Schnelles Abi wird im Land nicht zur Regel

Schnelles Abi wird im Land nicht zur Regel

Die Diskussion um das bereits in 13 Ländern eingeführte achtjährige Gymnasium (G8) verschärft sich bundesweit. Eine generell kürzere Schulzeit wird es in Rheinland-Pfalz nicht geben: 13 Schuljahre bleiben die Regel. Nur an Ganztagsschulen kann es ein Jahr schneller gehen.

Mainz. Trotz zunehmender Kritik an Schulstress, Überforderung und zu voll gepackten Unterrichtszeiten wollen die betroffenen Bundesländer von Hessen bis Bayern an der schon praktizierten Schulzeitverkürzung für die Gymnasien grundsätzlich festhalten. Gleichzeitig erheben Ministerpräsidenten wie der Niedersachse Christian Wulf oder Günther Oettinger (Baden-Württemberg) den Ruf nach Stundenkürzungen und Lehrplan-Entrümpelung. Nachdem im Saarland bereits Lehrpläne in Mathematik und Geschichte gekürzt wurden, läuft derzeit eine weitere Durchforstungsaktion, um Entlastung zu bringen, wie ein Sprecher des Bildungsministeriums bestätigt. Für Tilman Boehlkau von der Lehrergewerkschaft GEW zeigt die ausgebrochene Hektik der G8-Befürworter, dass alle übereiligen Reformer eine "Bauch-Landung" zu Lasten von Schülern, Lehrern und Eltern hingelegt haben. Nicht nur seine Gewerkschaft ist grundsätzlich gegen das G8. Wenn es überhaupt funktionieren sollte, dann nur mit einem richtigen Ganztagsschulkonzept, so Boehlkau. Alles, was nun angepackt werde, laufe jedoch nur auf kosmetische Korrekturen hinaus."Unsere Kinder haben jetzt vielfach ganztags Unterricht, aber keine Ganztagsschule", kritisiert auch der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages, Ludwig Georg Braun. Am schnellen Abitur sollte nach seiner Meinung allerdings auf jeden Fall festgehalten werden. Die Umsetzung hält er bislang jedoch für"nicht überzeugend". Ballast auf den Lehrplänen

Die Landes-CDU hält die generelle Einführung des G8 für machbar. Allerdings müssten dazu die Lehrpläne konsequent von Ballast befreit und bereits ab der fünften Klasse mehr Unterricht angesetzt werden. Doch Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) bleibt dabei: Schnelles Abi nur mit pädagogischem Konzept an Ganztagsschulen und freiwillig.Hermann Bous, Schulleiter des Trierer Friedrich-Spee-Gymnasiums, ist sich sicher, dass Eltern und Schüler an seiner Schule demnächst nicht auf die Barrikaden gehen. Das Gymnasium ist eine von landesweit neun Ganztagsschulen, die im Sommer mit dem G8 in Klasse fünf beginnen. Über den Tag im Rhythmus lernen ist aus der Sicht von Schulleiter Bous der zentrale Punkt. Arbeiten, Gelerntes vertiefen und Entspannung müssen sich dabei abwechseln. Hausaufgaben werden weitgehend in der Schule erledigt.Doppelstunden, verstärkte Projektarbeit und die Chance, Themen fächerübergreifender zu behandeln, ermöglichen nach seiner Überzeugung intensiveres Lernen. Natürlich müsse auch die Fülle des Unterrichtstoffes durchforstet werden, ohne Abstriche an den Grundlagen zu machen, so Bous. Schließlich sollen den Schülern Kompetenzen und selbstständiges Lernen vermittelt werden. Nicht unwichtig: Bei alledem soll Schule auch noch Spaß machen. "Wir werfen unsere Kinder nicht ohne Schwimmweste ins Wasser", verspricht Schulleiter Bous. Extra G8-Konzept: Das von neun auf acht Jahre verkürzte Gymnasium soll bis 2010 an landesweit rund 15 Ganztagsschulen eingeführt werden. Hier die wichtigsten Änderungen: Der Ganztagsunterricht wird in den Klassen sieben bis neun verpflichtend. In diesen drei Klassenstufen wird es deutlich mehr Unterricht geben (33, 34 und 35 Wochenstunden). Zum Pflichtunterricht kommen bis zu neun Stunden pro Woche "Lernzeit" für Übungen, individuelle Förderung, Projekt- oder Freiarbeit hinzu. In den Klassen zehn bis zwölf erhöht sich der Pflichtunterricht auf 35 und 34 Wochenstunden. Die Klasse zehn gilt als letztes Jahr des mittleren Bildungsabschlusses und gleichzeitig als erstes Jahr der dreijährigen Oberstufe. Realschüler, die nach Klasse zehn zum G8-Gymnasium wechseln, müssen dort in Klasse zehn beginnen. An allen (!) weiterführenden Schulen wird ab Herbst die Pflichtstundenzahl in den Klassen fünf und sechs (Orientierungsstufe) von 28 auf 30 erhöht. (win)

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