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Schon immer zu Höherem berufen

Schon immer zu Höherem berufen

Der Favorit hat das Rennen gemacht: Der ehemalige Trierer Bischof Reinhard Marx ist neuer Vorsitzender der deutschen Bischöfe. Der 60-jährige Münchner Kardinal ist von seiner Art und Erscheinung her das Gegenstück zu seinem Vorgänger, dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch.

Münster/Trier. Zufall oder Absicht? Ausgerechnet im letzten Gottesdienst vor der Wahl am gestrigen Vormittag ist es Reinhard Marx, der im Dom zu Münster die Predigt hält. Der Münchner Erzbischof redet gestenreich über die große Herausforderung für die katholische Kirche von heute - die Verkündigung des Reiches Gottes. "In einer neuen Weise", sagt der Kardinal, "einladend und anspruchsvoll, anziehend und fordernd zugleich."
Nicht nur in den Ohren vieler Bischöfe und Weihbischöfe muss dieser Appell von Marx wie eine Bewerbungsrede geklungen haben. Da ist jemand, der eine Vision von Kirche hat und es sich darüber hinaus zutraut, das nicht immer einfache Amt des Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz zu übernehmen.
Dass der gebürtige Westfale ehrgeizig ist, fällt schon in seiner Studentenzeit in den 1980er Jahren auf. "Marx war schon immer zu Höherem berufen", sagen gute Freunde, die mit ihm studiert haben. Er promoviert, wird Professor für Christliche Gesellschaftslehre, dann Weihbischof von Paderborn und im Dezember 2001 Bischof von Trier. Da ist Reinhard Marx gerade einmal 48 und damit für kirchliche Verhältnisse noch ein junger Amtsinhaber. Allerdings ein Diözesanbischof mit Ambitionen, auch wenn er - darauf angesprochen - stets artig betont, Bischof von Trier zu sein sei eine Lebensaufgabe.
Aus der Lebensaufgabe werden immerhin sechs Jahre. Sechs Jahre, in denen Reinhard Marx den Umbau der Pfarreienlandschaft anstößt und die Bistumsverwaltung reformiert. Das bringt dem Kirchenmann nicht nur Freunde ein; aber Konfliktscheue ist kein Markenzeichen von Reinhard Marx.Eloquenter Talkshow-Gast


Eher schon seine Eloquenz und Redegewandtheit, die ihn zum beliebten Talkshow-Gast und Interviewpartner machen. Gut für Deutschlands älteste Stadt, die dank des prominenten Bischofs plötzlich häufig in den Medien präsent ist. Als Reinhard Marx 2008 zum Erzbischof von München und Freising befördert wird, weint sein Generalvikar, und ein bisschen trauern auch viele Gläubige im Bistum. Ein gutes Jahr später wird Marx von Papst Benedikt XVI. zum Kardinal ernannt - und ist wieder einmal der Jüngste.
Auch unter dem neuen Papst Franziskus hat Reinhard Marx schnell einen Stein im Brett. Er ist Mitglied eines achtköpfigen Beratergremiums zur Reform der Kurie; zuletzt überträgt ihm Franziskus am vergangenen Samstag auch noch die Aufgabe eines Koordinators des neuen vatikanischen Wirtschaftsrats. Daneben ist der 60-Jährige noch Präsident der EU-Bischofskommission und Großkanzler der Uni Eichstädt.
Zu viele Posten für eine Person, zu viel Macht, wie Kritiker meinen. Ein Grund, warum Reinhard Marx im Vorfeld der Wahl längst nicht von allen als Favorit für die Zollitsch-Nachfolge gehandelt wird. Erst als Marx verspricht, im Fall seiner Wahl Posten abzugeben, wird er für einige Mitbrüder wählbar, sagen Insider wie der Chefredakteur der Katholischen Nachrichtenagentur KNA, Ludwig Ring-Eifel (siehe Interview).
Erst im vierten Wahlgang bekommt Marx die ausreichende Zahl Stimmen. "Man muss kein Jäger und Sammler von Posten sein", sagt er hinterher, "man kann auch Posten abgeben."
Mit dem Vorsitz der Bischofskonferenz ist der gewichtige Münchner Kardinal so mächtig wie kein anderer Kirchenmann in Deutschland. Und er wird es für die nächsten zwölf Jahre wohl auch bleiben. Dann endet seine zweite Legislaturperiode als Stimme der deutschen Bischöfe, vorausgesetzt, Marx wird in sechs Jahren wiedergewählt.
In seiner alten Heimat Trier lässt sich der 60-Jährige noch regelmäßig blicken. "Ich bin mit Begeisterung an der Mosel gewesen und habe die Menschen dort liebgewonnen", sagt Marx am Mittwoch nach der Wahl, als er von Journalisten nach seinen bisherigen Stationen gefragt wird.
Marx' Terminkalender wird ab sofort noch praller gefüllt sein als bislang. Sein Vorgänger Robert Zollitsch sagte vor einigen Wochen, dass er 80 Prozent seiner Zeit für den Vorsitz der Bischofskonferenz aufwende und die restliche Zeit für sein Erzbistum Freiburg. Wenn der katholische Multifunktionär Marx daran nichts ändert, wird man ihn in München kaum noch zu Gesicht bekommen.Extra: Fragen an Ludwig Ring-Eifel

 Ludwig Ring-Eifel, KNA-Chefredakteur und gebürtiger Trierer.Foto: KNA
Ludwig Ring-Eifel, KNA-Chefredakteur und gebürtiger Trierer.Foto: KNA

Ludwig Ring-Eifel ist Chefredakteur der Katholischen Nachrichtenagentur KNA.

Inwiefern hat Sie die Wahl von Reinhard Marx überrascht?
Ring-Eifel: Vor der Wahl war es unter den Beobachtern Konsens, dass Marx wohl kaum noch einen weiteren Posten zusätzlich zu seinen Aufgaben in Bayern, Brüssel und Rom übernehmen kann. Dann hat er aber offenbar signalisiert, dass er ein oder zwei Posten abgeben will, damit entfiel dieses Argument, und er war doch wählbar.

Wie bewerten Sie die Tatsache, dass Marx erst im vierten Wahlgang gewählt wurde?
Ring-Eifel: Dass er erst im vierten Wahlgang mehr als die Hälfte der Stimmen bekam, lag wohl vor allem daran, dass anfangs auch andere Kandidaten wie Bode, Genn oder Woelki etliche Stimmen bekamen. Den Ausschlag für Marx haben dann sicher auch einige Stimmen aus Trier gegeben.

Was werden seine ersten Aufgaben als Chef der Bischofskonferenz sein?
Ring-Eifel: Er wird dem Dialogprozess neuen Schwung geben und ihn dann in anderer Form weiterführen. Dann muss Marx dafür sorgen, dass das Thema Limburg endlich so gelöst wird, dass es die Kirche nicht weiter belastet. Da die Entscheidung zu Limburg in Rom fällt, sind seine guten Drähte dorthin ein entscheidender Vorteil. sey Kommentar: Eine gute Wahl