1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Schulen in der Region: Digitaler Unterricht? Fehlanzeige!

Schulen in der Region: Digitaler Unterricht? Fehlanzeige!

Viele Schulen in der Region klagen über mangelhafte Ausstattung mit Computern und fehlende Internetanschlüsse. Lehrer und Schüler fordern mehr Engagement vom Land.

Die deutschen Schulen drohen den Anschluss an das digitale Zeitalter zu verlieren. Aus diesem Grund will der Bund alle 40.000 weiterführenden Schulen mit Computern und kabellosen Internetanschlüssen (WLan) ausstatten. Kosten: fünf Milliarden Euro.

Eine mehr als notwendige Investition, wie Recherchen unserer Zeitung zeigen. Eine Nachfrage an weiterführenden Schulen in der Region hat ergeben, dass es zum Teil noch erhebliche Lücken bei der digitalen Ausstattung gibt. Die Antworten reichen von gut über "zufriedenstellend, aber durchaus noch ausbaubar" bis hin zu unzureichend. "Zu großen Teilen arbeiten wir mit alten Geräten, die dringend ersetzt werden müssten", sagt Patrick Lohberg, Medienbeauftragter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Daun. Zwar verfügen fast alle vom TV befragten Schulen über Computer oder Laptops, aber längst nicht für alle Schüler.

Im Schnitt gebe es 55 Geräte je Schule, bestätigt das rheinland-pfälzische Bildungsministerium. Moderne Tablets, also tragbare Mini-Computer, sind noch immer die Ausnahme. Tablets und Laptops würden zumeist von den jüngeren Lehrern eingesetzt, sagt Lohberg. Allerdings werde dabei immer wieder der fehlende Internetzugang moniert. Auch das ist ein Problem an vielen der befragten Schulen. "Es mangelt an WLan in allen Bereichen", sagt Marianne Schönhofen, Leiterin der Kurfürst-Balduin-Realschule plus in Wittlich. "An den meisten Schulen können die Potenziale der Informationstechnik im Unterricht bislang nicht ausgeschöpft werden, weil die Schulen nur mangelhaft mit digitalen Geräten ausgestattet sind und die technischen Voraussetzungen, zum Beispiel funktionstüchtiges WLan, fehlen", sagt Andreas Merzhäuser, Leiter des Bitburger St.-Willibrord-Gymnasiums. Die Lehrer seien mit der Pflege der digitalen Geräte überfordert, sagt Merzhäuser. Am Dauner Geschwister-Scholl-Gymnasium übernehmen die Wartung pensionierte Lehrer, und in der kirchlichen Gesamtschule St. Matthias in Bitburg helfen die Schüler in einer Arbeitsgemeinschaft "auf hohem Niveau", wie Schulleiter Joachim Schmitt sagt, die hauseigenen Computer zu warten.

Der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) fordert schon seit längerem eine bessere Ausstattung mit digitalen Geräten und Inhalten an allen Schulen im Land, auch in Kindergärten. "In der Schule leben die Kinder in der Steinzeit, außerhalb in einer Hightech-Welt", sagt VBE-Landesgeschäftsführer Hjalmar Brandt. Auch die Schüler verlangen mehr Engagement vom Land, um "Fortschritte im digitalen Zeitalter" zu machen. Der Umgang mit Medien müsse in jedem Fach praktiziert werden, sagt Jim Preuß von der Landesschülervertretung, der in diesem Zusammenhang auch ein Ende des fast flächendeckenden Handyverbots an Schulen fordert.

Das Land sieht sich trotzdem auf einem guten Weg. Das Bildungsministerium verweist auf eine Telekom-Studie, wonach Rheinland-Pfalz bei der digitalen Bildung im bundesweiten Vergleich eine Vorreiterrolle einnehme. Mehr zum Thema

Wie die Schulen die digitale Herausforderung meistern. Das Land sieht sich trotz Kritik in einer Vorreiterrolle - und gibt Grundschulen mehr Geld. Mehr lesen Sie hier.