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Aus dem Archiv (August 2016) : Schulterschluss in Sachen Lückenschluss: Verkehrsminister streben schnelle Umsetzung des Projekts an

Aus dem Archiv (August 2016) : Schulterschluss in Sachen Lückenschluss: Verkehrsminister streben schnelle Umsetzung des Projekts an

Schon seit Jahrzehnten hoffen viele Privatleute, Politiker und Unternehmer darauf, dass sich die 25 Kilometer lange Autobahn-Lücke in der Eifel endlich schließt. Der Bund hat das Geld dafür in Aussicht gestellt, aber realisieren müssen ihn Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Die Länder wollen nun die Planung beschleunigen.

Es ist eine Menge getan worden, um mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen die politischen Akteure in Berlin, Düsseldorf und Mainz zu bewegen darauf hinzuwirken, dass sich in Sachen A-1-Lückenschluss endlich etwas bewegt. 2011 fahren Bürger aus den Kreisen Vulkaneifel und Euskirchen in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt und demonstrieren dafür, dass die 25 Kilometer lange Lücke zwischen Blankenheim und Dreis-Brück (Anschlussstelle Kelberg) so schnell wie möglich geschlossen wird. 2012 werden 35.000 Pro-Lückenschluss-Unterschriften aus der Vulkaneifel an den damaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) übergeben. Im November 2015 appellieren Unternehmer, Politiker und Bürger aus beiden Bundesländern gemeinsam mit den Industrie- und Handelskammern (IHK) Aachen, Koblenz und Trier an die Politik, die Lücke endlich zu schließlich.

Minister Wissing will Baurecht für A-1-Lückenschluss bis 2021 schaffen

Vergleichbar mit Kölner Dom

Darauf verwies auch der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) beim Treffen mit seinem nordrhein-westfälischen Amtskollegen Michael Groschek (SPD) in Blankenheim. "Die Eifeler haben ein klares Bekenntnis zur A.1 abgegeben. Unterschriftenaktionen mit mehr als 35.000 Befürwortern, aktuelle Resolutionen der Kreise und Gemeinden, des Bündnisses Pro Lückenschluss und der IHK Trier sind Beleg dafür." Groschek sagte mit Blick auf die bereits seit Jahrzehnten laufende Planung, diese sei wohl nur noch mit der "Bauzeit des Kölner Doms" zu vergleichen. Dessen Bau wurde im 13. Jahrhundert begonnen und im 19. Jahrhundert abgeschlossen.

Groschek zeigte sich aber sehr optimistisch, die "fast unüberwindliche deutsche Klagemauer" zu überwinden, denn: "Wir sind in beiden Ländern gut aufgestellt im Planfeststellungsverfahren". Die Planung stelle zwar eine "grandiose Herausforderung dar", aber dennoch wäre es "doch ein Witz, wenn wir 25 fehlende Kilometer zwischen Heiligenhafen an der Ostsee und Saarbrücken nicht gebaut bekämen".

Dafür müssten beide Länder nun schnell "in die Pötte kommen", um Baurecht bis 2021 zu erreichen, erklärten die Minister. Wobei deren Amtszeiten unterschiedlich sind: In Rheinland-Pfalz dauert die Legislaturperiode noch bis 2021, während der nordrhein-westfälische Landtag im Mai 2017 neu gewählt wird. Ob der SPD-Mann danach noch Minister ist, ist offen, dennoch zeigte er sich zuversichtlich: "In der nächsten Legislaturperiode bis 2022 schaffen wir das."

Und was sagen die Lückenschluss-Gegner, von denen eine Handvoll in Blankenheim protestierte? Für die Natur- und Umweltschutzverbände Nordrhein-Westfalen und der Bürgerinitiative "Gegen den Bau der A 1" gibt es keinen "erkennbaren Verkehrsbedarf für einen Autobahn-Neubau". Es seien "schwerste Umweltrisiken" zu befürchten, deshalb das Fazit: "Das Gesamtprojekt ist zu streichen". Statt des Lückenschlusses plädiere man für einen Ausbau der B 51.

Der Lückenschluss wird in drei Bauabschnitten geplant:
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Für den ersten, rund sechs Kilometer langen Abschnitt zwischen dem heutigen Ausbau8ende an der Anschlussstelle Blankenheim (B 51) bis zur Anschlussstelle Lommersdorf läuft derzeit ein sogenanntes Deckblattverfahren. Damit werden Planänderungen im Umweltbereich eingearbeitet. Das "Deckblatt" mit den Planaktualisierungen soll im zweiten Quartal 2017 offengelegt werden. Die Kosten für den Abschnitt werden auf rund 50 Millionen Euro geschätzt. Darin sind auch zwölf Brücken enthalten.

Den zweiten Abschnitt zwischen den Anschlussstellen Lommersdorf und Adenau plant auch Nordrhein-Westfalen. Die 8,7 Kilometer lange Strecke überschreitet insgesamt elf Mal die Landesgrenze, und zwar im Kreis Euskirchen mit der Gemeinde Blankenheim, im Kreis Ahrweiler mit der Verbandsgemeinde Adenau und im Kreis Vulkaneifel mit der Verbandsgemeinde Hillesheim. Die voraussichtlichen Kosten für diesen Abschnitt betragen rund 227 Millionen Euro (126,9 Millionen in Nordrhein-Westfalen, 99,7 in Rheinland-Pfalz).

Nach Angaben der Planer sind die Kosten so hoch wegen der zehn Brücken, die gebaut werden müssen. Die beiden größten sind die Talbrücke Aulbach mit einer Länge von 920 Metern und einer Höhe von 45 Metern und die Ahrtalbrücke mit einer Länge von 840 Metern und einer Höhe von 90 Metern. Auch dieser Abschnitt befindet sich im Planfeststellungsverfahren.
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Der dritte 10,5 Kilometer lange Abschnitt von der Anschlussstelle Adenau bis zur Anschlussstelle Kelberg liegt komplett in Rheinland-Pfalz und wird auch dort geplant. Die Baukosten in diesem Abschnitt sollen nach jetzigem Stand rund 205 Millionen Euro betragen. sts