Schnelle Behandlung erhöht die Chancen

Schnelle Behandlung erhöht die Chancen

Jede Minute kann bei einem akuten Schlaganfall entscheidend sein. Das ist auch die Erfahrung in der Stroke-Unit im Wittlicher Krankenhaus. Deren Leiter Dr. Andreas Hufschmidt und Oberarzt Dr. Jörg Wiesenfeldt möchten mehr Bewusstsein schaffen für das richtige Verhalten im Ernstfall.

Wittlich. Es sind in ländlichen Gebieten nur etwa 20 bis 30 Prozent der Patienten, die bei den ersten Anzeichen eines Schlaganfalls gleich eine auf Schlaganfall spezialisierte Klinik aufsuchen, sagt Dr. Jörg Wiesenfeldt, der im Wittlicher Krankenhaus die Schlaganfall-Einheit, die sogenannte Stroke-Unit, leitet. In größeren Städten liegt nach seinen Aussagen die Quote bei 40 bis 50 Prozent.
Landesweite Kampagne


Genau da setzt die landesweite Schlaganfallkampagne, bei der die Ärzte aus der Region mit verschiedenen Veranstaltungen beteiligt sind, an. Es soll Bewusstsein geschaffen werden für die Risiken und Folgen, wenn bei einem Schlaganfall wertvolle Zeit verstreicht, bis die richtige Behandlung beginnt.
Denn nur in den ersten Stunden ist die Thrombolyse-Therapie (siehe Extra) möglich, die zumindest bei 20 Prozent der Betroffenen hilft und die verstopfte Arterie im Gehirn wieder frei macht. "Es hilft aber nicht allen", räumt Hufschmidt ein. Bei rund 40 Prozent der Betroffenen muss mit bleibenden Schäden gerechnet werden, weitere 40 Prozent haben das Glück, auch ohne Behandlung den Schlaganfall relativ unbeschadet zu überstehen.
Doch auch, wenn das Medikament, das seit den 90er-Jahren bei der Behandlung von Schlaganfällen eingesetzt wird, nicht verabreicht werden kann, ist zügiges Handeln geboten. Komplikationen können so früher erkannt und behandelt werden. Auch ein rascher Beginn der Reha-Maßnahmen kann den Betroffenen helfen.
Damit die Schlaganfallpatienten schnell die richtige Hilfe bekommen, müssen auch die Rettungskräfte gut geschult sein, sagt Hufschmidt. Denn nur wenn die ersten Helfer vor Ort die Situation richtig einschätzen, kann wertvolle Zeit gespart werden. Gegebenenfalls müsse dann ein Hubschrauber angefordert werden, um vielleicht entscheidende Minuten zu sparen.
Wie Wiesenfeldt sagt, steigt die Zahl der Schlaganfälle. Das liegt am steigenden Lebenserwartung der Menschen. "Das Schlaganfallrisiko steigt mit dem Alter."
Von der landesweiten Aktion versprechen sich die Wittlicher Ärzte eine erhöhte Sensibilität für das Thema. Eine ähnliche Kampagne in Nordrhein-Westfalen habe die Zahl derer, die gleich dir richtige Hilfe bekommen, stark zugenommen. noj