zug saßen, blieben unverletzt. Was wäre gewesen, wenn der Brand nicht rechtzeitig entdeckt worden wäre? Denn es ist längst nicht mehr selbstverständlich, dass in allen Zügen Schaffner oder, wie sie offiziell heißen, "Zugbegleiter" mitfahren.

Nachfrage bei dem für den Schienennahverkehr zuständigen Zweckverband SPNV Nord in Koblenz: In welchen Zügen sind überhaupt noch Zugbegleiter an Bord? Die Antwort ist ernüchternd. In weniger als der Hälfte der Nahverkehrszüge fahren Zugbegleiter mit. "Es ist eine Frage des Geldes", sagt Zweckverbandssprecher Thomas Nielsen. Wenn es vom Land gesetzlich vorgegeben werde, in allen Zügen zusätzliches Personal einzusetzen, dann müsste dafür auch Geld zur Verfügung gestellt werden. Vorerst werden daher nicht in allen Zügen Zugbegleiter mitfahren, sagt der Verbandssprecher. Derzeit fahren nur in älteren Zügen, bei denen die Türen sich nicht automatisch öffnen, auf jeden Fall Zugbegleiter mit, in moderneren Zügen bei denen "aus betrieblichen Gründen" Zugbegleiter nicht notwendig seien, werde nur jeder fünfte Zug "begleitet", sagt Nielsen. Bei der Ausschreibung von Strecken gebe man allerdings vor, dass in "besonders sicherheitsrelevanten Zeiten", also abends und nachts, in Regionalbahnen etwa zwischen Trier und Koblenz auf jeden Fall Zugbegleiter mitfahren. Tagsüber sei das aber nicht möglich, sagt Nielsen.

Stattdessen will der SPNV Kameras in den Zügen einsetzen. Sie sollen anstelle des fehlenden Zugpersonals für Sicherheit sorgen und Vandalismus und Übergriffe verhindern. Erst kürzlich sorgte die künftige Videoüberwachung in den Zügen zwischen Perl, Trier und Koblenz für Diskussionen. Der Landesdatenschutzbeauftragte hat Bedenken dagegen. "Wir halten uns streng an den Datenschutz", sagt Nielsen. Die Bilder aus den Kameras würden nach 72 Stunden gelöscht, die Aufzeichnungen dienten ausschließlich der nachträglichen Ermittlung von Straftaten und würden nur von der Polizei ausgewertet werden. Video-Überwachung statt Zugbegleiter? Das könne man so pauschal nicht sagen, sagt Nielsen. Die Kameras seien nur ein zusätzliches Mittel für mehr Schutz in den Zügen. Ab 19 Uhr würden in allen Zügen zwischen Perl und Koblenz Zugbegleiter eingesetzt - trotz Videoüberwachung.

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